Kinderlachen ist zu hören. Eine Katze huscht zwischen einem Gartenzaun hindurch. Ein Spätsommertag liegt über dem Gallitzinberg in Ottakring. Nicht nur für Ausflügler ist diese Gegend etwas Besonderes, sondern auch für viele, die von hier aus gerne den Weltraum beobachten. Die seit mehr als 130 Jahren bestehende Kuffnersche Sternwarte ermöglicht das - als eine von drei öffentlichen Sternwarten in Wien. "Hier in diesem Turm befindet sich der Refraktor", erklärt Astrophysiker Günther Wuchterl vom Förderverein Kuffner Sternwarte und bleibt davor kurz stehen.

Seit dem Jahr 1982 organisiert der Förderverein öffentliche Führungen, Vorträge, Kurse oder Seminare in der Kuffnerschen Sternwarte. Mehr als 6.000 Besucher zählt er durchschnittlich jedes Jahr - Tendenz steigend. "Astronomisches Wissen zu verbreiten" ist einer seiner Hauptaufgaben. Hinzu kommen Kooperationen mit astronomischen Organisationen aus dem In- und Ausland und die Forschungsarbeiten. So werden etwa die Lichtemissionen von hier gemessen und ausgewertet. Im Rahmen eines Lichtmess-Netzwerks arbeitet er zum Beispiel mit dem Naturhistorischen Museum zusammen. All das macht die Warte zu einer weit über die Grenzen Österreichs bekannten und anerkannten Institution.

Doch nicht nur um all das - sondern auch um deren Erhaltung und die Wartung der aufwendigen und einzigartigen Technik nimmt sich der Förderverein an, obwohl diese laut Nutzungsvereinbarung vom 8. Juni 1995 nicht zu seinen Aufgaben zählen, führt Wuchterl aus, der sie in einem Nebensatz auch als Provisorium bezeichnet. Abgeschlossen wurde die Übereinkunft zwischen dem Verein einerseits und dem Verband Wiener Volksbildung - als Dachorganisation der VHS - und der VHS Ottakring andererseits, die seither die Zusammenarbeit regelt.

Zwei-Personen-Betrieb

"Der Verband übernimmt damit folgende Pflichten: Verwaltung und Instandhaltung des Gebäudes, der Infrastruktur und der astronomischen Instrumente." Bis zu fünf Mitarbeiter sollen in der Kuffner Sternwarte tätig sein, um für einen reibungslosen Bildungs- und Gebäudebetrieb zu sorgen, heißt es darin.

"Die Sternwarte ist in der Regel aber tagsüber unbesetzt", bedauert Günther Wuchterl. Wenige seien zu den Bürozeiten am Berg. "Wir wissen aber nicht genau, wann jemand da ist, was unsere Arbeit erschwert." Die VHS sollte laut Nutzungsvereinbarung einen Kurs- und Veranstaltungsbetrieb organisieren, was die VHS auch bestätigt. Personell seien in der Kuffnerschen Sternwarte eine Person für das Management von Technik und Programm sowie eine Reinigungskraft tätig. "Die Veranstaltungen würden von einem Team von Kursleitenden abgehalten." Kundenservice, Administration, Öffentlichkeitsarbeit sowie die Leitung werden gemeinsam mit den anderen astronomischen Einrichtungen wahrgenommen. Die VHS komme ihren vertraglich festgelegten Zuständigkeiten "in vollem Umfang nach", hält sie in der Reaktion fest. "Ohne die zur Verfügung gestellten Mittel sowie die vorhandene Expertise wäre die Sternwarte nicht in dem Zustand, in dem sie heute vorzufinden ist."

"Viele Verantwortliche der Stadt wissen jedoch nicht, was wir hier als Verein alles leisten", betont Günther Wuchterl, der zugleich Leiter der Kuffnerschen Sternwarte ist. "Wir arbeiten hier alle als Ehrenamtliche und machen vieles in unserer Freizeit." Auch das Geld für die Sanierung und Wartung der Geräte müsse der Verein immer wieder vorstrecken.

