Weitläufige Weingärten, idyllische Kellergassen, Mischwald, ausgedehnte Wiesen, dazu einen grandiosen Blick auf Wien. Das alles bietet der Bisamberg. Die Menschen schätzen das. Tausende zieht es jede Woche in die Natur am nördlichen Rand der Stadt. Zum Radeln, zum Spazieren, zum Heurigen. Kaum beachtet am höchsten Punkt der Senderstraße schlummert ein Architekturjuwel, die Villa Magdalenenhof.

Kurzer Blick zurück. Um 1900 war Floridsdorf ein bedeutender Standort der Metall- und Elekroindustrie. Hier wurden Automobile, Lokomotiven, Tramways, Landmaschinen, Elektrowagen, Kabel gefertigt. Zwischen 1880 und 1910 wuchs die Bevölkerung von rund 20.000 Menschen auf über 60.000. Eine Zeit lang war Floridsdorf sogar als Hauptstadt Niederösterreichs im Gespräch. Vorsorglich gab man dafür gleich einen passenden Sakralbau in Auftrag und so entstand im Donaufeld ein dem Heiligen Leopold gewidmetes enormes Gotteshaus. 1904 wurde Floridsdorf allerdings nach Wien eingemeindet und der niederösterreichische Dom zur Vorstadtkirche. Von größerer Bedeutung als die Pfarre waren für das soziale Leben links der Donau ohnehin die zahlreichen Wirtshäuser. Dort wurden vornehmlich der Wein vom Bisamberg und das Bier aus den beiden großen Floridsdorfer Brauereien ausgeschenkt. Eine davon befand sich im Besitz der Familie Mautner, die andere gehörte Rudolf Dengler.

Die Riede Magdalenenhof des gemeindeeigenen Weingutes Cobenzl umfasst 10 Hektar. - © Schmid
Die Riede Magdalenenhof des gemeindeeigenen Weingutes Cobenzl umfasst 10 Hektar. - © Schmid

Dengler, der seinen Betrieb in der vierten Generation führte, ließ sich von 1906 bis 1911 auf dem Bisamberg in bester Lage nach Plänen von Paul Hoppe eine prächtige Villa mit rund 600 Quadratmetern Wohnfläche errichten. Im "frei interpretierten englischen Landhausstil", wie der Architekturkritiker Friedrich Achleitner konstatierte. Eine zweigeschoßige Halle, mehrere Erker, zwei Küchen, ein Wintergartenanbau unterstreichen den repräsentativen Anspruch von Rudolf Denglers noblem Landsitz, der 1928 ins Eigentum der Gemeinde Wien überging. Im Laufe ihres nunmehr 110-jährigen Bestehens hat die Villa Magdalenenhof schon vielen Zwecken gedient. So war sie Jagdschlösschen genauso wie Soldatenunterkunft. Sie beherbergte eine Jausenstation, einen Balkangrill, sogar ein Bordell. Der letzte Pächter hat 2011 den Magdalenenhof verlassen. Seither sind Villa und Anwesen verwaist. Gut tut ihnen das nicht. Der lückenhafte Zaun, die rissigen Kamine, bröckelnder Putz, verplankte Fenster weisen auf dringenden Sanierungsbedarf hin. Fachleute sprechen von Kosten in mehrfacher Millionenhöhe.

Viele mögliche Nutzungen

Ein beliebtes Ausflugsziel nicht nur der Floridsdorfer Bevölkerung: der Bisamberg mit seinen Weingärten. - © Schmid
Ein beliebtes Ausflugsziel nicht nur der Floridsdorfer Bevölkerung: der Bisamberg mit seinen Weingärten. - © Schmid

In den vergangenen Jahren wurde wiederholt kolportiert, dass die Gemeinde Wien das Interesse am Magdalenenhof verloren habe und das Objekt verkauft werden solle. Der Erwerber müsse sich allerdings an den bestehenden Denkmalschutz halten. Was käme da in Frage? Die Nutzung als Wohnhaus eines reichen Privatiers, für den Geld keine Rolle spielt, wäre möglich. Auch ein Nobelrestaurant der Spitzengastronomie oder eine gut gehende Werbeagentur könnten sich da niederlassen. Oder vielleicht doch wieder ein Rotlicht-Etablissment? So weit wollten es die Rathaus-Grünen gar nicht erst kommen lassen und stellten im Juni den Antrag, "dass das Jagdschloss Magdalenenhof im öffentlichen Eigentum bleibt und zukünftig einer öffentlichen, möglichst kulturellen Nutzung zugeführt wird". Die pink-rote Gemeinderatsmehrheit lehnte ab.

