Fast 20 Jahre waren Citybikes Teil des Wiener Stadtbilds. Das von der Werbefirma Gewista betriebene günstige Fahrradverleihsystem startete 2003 seinen Probebetrieb. Davor war das Gratisrad-System Viennabike nach wenigen Monaten glorreich am Vandalismus und der diebischen Energie mancher Wiener gescheitert. Das Citybike avancierte hingegen zum Erfolg. Es wurden zum innerstädtischen Verkehrsmittel, wie Bus, U-Bahn und Bim auch. Zuletzt verzeichneten die rund 1.500 Citybikes eine Million Fahrten pro Jahr. Insgesamt hatten sie jährlich 3,5 Millionen Kilometer in den Reifen. In den kommenden Monaten werden die signifikanten Räder - Werbung am Hinterreifen, Korb vor der Balance - sukzessive verschwinden.

Die Fahrräder werden durch ein neues Bikesharing-System ersetzt. Es nennt sich "WienMobil Rad" und basiert auf einer App. Ab April kommenden Jahres sollen die ersten "Wien Mobil Räder" unterwegs sein. Zunächst stehen 1.000 Räder zur Verfügung, bis Herbst 2022 sollen es mit 3.000 Stück doppelt so viele sein, als es derzeit Citybikes gibt.

Tarife ändern sich

Betrieben werden die neuen Leihräder von den Wiener Linien. Als Partner holte sich der Verkehrsbetrieb den europäischen Marktführer "Nextbike" an Bord. Der verwaltet unter anderem auch das Berliner Stadtradservice. "Nextbike" wird die Stationen errichten, die Räder bereitstellen und den Betrieb inklusive Radservice, Wartung und Verteilung übernehmen.

Änderungen gibt es nicht nur in der Radanzahl und dem Ausleihprozedere mittels App. Auch die Tarife ändern sich. Der Standard-Tarif des "Wien Mobil Rads" beträgt 0,60 Euro pro 30 Minuten, Wiener-Linien-Jahreskartenbesitzer bezahlen 0,30 Euro pro 30 Minuten. Bisher war bei den Citybikes nach einer Aktivierungsgebühr von einem Euro die erste Stunde gratis. Danach zahlte man für die zweite Stunde einen Euro, für die dritte Stunde zwei Euro, und für jede weitere vier Euro. Auch in den Flächenbezirken Simmering, Floridsdorf, Donaustadt - in denen es bisher keine Citybike-Stationen gab - können zukünftig Räder ausgeborgt werden. Das Angebot wird somit auf alle 23. Bezirke ausgeweitet. Im Rest der Stadt wird es verdichtet. "Das neue Bikesharing-Konzept bringt in Zukunft doppelt so viele Räder wie bisher, viele neue Standorte und das in allen 23 Bezirken. So kann man mit den WienMobil Rädern künftig noch besser die Stadt bequem und umweltfreundlich erkunden", wird Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ) in einer Aussendung der Wiener Linien zitiert. Insgesamt soll es 185 physische und 50 digitale Stationen geben. Physische Stationen sind exklusiv für Leihräder reserviert und durch eine rote Infostele gekennzeichnet. Digitale Stationen können auch temporär - für Events, Konzerte, Kongresse - eingerichtet werden.

Die Räder selbst sind siebengängige Smartbikes mit integriertem elektronischen Rahmenschloss. Sie können mittels GPS geortet und an allen - egal ob physischen oder digitalen - Stationen ausgeborgt und zurückgegeben werden.

Die Wiener Linien wollen mit dem neuen Service den Mobilitätsmix fördern. "Die Wege der Öffi-NutzerInnen sind ganz individuell und dafür wollen wir als Wiener Linien das beste Angebot bieten. Wir ergänzen die klassischen öffentlichen Verkehrsmittel U-Bahn, Bim und Bus mit Leihrädern, Scooter oder Leihautos und bieten so einen bunten Mobilitätsmix quer durch die Stadt", sagt Alexandra Reinagl, Geschäftsführerin der Wiener Linien.

Die Verkehrsbetrieb hat die Citybikes im vergangenen Jahr nach einem Streit über die Finanzierung von der Gewista übernommen und das System interimistisch weiterbetrieben. Bereits damals hatte Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) einen Ausbau des Systems angekündigt. Nun ist es so weit. Baba Citybike.