Abhängig von US-Spenden

Ohne externe Aufträge wie Lichtmessungen oder Spenden wie etwa von Michael Eberstadt, den in den USA lebenden Urenkel von Sternwarte-Gründer Moriz von Kuffner, sei das aber nicht möglich. Bereits mehr als 75.000 Euro stellte er bisher dem Verein für diese Arbeiten zur Verfügung. Die VHS begrüßt die Arbeiten, die der Verein organisiert und bezahlt. Von ihr hieß es dazu, dass "im Rahmen der Erhaltungspflicht die astronomischen Instrumente in regelmäßigen Abständen gewartet und bei Bedarf instand gesetzt werden, wofür entsprechend qualifizierte Restauratoren sowie spezielle Firmen engagiert werden". Auch würden seit der Übernahme der Sternwarte durch die VHS Mitte der 1990er-Jahre die Sanierung und Wartung der Instrumente durch die Wiener Volkshochschulen und nicht durch den Verein getätigt. Auf die Frage, wie viele Geldmittel tatsächlich in diese vielfältigen Arbeiten fließen, ging die VHS nicht ein.

Für Eva Weißmann, Bezirksvorsteherin-Stellvertreterin von Ottakring, ist die Kuffner Sternwarte bedeutend für Wien und für den Bezirk. Deren Förderverein leiste Großartiges und sei in Kooperation mit der VHS Wien zweifellos unverzichtbar für den Standort. "Als Bezirk Ottakring sind wir froh und stolz, sie in unserem Bezirk zu haben." Stadt Wien und Bezirk ermöglichten eine grundlegende und umfassende Restaurierung des Bauwerkes in den 1990er Jahren und retteten sie dadurch auch vor dem Verfall.

"Die Sternwarte ist ein bauliches Juwel und eine Bildungseinrichtung für alle Wiener", so die Politikerin zur "Wiener Zeitung". "Als Bildungseinrichtung für alle Wiener wird die Sternwarte auch in Zukunft geführt und betreut werden - sowohl seitens der Stadt Wien als auch der VHS Wien", sagt Eva Weißmann. "Natürlich in Kooperation mit dem Verein Kuffner Sternwarte, mit dessen Vertretern wir als Bezirksvorstehung in gutem Austausch stehen."

"Manche im Vorstand fordern, dass der Verein den gesamten Betrieb der Warte übernimmt und mit Budget ausgestattet wird." Auch soll er Mitarbeiter anstellen können. "Die Nutzungsvereinbarung mit der VHS sehe das aber nicht vor", findet Günther Wuchterl, der ihn als nicht mehr zeitgemäß kritisiert. Es könne nicht sein, dass die Warte heute hauptsächlich von Ehrenamtlichen betrieben und unterhalten wird, fügt der Vereinsobmann hinzu. "Die Nutzungsvereinbarung zwischen VHS und dem Verein sieht kein Budget für den Verein vor", reagiert die VHS dazu, ohne auf die Forderungen des Vorstands weiter einzugehen.

"Die Kuffner Sternwarte ist ein Ottakringer Wahrzeichen und Stadt und Bezirk müssen alles daransetzen, es zu bewahren und auch künftigen Generationen zugänglich zu machen", sagt Stefan Trittner, Obmann der ÖVP-Ottakring, der die Arbeit des Vereins lobt: "Die engagierte, ehrenamtliche Arbeit des Vereins Kuffner Sternwarte kann gar nicht hoch genug geschätzt werden."

Restaurierung als Ziel

Immer wieder vernimmt Günther Wuchterl über drei Ecken, dass die Warte geschlossen werden soll - erstmals in den Jahren 2015 und 2016, als wegen eines Schadens der Refraktor außer Betrieb war und repariert wurde. Doch diese Befürchtung bewahrheitete sich nicht. Einen Austausch zwischen dem Verein und der VHS gebe es vielen Jahren auch nur sporadisch.

"Sie interessieren sich nicht mehr für uns", meint Wuchterl verbittert. Die VHS hält ihm entgegen, dass es mit dem Verein dort, wo es fachliche sowie organisatorische Berührungspunkte gibt, einen regelmäßigen Austausch gebe. Auch da sei das Verhältnis zum Verein seit Abschluss der Nutzungsvereinbarung "durch Koexistenz getragen", wie die VHS argumentiert. Sie räumt aber ein, dass es auch öfters zu Diskussionen und Differenzen komme. "Diese sind wir aber gewöhnt, intern zu regeln."

Die Dämmerung bricht über den Bezirk herein. Ein Schwarm von Krähen taucht den Himmel in ein gespenstisches Licht. Günther Wuchterl schließt das Eingangstor zur Warte. Bis 2036 soll die Restaurierung der Instrumente abgeschlossen sein, hofft der Astrophysiker. "Dann können wir alle Teleskope hier wieder in vollem Umfang einsetzen."