Doch wie steht die Floridsdorfer Bezirkspolitik zu ihrer Dornröschenvilla, mit dem dazugehörigen gut 7.000 Quadratmeter großen Parkgrundstück auf dem Bisamberg? Die "Wiener Zeitung" hat sich umgehört. Ganz eindeutig äußern sich Grüne, Hans Jörg Schimanek (Liste WiFF) und die FPÖ.

Sie wollen definitiv keine Privatisierung, sondern den Verbleib im Gemeindebesitz. Die Ideen zur Nutzung reichen von der Kultur (Grüne) über Umweltpädagogik für Schulen (Schimanek) bis zu "Gut Aiderbichl am Bisamberg" (FPÖ). SPÖ und Neos sind da flexibler. Sie hätten kein Problem mit einem Verkauf. Die Neos würden bei "einer kommerziellen Nutzung" sogar die Senderstraße "für den Verkehr freigeben". Ein No-Go für die übrigen Parteien.

Fahrverbot auf der Senderstraße

Aktuell besteht nicht zuletzt aus Gründen des Landschaftsschutzes auf der Senderstraße an Wochenenden und Feiertagen ein Fahrverbot rund um die Uhr, an Werktagen untertags. Ausnahmen gibt es nur für Anrainer, Wirtschaftsfuhren und Radler. Diese Ausnahmen seien recht restriktiv zu sehen, sagt ÖAMTC-Chefjurist Martin Hoffer. Er widerspricht damit der verbreiteten Annahme, dass Besucherinnen und Besucher der Anrainer nach Belieben auf den Berg fahren dürften. Die herrschende Rechtssprechung sei da eindeutig, so Hoffer. Es seien nur die Anrainer ausgenommen und nicht der Anrainerverkehr.

Bemerkenswert ist die Stellungnahme des Bezirksvorstehers Georg Papai, der sich für den Magdalenenhof auch eine Baurechtsvergabe vorstellen könnte. Das würde eine Ausweitung der bebauten Fläche im aktuellen Grünland und damit eine Aufweichung der sogenannten Bisamberg-Garantie bedeuten. Der zufolge muss der Wiener Teil des Bisamberges ein Erholungsgebiet (natürlich mit Weingärten) für Bevölkerung bleiben und darf nicht weiter verbaut werden. Zu dieser Bisamberg-Garantie stehen fast alle Floridsdorfer Parteien, auch der Bezirksvorsteher will an ihr nicht rütteln. Nur ÖVP-Mandatar Erol Holawatsch hält nicht viel davon und vermutet, dass die Villa Magdalenenhof alsbald abgerissen werde.

Der verantwortliche Forstdirektor Andreas Januszkovecz sowie der zuständige Stadtrat Jürgen Czernohorszky dementieren dies vehement. Ein Abriss des Gebäudes sei zu keinem Zeitpunkt geplant gewesen, lässt Czernohorszky mitteilen. "Auch ein Verkauf der Immobilie sowie des Grundstücks wird seitens der Stadt Wien nicht angestrebt. Derzeit werden mögliche Weiternutzungen geprüft, die jedenfalls der Allgemeinheit dienen sollen", heißt es im Büro des Stadtrates.

Noch keine Entscheidung

Die endgültige Entscheidung dazu sei allerdings noch nicht gefallen. Das "zeitlich begrenzte Fahrverbot der Senderstraße" bleibe jedenfalls aufrecht. Damit scheidet wohl eine kommerzielle Nutzung aus. Doch ob der Magdalenenhof letztlich der Kultur, der Bildung, einem sozialen Zweck oder einfach einer Magistratsabteilung zur Verfügung stehen wird, ist noch offen. Es bleibt spannend.