Corona-Viren sind die religiösen Feste ihrer Wirte egal. Sie vermehren sich auch zu Weihnachten. Die ansteckendere Omikron-Variante vermutlich sogar rasend. Der vergangene Lockdown - der uns in der ersten Hälfte des Advents Beschränkungen auferlegte - verschafft Österreich nun zumindest über Weihnachten eine kurze Verschnaufpause. Spätestens im neuen Jahr ist ein starker Anstieg der Fallzahlen prognostiziert. Weihachten dürfte die Dynamik eher antreiben als bremsen. Viele Wiener werden ihre Verwandten besuchen. Sie werden mit ihren Eltern, Großeltern, Geschwistern feiern, mit Freunden Punsch trinken, in die Bundesländer reisen. Um die Feiern sicher zu überstehen, ruft die Stadt Wien zum verstärkten Testen auf.

"Das Weihnachtsfest darf und soll gefeiert werden - im kleinen Rahmen und mit entsprechenden Schutzmaßnahmen und entsprechender Vorsicht. Ich kann nur empfehlen, es vor jedem Treffen mit Familienangehörigen und Freunden einen PCR-Test zu machen", sagt Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Das ist in Wien kein Problem. Mit der kostenlosen "Alles gurgelt!"-Aktion hat die Stadt bereits vor Monaten eine flächendeckende PCR-Testinfrastruktur ausgerollt. Bis Montag wurden 18 Millionen Proben abgegeben. "Davon waren 150.000 positiv", heißt es aus dem Büro von Hacker. Das sind 0,85 Prozent. Der Tagesschnitt aller PCR-Tests in Wien liegt bei 241.300. Über die Feiertage soll das Angebot noch breiter werden.

Angebot erweitert

So wurde die Zahl der "Alles gurgelt"-Abgabestellen, die an Sonn- und Feiertagen geöffnet haben, nahezu verdoppelt. Denn zu den bisherigen Abgabestellen (Billa, Penny, Bipa, BP-, Jet- und Shell-Tankstellen) kommen OMV- und Eni-Tankstellen, sowie die ÖBB-Stationen Hauptbahnhof, Westbahnhof und Bahnhof Meidling dazu. 122 Standorte stehen der Bevölkerung nun auch über Weihnachten zur Verfügung. An allen anderen Tagen können die Tests an 692 Stellen abgegeben werden. Die Wiener Teststraßen, das Testzentrum im Austria Center Vienna und die Gurgelboxen haben auch über die Feiertage täglich bis 19:00 bzw. 21:00 Uhr geöffnet.

Während ganz Wien kostenlos gurgelt, gibt es hingegen für eine Bevölkerungsgruppe wenig Angebot. Kleinkindern, die nicht gurgeln können, haben wenig Test-Möglichkeiten. Ein Lollipop-Test kostet in der Apotheke zwischen acht und zwölf Euro. Selbst wenn es die Eltern schaffen, ihr Kind zu überzeugen, an dem Plastikteil zu lutschen, ist die Aussage des Ergebnisses fragwürdig. Die Lutscher haben als Antigentests eine geringere Sensitivität als PCR-Tests. Die gibt es für Kleinkinder am Markt nicht. In manchen Kindergärten allerdings schon.

Denn in 23 Kindergärten führt die Stadt seit September eine Studie durch. Einbezogen sind städtische und private Einrichtungen. Die Kinder machen einmal pro Woche einen PCR-Test. Auf einem Stäbchen befindet sich Traubenzucker. Der muss zwei Minuten lang gelutscht werden. Die Proben werden in einem Labor ausgewertet. Per SMS erfahren die Eltern das Ergebnis. Der Test soll die Kleinkinder-Lücke im Testangebot der Stadt schließen. Bis es so weit ist, wird es aber noch dauern. "Die Studie wird auch nach Weihnachten weitergehen", heißt es aus dem Büro von Hacker auf Nachfrage der "Wiener Zeitung". "Danach werden wir uns ansehen, ob wir das Angebot auf alle Kindergärten ausweiten können." Auch eine Aufnahme der Stäbchen in das "Alles gurgelt"-Angebot wäre denkbar. Hauptziel sei aber, dass der Test flächendeckend in allen Kindergärten zum Einsatz kommt. Wie lange die Studie noch dauern wird, sei momentan nicht absehbar.

Rachenabstrich für Kinder

Das Büro weist aber darauf hin, dass die PCR-Gurgeltests schon ab einem Alter von vier Jahren möglich seien - es könne dabei schließlich nicht nur gegurgelt, sondern auch gespült werden. Auch in den Teststraßen der Stadt können grundsätzlich auch Kleinkinder getestet werden. Empfohlen wird dort der PCR Test allerdings erst ab sechs Jahren. "Bei jüngeren Kindern machen wir einen Rachenabstrich mit besonders weichen Stäbchen. Mitarbeiter wurden extra dafür geschult", heißt es aus dem Hacker-Büro. Das Angebot sei bisher allerdings kaum angenommen worden.

Dass auch Kleinkinder ansteckend sein können, ist mittlerweile Faktum. Vor allem für Großeltern geht von ihnen verstärkt Gefahr aus. Zu Weihnachten werden sie sich trotzdem sehen wollen. Mit den Warnungen der Virologen im Hinterkopf, hoffentlich getestet. Denn dem Virus ist Weihnachten genauso egal wie das Alter seines Wirten.(wint)