Wann und wo erste Weihnachtsbäume aufgestellt wurden, ist schwer festzustellen. Die Urform des Brauchs soll auf die Protestanten und auf Martin Luther selbst zurückgehen. Wenig geschmückte "Grasbäume" waren ihr Gegensymbol zu Krippen der katholischen Kirchen. Erste Christbäume sind ab 1540 im Elsaß beurkundet. Jedenfalls ereifert sich 1642 ein Prediger in Straßburg gegen die herrschende "Unsitte", Bäume "aufzuputzen". Und selbst in Goethes "Leiden des jungen Werther" wird in einer Szene bereits ein Christbaum beschrieben.

Der Generaldirektor der Albertina, Klaus Albrecht Schröder, erzählt besonders gerne die Version mit Wien als Ursprung des heute bekannten Christbaums, der von hier aus die Welt eroberte. Die hat natürlich mit der Albertina zu tun, wo jährlich im sogenannten Audienzsaal ein Monsterexemplar aufgestellt wird.

Der Gründer des heute weltbekannten Museums mit der bedeutendsten grafischen Sammlung, war Namensgeber Herzog Albert von Sachsen-Teschen. (1738 bis 1822). Der kinderlose Reichsgeneralfeldmarschall und Kunstsammler adoptierte den Habsburger Erzherzog Carl (1771 bis 1847). Jener war letzter "Generalissimus" und ein Sieger der Schlacht bei Aspern 1812. Seine Reiterstatue ziert in Wien den Heldenplatz. Dieser Carl (auch Karl) heiratete 1815 die 18-jährige Henriette von Nassau-Weilburg. Es war angeblich eine Liebesheirat, jedenfalls aber ein Affront, denn Henriette war bekennende Protestantin. Sie dachte auch nach der Hochzeit nicht daran, zu konvertieren.

Die deutsche Prinzessin brachte den lutherischen Brauch des "Grasbaums" nach Wien ins Albertina-Palais und setzte noch eins drauf: Der schlichte Baum erschien ihr für ihre kaiserlichen Kinder Albert, Carl, Albrecht und Friedrich "zu wenig angemessen". Immerhin war Albrecht schon mit elf Jahren "Feldmarschall". Also putzte Henriette am 24. Dezember 1823 den Baum erstmals so richtig auf. Schröder: "Sie verwendet fünf Elemente: Windbäckerei, Lebkuchen, Äpfel, vergoldete Nüsse und Strohsterne." Das Ganze reichhaltig mit damals teuren Kerzen macht unheimlichen Eindruck auf die ganze Wiener Gesellschaft.

Carls Bruder, der Ur-Steirerman Erzherzog Johann, beschwert sich beim Kaiser Franz über so viel "Verschwendung". Mit den Mitteln dafür könne er und bessere Dinge für seine Bauern in der Grünen Mark tun. Kaiser Franz will sich selbst ein Bild machen - und ist von der Schönheit des Baums begeistert. Im Jahr darauf haben er und der halbe Wiener Adel bereits einen Christbaum.

Die einst kritisch beäugte Henriette gewinnt Franzens Herz. Sie darf, anerkannt, später sogar als einzige Protestantin in der habsburgisch-katholischen Kapuzinergruft begraben werden. Und so machte der Christbaum heutigen Stils schließlich seinen Siegeszug quer über die ganze Welt bis ins ferne Amerika. Und wenn sie nicht gestorben sind . . .

Laut Wikipedia soll der erste Weihnachtsbaum in Wien von Fanny von Arnstein 1814 aufgestellt worden sein. Aber wer weiß, ob das stimmt. Jedenfalls ist diese Version nicht annähernd als so schönes Weihnachtsmärchen geeignet wie die Erzählung des Albertina-Chefs. Immerhin hat er dazu einmal sogar schon CNN zu einem Sonderbeitrag bewegt.