6.916 Straßen und Gassen gibt es in Wien. Prachtstraßen wie die Wiener Ringstraße, Einfallstraßen wie die Triester Straße, verkehrsberuhigte Straßen wie die Neubaugasse, Durchzugstraßen wie die Wienzeile. Sackgassen, Vorrangstraßen, Fußgänger- und Begegnungszonen. Lange Straßen, wie die Höhenstraße (15 Kilometer), kurze Straßen wie die Irisgasse in der Inneren Stadt (17,5 Meter). Die Vielfalt ist groß. Sie haben eines gemeinsam - sie haben alle einen Namen.

Eine Gasse, zwei Schreibweisen. - © WZ / privat
Eine Gasse, zwei Schreibweisen. - © WZ / privat

Manchmal leider den falschen. Die deutsche Sprache ist knifflig. Groß- und Kleinschreibung, Doppel-s und scharfes ß, Vogel-v und Fahnen-f. Jeder macht hie und da (Tipp-)Fehler. Sogar auf Straßenschildern, wie eine Straße in Hietzing beweist.

Eigentlich ist die Himmelbaurgasse ein Sträßchen. Auf einer Länge von nur 250 Metern verbindet sie die Hetzendorfer Straße mit der Fasangartengasse. Die Blätter der Walnussbäume und Bergahorne am Straßenrand verfärben sich langsam. Hinter ihnen steht der Betriebsbahnhof Speising - eine repräsentative Remise im Heimatstil. Auf der anderen Straßenseite liegt eine typische Hietzinger Siedlung - alte Einfamilienhäuser mit Obstgarten. Auf einem von ihnen steht in Weiß auf blau emaillierten Grund "Himmelbauergasse" auf einer Straßenbenennungstafel. Die gleiche Tafel steht wenige Meter weiter jenseits des Gartenzauns - mit einem winzigen Unterschied. Hier steht "Himmelbaurgasse" - ohne e also. Was denn nun?

Die Himmelbaurgasse ist nach Isidor Himmelbaur benannt, einem österreichischen Bibliothekar und Obmann des Wiener Volksbildungsvereins. 1919 starb Himmelbaur in Wien. Die Stadt widmete ihm eine Gasse. Das Problem: Beide Schreibweisen des Bibliothekars waren geläufig - also mit und ohne e. Das dürfte zu Verwirrung und den unterschiedlichen Tafeln geführt haben. Laut MA 46 (Verkehrsorganisation und technische Verkehrsangelegenheiten) heißt die Straße jedenfalls Himmelbaurgasse. Auch im Wiener Stadtplan und auf Google Maps wird sie so betitelt. Wer für den Fehler verantwortlich ist, lässt sich nicht eruieren. "Die Tafeln werden anlassbezogen produziert", heißt es aus der MA 46. Sie sehen übrigens seit knapp 100 Jahren gleich aus. 1923 wurde ihr Aussehen vom Gemeinderat festgelegt.

Seither passieren immer wieder Fehler. 2014 wurde etwa der Leopold-Ungar-Platz in Döbling fertiggestellt. Feierlich eröffnet wurde aber der Leopold-Unger-Platz, wie auf der enthüllten Tafel zu lesen war. Kein Wunder bei so vielen Tafeln.