Der große heimische Star heißt "Bambikiller". Er wird heute im Prater beim Catchen seinen Weltmeistertitel verteidigen. Der "neunfache Champion" heißt bürgerlich Chris Raaber, ist 40 Jahre alt und zweifacher Familienvater. Ein Baby befindet sich derzeit im Landeanflug auf Mutter Erde, während sich Papa im Zelt bei der Liliputbahn am Samstag zu nächsten Titeln prügelt.

400 glückliche Zuschauer werden den Kämpfen beiwohnen, die Behörde hat wegen Corona nicht mehr erlaubt. So ist das bisher vierte "Pratercatchen" schon ausverkauft und wird wohl kein Geschäft. "Es geht nicht nur um Geld", sagt Praterverband-Präsident Stefan Sittler-Koidl. Als Gastgeber setze man auf ein attraktives Event, das den Prater belebt.

Der eigentliche Veranstalter des Ringer-Turniers ist Marcus Vetter. Ihm und den beiden heimischen Wrestler-Größen Bambikiller und den "Tag Team Champion" Michael Kovac (49) geht es um Präsenz ihres Sports. Vetter: "Allein aus Marketing-Sicht müssen wir was tun, sonst können wir das Turnier künftig vergessen." Um die Zukunft, die an eine große Vergangenheit in Wien anknüpft, geht es. Jahrzehntelang gab es nach dem Weltkrieg am Wiener Heumarkt im Sommer lange Turniere mit "Freistilringern". Bis zu 8.000 Besucher waren täglich dabei. Georg Blemenschütz wurde f ast immer "Weltmeister". Der "Schurl" war im Nachkriegs-Wien so populär, dass der Catcherkönig sogar ein Ehrengrab besitzt.

Legendär auch Ausritte und Sprüche aus dem Publikum. "Wir san ja net am Heumarkt" gilt heute noch als Ordnungsruf. "Schurl, reiß’ eahm die Brust auf und scheiß’ eahm aufs Herz", ist nur ein anspornender Zuruf aus Frauenmund, der im Gedächtnis blieb.

Michael Kovac hat das Heumarktturnier noch als junger Ringer "miterlebt", das unter dem verstorbenen Telefonbuch-Zereißer "Big Otto Wanz" 1997 mangels Besuchern am Heumarkt ein bitteres Ende fand. Damals wartete ein schmächtiges Bürschchen jeden Abend am Ausgang auf die Ringer. "Was willst denn Du?", soll den kleinen Fan Chris Raaber ein Fleischkoloss gefragt haben, "Du kannst net amal an Reh was tun." So wurde eine Wrestler-Figur geboren und Fan Chris zum heutigen "Bambikiller". Michael Kovac nahm sich seiner an und trainierte ihn. Mit seiner "Powerplexx" Wrestling School gilt Kovac noch heute als Nachwuchs-Zentrum.

Außer "Bambikiller" Raaber und Michael Kovac gibt es noch zwei Österreicher, die im internationalen Ringergeschäft mitmischen: Robert Dreissker und die Kunstfigur WALTER. Wer, wie sie, die Aufnahme in den US-Verband geschafft hat, kann vom Job des Catchers auch relativ gut leben.

Andere müssen es billiger geben. Doch sie zeigen viel Enthusiasmus für ihren Sport. Laut "Bambikiller" bedarf das großer "Disziplin" und auch viel "Verzicht". Oberstes Ziel echter Profis ist schließlich die Beherrschung spektakulärer Tricks und Acts, "um weder sich selbst noch andere zu verletzen". Auf diese Weise gelungene Shows machen weltweit das Publikum, große und kleinere Stars richtig glücklich.