"Hier trifft Wien auf das Paris der 1920er-Jahre", sagt Michael Tojner. In architektonischer und gesellschaftspolitischer Hinsicht ist das Wien der 1920er-Jahre vor allem für den sozialen Wohnbau berühmt. Um leistbaren Wohnraum geht es hier allerdings nicht. Ganz im Gegenteil. Hier geht es um Glanz, Glamour und Luxus. Das Paris der 1920er-Jahre eben. Tojner führt Medienvertreter durch die neu renovierte Immobilie seines Unternehmens Wertinvest - das Boutique Hotel Motto auf der Mariahilfer Straße im 6. Bezirk.

Ein anderes Hotel hat Tojner weit über die Grenzen der Immobilienbranche bekannt gemacht. Der Betonbau des Hotel Intercontinental neben dem Wiener Stadtpark in der Landstraße schafft es bis heute nicht aus den Schlagzeilen. Tojners geplanter Turm erhitzt seit Jahren die Gemüter. Die Unesco drohte die Wiener Innenstadt seinetwegen sogar von der Liste der Welterbestätten zu streichen. Immer noch wird um die Pläne gezerrt. Eine Einigung scheint in Griffweite. Doch bis zur Eröffnung wird noch viel Wasser die Donau hinunterfließen.

Ein legendäres Haus

Das Hotel Motto wirbelte weniger Staub auf. Seine Eröffnung Anfang Oktober ist Balsam auf der Seele des Investors. Immerhin handelt es sich um ein nicht weniger legendäres Haus. In Wien kennt man das Gebäude am Bundesländerplatz. Seit 1872 firmierte der fünfgeschoßige Gründerzeitbau unter dem Namen Hotel Kummer. Heute ist es das einzige erhaltene Hotel aus dieser Epoche auf der Mariahilfer Straße. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es von französischen Soldaten als Quartier benutzt, 1955 ging es an die Österreichische Hotelbetriebs-AG. 2014 kaufte Tojners Wertinvest die Immobilie. "Über die Höhe des Investments möchte ich keine Angaben machen", sagt Tojner.

Für den Umbau wurden jedenfalls keine Kosten gescheut. Das Haus protzt an allen Ecken und Enden - vom Fußvorleger bis zum Champagner-Glas. Die handgefertigten Liftkabinen sind genauso aus Messing wie die Türgriffe. Sie wurden extra für das Hotel produziert. Die Inneneinrichtung ist eine raffinierte Mischung aus speziell entworfenen Möbeln und Vintage-Ware - Originale aus dem Hotel Rhiz etwa. Auch Teppiche und Fließen wurden für das Hotel sondergefertigt. Sie glänzen in 91 Zimmern, Seminarräumen, dem Restaurant am Dach. Im Erdgeschoss gibt es in der hauseigenen Biobäckerei "Motto Brot" Brot. Jugendliche probieren im Levis-Store Jeans.

Unter der Glaskuppel

Den gesamten Umbau samt Inneneinrichtung hat Arkan Zeytinoglu geplant. Der Kärntner Architekt hat sich auf den Hotelbau spezialisiert. "In seiner Struktur von der Gründerzeit definiert, wurden sämtliche Elemente der einstigen Vorstadt, der heutige 6. und 7. Bezirk, als gestalterische Grundlage für das Hotel herangezogen", sagt er. Bausubstanz und klassizistische Fassade blieben nach dem Umbau erhalten. Säulenreihen, Balkone, französische Fenster versprühen auch nach außen Ausschweifung. Der architektonische Höhepunkt des Hauses liegt allerdings auf dem Dach. Unter einer zweistöckigen transparenten Kuppel aus Glas und Beton sind Restaurant und Bar untergebracht. Sie sind der Öffentlichkeit zugänglich. Betrieben werden sie - wie das gesamte Hotel auch - vom stadtbekannten Gastronomen Bernd Schlacher, der sich in Wien unter anderem für das Motto am Fluss verantwortlich zeigt.

"Ich wollte, dass der Gast, wenn er das Hotel betritt, das Gefühl hat, in eine Bubble zu gehen", sagt Architekt Zeytinoglu. "Das Hotel soll eine eigene Atmosphäre haben." Und wirklich - alltägliche Sorgen, wie der fällige Zins für die überteuerte Mietwohnung, verblassen in der Luxusblase des Boutique Hotels Motto.