London, Paris, München. In vielen Städten explodieren die Mieten. Wien steht im Vergleich dazu gut da. Zwar steigt auch hier die Durchschnittsmiete von Jahr zu Jahr. Mit 8,65 Euro pro Quadratmeter lag sie laut Statistik Austria im Vorjahr jedoch weit unter jener, anderer europäischer Metropolen. Doch die Sache hat einen Haken. 

In Wien drückt der soziale Wohnbau die Durchschnittsmiete. 75 Prozent aller Wienerinnen und Wiener leben in Mietwohnungen. 29 Prozent davon im Gemeindebau, 28 Prozent in geförderten Genossenschaften. Laut Stadt Wien wohnen 60 Prozent aller Mieterinnen und Mieter im geförderten oder kommunalen Wohnraum. Die Quote ist weltweit einzigartig. Doch was ist mit den restlichen 40 Prozent?

Der private Mietsektor ist immerhin der zweitgrößte in Wien. Er umfasst etwa 300.000 Wohnungen. Und hier explodieren auch in der Bundeshauptstadt die Mieten. Für Menschen, die nicht im sozialen Wohnbau unterkommen, wird Wohnen zunehmend zur finanziellen Belastung.

Wie hoch der durchschnittliche Mietzins im privaten Segment ist, ist nicht bekannt. Es gibt keinen repräsentativen Index. Viele Mieter haben alte, unbefristete - und damit günstige - Verträge. Für Wohnungssuchende schaut es jedoch finsterer aus. Laut Mietmonitor der TU Wien nahmen private Mieten in Wien von 2008 bis 2016 um satte 53 Prozent zu. Die Immobilienplattform immowelt.at hat die aktuellen Mieten mit denen des Vorjahres verglichen. Datenbasis waren die Immobilieninserate auf der Plattform - und damit fast ausschließlich privat vermietete Wohnungen. Die Durchschnittsmiete von neu vermieteten Wohnungen liegt laut den Berechnungen derzeit bei 14,4 Euro pro Quadratmeter.

Starker Anstieg in Simmering

Doch der private Wohnungsmarkt ist nicht homogen. Die Mieten entwickeln sich in den Bezirken unterschiedlich. Ein langjähriger Trend hat sich in den vergangenen zwölf Monaten gedreht. In den einst preiswerteren Außenbezirken steigen die Zinse, während sie im Zentrum fallen. So kam es innerhalb des Gürtels zu Rückgängen. In den Bezirken Neubau, Wieden, Mariahilf gingen die Mieten um drei Prozent zurück. In allen drei Bezirken ist das Preisniveau pro Quadratmeter ähnlich - zwischen 14,10 Euro in Wieden und 14,70 Euro in Neubau.

In den Außenbezirken verhält es sich genau umgekehrt. Den mit Abstand stärksten Anstieg verbucht Simmering. Im 11. Bezirk stieg die Medianmiete bei Neuvermietungen um 15 Prozent auf aktuell 14,70 Euro pro Quadratmeter. Damit reiht sich Simmering unter die fünf teuersten Gegenden der Stadt - was Neuvermietungen betrifft. Schuld daran ist die große Anzahl an fertiggestellten teuren Neubauwohnungen. Sie treiben auch in Ottakring und Floridsdorf die Preise nach oben.

Die moderate Wiener Durchschnittsmiete könnte bald kippen. Denn der Anteil des frei finanzierten privaten Wohnbaus nimmt von Jahr zu Jahr zu - auf Kosten des sozialen Wohnbaus. In den großen Entwicklungsgebieten der Stadt - etwa im Nordbahnviertel - wird nur noch ein Drittel der Neubauten gefördert, neue Gemeindebauten gibt es dort keine.(wint)