In Sachen Taxis hat sich die Lage in Wien nicht verändert: Die Wartezeiten sind lang, die Zuverlässigkeit lässt zu wünschen übrig und angesichts des spürbar herannahenden Winters wird das einst von Manfred Tauchen und Joesie Prokopetz gesungene Lied "I steh in der Ködn und woat auf a Taxi, oba es kummt net" gerade immer realer.

"In den vergangenen Monaten war das System am Limit, die Bedingungen nicht transparent, kritisierte Uber Österreich-Chef Martin Essl die an der derzeitigen Situation am Taximarkt am Montag. Wichtigster Auslöser der Probleme sei der große Mangel an Fahrern, hervorgerufen durch eine nicht mehr zeitgemäße strenge Prüfung der Ortskenntnisse, wie Essl meinte: 80 bis 90 Prozent der Mietfahrer hätten seit Umstellung auf den Taxischein mit Jahresbeginn 2021 keine Fahrerlaubnis erworben, mehr als 60 Prozent von ihnen seien arbeitslos. Essl hofft deswegen auf eine Nachschärfung des Gelegenheitsfahrgesetzes, und dies müsse rasch kommen, weil es fast ein dreiviertel Jahr dauere, bis ein Taxifahrer seine Prüfung abgeschlossen hat. Die Kosten für den Schein würden bei 500 Euro liegen.

Die Ortskenntnisse, die auf mehreren Dutzend Seiten abgefragt würden, sind für Essl eine übertriebene Hürde - wo es doch ohnehin in jedem Auto bereits ein Navigationsgerät gibt. Er vermutet, dass diese Vorgaben auch dazu geeignet sind, den etablierten Markt gegen Konkurrenz abzuschotten. Uber fährt in Wien, Graz und Salzburg, angeboten werden vorbestellte Fahrten zu einem im Voraus fixierten Pauschalpreis. Die Zusammenlegung des Taxi- und Mietwagengewerbes, auch bekannt als "Lex Uber", trat heuer zu Jahresbeginn in Kraft. Alle Fahrer müssen nun einen Taxischein besitzen.

Davor Sertic, Obmann der Sparte Transport und Verkehr in der Wiener Wirtschaftskammer bestätigt im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" den seit der Pandemie ungebrochenen Mangel an Taxifahrern in Wien, verweist aber in Sachen Taxiprüfung auf die noch bis Ende des Jahres laufende Probephase, nach der alles evaluiert werden soll. "Wir werden sicherlich Maßnahmen aus den Ergebnissen der Probephase ableiten - eine davon könnte durchaus auch die Verbesserung der Prüfungssituation sein", so Sertic. Schließlich habe nun auch Uber ein Mitspracherecht, nachdem für das Fahrtenunternehmen dieselben Regeln gelten, wie für alle anderen Taxiunternehmen. "Und ich vertrete natürlich auch deren Interessen - wir sitzen nun alle im selben Boot und wir wollen die besten Voraussetzungen für alle schaffen", betonte der Spartenobmann.

"Ortskenntnis ist ein Qualitätsmerkmal"

Was die Ortskenntnisse der Taxifahrer anbelangt, lässt Sertic die Kritik von Uber aber nicht gelten. "Sich auf ein Navi zu verlassen, ist aus unserer Sicht zu wenig - ein guter Fahrer muss Wien kennen, muss blind wissen, wie er zum Praterstern kommt, zum Stephansdom oder nach Schönbrunn. Dass das eine anspruchsvolle Anforderung ist, das wollen wir so, und ist ebenso ein Qualitätsmerkmal der Wiener Taxiunternehmen, wie auch ausreichende Deutschkenntnisse." Aber führt das Navi nicht auch ohne Ortskenntnisse verlässlich zum Ziel - und ist nicht auch eine Unterhaltung mit dem Fahrer zuweilen entbehrlich? "Also ich will mich nicht auf das Navi allein verlassen müssen. Es ist nicht immer aktuell, was da drinnen steht - da habe ich lieber einen Fahrer, der mit genügend Ortskenntnis einen Stau umfährt, als blind dem Navi folgen zu müssen", meint Sertic.

Der Fachgruppenobmann für das Beförderungsgewerbe mit Personenkraftwagen, Resul Ekrem Gönültas, ergänzt: "Wie wichtig es ist, ortskundig zu sein, zeigt sich auch wenn man an den Tourismus denkt: Taxilenker sind oft die ersten Ansprechpersonen für Menschen, die in unsere Stadt kommen. Sie können helfen, ohne zuerst im Internet suchen zu müssen. Taxifahrer sind im Tourismus eine Visitenkarte der Stadt."

Aber das mit den strengen Prüfungen sei nicht in Stein gemeißelt. "Natürlich - wenn jetzt alle Taxiunternehmen sagen, die Ortskenntnisse sind uns nicht mehr so wichtig, dann wird man sich etwas überlegen müssen - das muss man ja auch dementsprechend gesetzeskonform gestalten", so Sertic.