Werner Freistetter hat eigentlich in der Stranzenberggasse in Hietzing seine zentrale Wirkungsstätte. Das ist der diözesane Sitz des Militärbischofs für Österreich. Oder er ist in der Stiftskaserne in Neubau, das ist sein militärischer Sitz. Am Nationalfeiertag ist er aber natürlich als einer der Ehrengäste bei der Bundesregierung.

"Am Nationalfeiertag besinnen wir uns darauf, was uns in Österreich verbindet und danken allen, die sich für die Menschen in unserem Land einsetzen und dem Gemeinwohl dienen, sagte Freistetter am Dienstag gegenüber der "Wiener Zeitung".

Freistetter ist seit 2015 Militärbischof für Österreich und somit der dritte in diesem Amt seit 1986. Das durch Papst Johannes Paul II. eingerichtete Militärordinariat der Republik Österreich ist eine von 30 weiteren Militärdiözesen weltweit. Freistetter betreut knapp 100.000 Katholiken im Umfeld des österreichischen Bundesheeres. Momentan gibt es 18 Militärpfarren in Österreich, eine davon befindet sich in Wien.

Die Militärseelsorge ist unter den kategorialen Seelsorgesparten eine der ältesten der Welt, ihre Geschichte geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Neu geregelt wurde die Katholische Militärseelsorge per 21. April 1986 durch die Apostolische Konstitution "Spirituali militum curae", wodurch es von da an einen eigenverantwortlichen Militärbischof gab.

Einem Diözesanbischof
gleichgestellt

Als Militärbischof ist Freistetter einem Diözesanbischof gleichgestellt und gehört der Österreichischen Bischofskonferenz an. Dort betreut er die Referate Weltreligionen, Weltkirche, Weltmission und die Polizeiseelsorge. Seine Jurisdiktion ist mit jener des territorial zuständigen Diözesanbischofs kumulativ - das heißt, er ist erst zuständig, wenn es sich um militärische Liegenschaften handelt.

Der Diözesanbischof tritt innerhalb des Militärs de facto nie auf. "Ich habe eine doppelte Ernennung", sagt Bischof Freistetter. "Einerseits bin ich zum Bischof geweiht und andererseits vom Bundesheer ernannt." Der Rang des Militärbischofs entspricht übrigens einem Generaldienstgrad.

Zuständig ist der gebürtige Linzer für alle katholischen Angehörigen des Bundesheeres und der Heeresverwaltung sowie deren Familienangehörigen und Präsenzdiener während ihres Wehrdienstes. Darunter fallen auch Trauungen, Taufen und Firmungen. "Es ist eine Art Personaldiözese. Wir sind durch einen Personenkreis definiert", erklärt er.

Die Aufgaben des Militärbischofs gleichen in vieler Hinsicht denen anderer Bischöfe in der Gesamtleitung einer Diözese: Verantwortung für Personal, für Finanzen, für die kirchlichen Vorschriften und Ordnungen. Die Leitung der Seelsorge folgt allerdings den speziellen Bedingungen des Militärs, in Österreich und bei Auslandseinsätzen. In Bosnien, im Kosovo und im Libanon - überall dort, wo es ein österreichisches Kontingent gibt. Aber wieso gibt es einen eigenen Bischof gerade für das Heer?

Gefährliche Situationen
bei Auslandseinsätzen

"Die besondere Situation des Militärs erfordert eine besondere Ordnung", sagt der Militärbischof. Soldaten seien oft mit außergewöhnlichen Schwierigkeiten konfrontiert und bei Auslandseinsätzen könne es zu durchaus gefährlichen Situationen kommen - da ist die Militärseelsorger in besonderem Ausmaß gefordert.

Das Militärgeneralvikariat ist die oberste geistliche Behörde des Militärbischofs. Zu seinen Aufgaben zählen die Umsetzung der Weisungen des Militärbischofs, Personalangelegenheiten, die zentrale Matrikenführung (Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher).

"Sorge dafür zu tragen, dass die Soldaten eine gute und verlässliche Begleitung haben, ist für mich eine herausfordernde und schöne Aufgabe", sagt der Militärbischof. Gerade in Konfliktregionen sind die Soldaten oft vor schwierige menschliche und berufliche Herausforderungen gestellt. Auch kämen sie dort mit verschiedenen Religionen in Kontakt. Grundsätzlich besuche Freistetter sehr gerne die ausländischen Kontingente, weil er selbst als Militärseelsorger in verschiedenen Einsatzgebieten prägende Erfahrungen gesammelt hat. "Es ist eine besondere organisatorische Herausforderung, dass wir über ein so großes Gebiet verteilt sind."

Gründer des Instituts für Religion und Frieden

Einen besonderen Auftrag erhielt Freistetter Ende der 1990er Jahre vom damaligen Militärbischof: Er sollte ein Institut aufbauen, das sich mit Fragen der Ethik und Moral beschäftigt - das Institut für Religion und Frieden. Dort steht die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den aktuellen sicherheitspolitischen Veränderungen im Licht der kirchlichen Soziallehre im Mittelpunkt. Ein besseres Verständnis für die Friedenslehre der Kirche und die Lehre zu Krieg und Frieden sollte damit gefördert werden. Geleitet wird es derzeit vom Militärdekan Stefan Gugerel, Militärpfarrer an der Heeresunteroffiziersakademie.

Und noch etwas macht die Seelsorge beim Bundesheer besonders: Durch die allgemeine Wehrpflicht bilden die Soldaten einen Querschnitt durch die Bevölkerung von jungen männlichen Erwachsenen. Viele davon stünden der Kirche nicht gerade nahe und "da ergeben sich oft sehr interessante Gespräche und Kontakte, die einen Zugang zur Kirche ermöglichen, den manche so nicht hätten", freut sich Freistetter. Die Möglichkeit des gegenseitigen Austausches werde sehr gerne genutzt. Die Militärseelsorger würden von den Soldaten vor allem als Begleiter und Kamerad wahrgenommen.