Fahrradfahren boomt. Vor allem seit Beginn der Corona-Pandemie greifen immer mehr Wienerinnen und Wiener anstatt zum Autoschlüssel oder zur Öffi-Fahrkarte zum Radhelm - auch im Winter und Herbst. Doch das Radfahren in der kälteren und dunkleren Jahreszeit birgt viele Gefahren. Vereiste oder vom Schnee bedeckte Radwege, Dunkelheit und nasses Laub zählen dazu.

"Wichtig sind eine gute Lichtanlage, ein gut eingestellter Frontscheinwerfer und Reflektoren", meint Martin Blum, Wiener Radverkehrsbeauftragter und Geschäftsführer der Mobilitätsagentur Wien. "Wichtig ist auch, bevor man losfährt, die Bremsen zu testen." Das Fahrrad sollte im Winter regelmäßig von Streusalzrückstände befreit werden. Es empfiehlt sich auch, bei Kälte eine Spur weniger Reifendruck im Reifen zu haben (ideal sind im Sommer um die 4,0 bar), um besseren Halt auf der Fahrbahn zu haben. Außerdem ist es hilfreich, bei feuchter Witterung Kotschützer gegen aufspritzenden Schmutz zu verwenden.

Grundsätzlich werden die meisten Radwege winterlich betreut. Seit einigen Jahren gibt es in Wien aber ein sogenanntes Prioritätennetz. Das bedeutet: Zuerst werden vielbefahrene Radwege gleichzeitig mit den Kfz-Hauptstraßen geräumt. Danach sind eher wenig befahrene und schmälere Radwege dran. (Den Online-Plan mit allen winterbetreuten Radwegen finden Sie unter: www.wien.gv.at/verkehr/radfahren/winterraeumung.html)

In Anbetracht von rund 6.500 Radunfällen in Wien - das sind doppelt so viele wie in manchen anderen Ländern Europas - verlangt das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) Gesetzesänderungen. Gesetzlich vorgeschrieben sollte zum Beispiel sein, dass man beim Überholen mit dem Rad 1,5 Meter Abstand halten müsse. Bisher wird der 1,5-Meter-Abstand zwar empfohlen, in der Straßenverkehrsordnung wird aber nur ein "ausreichender Sicherheitsabstand" verlangt.

Kritik an schmalen "Micky-Maus-Radwegen"

Außerdem müsse die Radfahrinfrastruktur verbessert werden, fordert das KfV. Die Radwege müssten breiter und klarer gekennzeichnet werden. Aktuell, kritisiert Klaus Robatsch, Leiter der Verkehrssicherheitsforschung der KfV, gebe es noch viele schmale "Micky-Maus-Radwege". Gemessen am Unfallrisiko sei das Radfahren hierzulande "sogar risikoreicher als Motorradfahren und deutlich gefährlicher als Autofahren", meint Robatsch.

Während die Zahl der verunglückten Verkehrsteilnehmer von 2012 bis 2020 insgesamt um 28 Prozent zurückgegangen ist, ist jene der Radunfälle um ganze 42 Prozent gestiegen. Allein im Vorjahr starben 40 Radfahrer. Jeder Zweite saß dabei auf einem E-Bike.