Coronaviren sind die religiöse Feste ihrer Wirte egal. Sie vermehren sich auch zu Weihnachten. Die ansteckendere Omikron-Variante vermutlich sogar rasend. Der vergangene Lockdown - der uns in der ersten Hälfte des Advents Beschränkungen auferlegte - verschaffte Österreich zumindest über Weihnachten eine kurze Verschnaufpause. Spätestens im neuen Jahr ist jedoch ein starker Anstieg der Fallzahlen prognostiziert. Schon jetzt ist die Omikron-Variante in Wien dominant. Mehr als die Hälfte des Infektionsgeschehens entfällt bereits auf Omikron, wie das Büro des Wiener Gesundheitsstadtrats Peter Hacker (SPÖ) am Sonntagabend bekanntgab.

Weihnachten dürfte die Dynamik eher angetrieben als gebremst haben. Viele Wiener haben ihre Verwandten besucht. Sie feierten mit Eltern, Großeltern, Geschwistern, tranken mit Freunden Punsch, fuhren zu ihren Familien in die Bundesländer. Um sich unterm Christbaum trotzdem sicher zu fühlen, machten viele einen PCR-Test. In den Tagen vor Weihnachten stieg die Testrate in der Bundeshauptstadt sprunghaft an. Am 22. und 23. Dezember wurden jeweils 204.000 "Alles gurgelt"-Tests an den Abgabestellen eingeworfen. In den sieben Tagen davor waren es durchschnittlich 147.000 pro Tag. Das entspricht einer Steigerung von 40 Prozent. In weiser Voraussicht erhöhte die Stadt vor den Feiertagen die Testkapazitäten. 122 Standorte stehen der Bevölkerung nun auch an Sonn- und Feiertagen zur Verfügung. An allen anderen Tagen können die Tests an 692 Stellen abgegeben werden.

Teuer und unsicher

Während ganz Wien kostenlos PCR-gurgelt, gibt es hingegen für eine Bevölkerungsgruppe kaum Angebote: Kleinkinder, die noch nicht gurgeln können, haben wenige Testmöglichkeiten. Ein sogenannter Lollipop-Test kostet in der Apotheke zwischen 6 und 12 Euro. Hat eine Familie zwei kleine Kinder und will - wie von der Stadt Wien empfohlen - dreimal pro Woche testen, kostet das um die 60 Euro pro Woche beziehungsweise 240 Euro im Monat - unleistbar für viele Familien.

Und selbst wenn die Eltern bereit sind, das Geld auszugeben und es zudem schaffen, ihr Kind zu überzeugen, an dem Plastikteil zu lutschen, ist die Aussage des Ergebnisses fragwürdig. Denn die Lutscher haben als Antigentests eine geringere Sensitivität als PCR-Tests. Unter den Antigentests liefern wiederum die Lutscher die unzuverlässigsten Ergebnisse. Studien zeigen, dass Antigentests, die auf Speichelproben basieren, deutlich schlechter abschneiden als solche, bei denen ein Abstrich aus Nase oder Rachen genommen wird. Das liegt an der geringen Virenlast im Speichel. Ein negativer Antigentest mit Lutscher schließt eine Corona-Infektion also nicht wirklich aus und ist schon gar kein Freibrief, Kinder sorglos mit den Großeltern feiern zu lassen. PCR-Lutschertests wären wesentlich zuverlässiger - die gibt es am Markt aber nicht.

In manchen Kindergärten allerdings schon. Denn in 23 Wiener Kindergärten führt die Stadt seit September eine Studie durch. Die Kinder machen dort einmal pro Woche einen PCR-Lutschertest. Auf einem Stäbchen befindet sich Traubenzucker. Der muss zwei Minuten lang gelutscht werden. Die Handhabung ist einfach, die Kinder machen den Test gerne. Die Proben werden in einem Labor ausgewertet. Per SMS erfahren die Eltern das Ergebnis. Der Test soll die Kleinkinder-Lücke im Testangebot der Stadt schließen.

Bis es so weit ist, wird es aber noch dauern. "Die Studie wird im neuen Jahr weitergehen", heißt es aus dem Büro von Gesundheitsstadtrat Hacker auf Nachfrage der "Wiener Zeitung". "Danach werden wir uns ansehen, ob wir das Angebot auf alle Kindergärten ausweiten können." Auch eine Aufnahme der Stäbchen ins "Alles gurgelt"-Angebot wäre denkbar. Das Hauptziel ist aber, dass der Test flächendeckend in allen Kindergärten zum Einsatz kommen soll. Wie lange die Studie noch dauern wird, ist momentan nicht absehbar. Das Büro von Hacker weist aber darauf hin, dass die PCR-Gurgeltests schon ab einem Alter von vier Jahren möglich seien - es könne dabei schließlich nicht nur gegurgelt, sondern auch gespült werden. Auch in den Teststraßen der Stadt können grundsätzlich auch Kleinkinder getestet werden. Empfohlen wird dort der PCR-Test allerdings erst ab sechs Jahren. "Bei jüngeren Kindern machen wir einen Rachenabstrich mit besonders weichen Stäbchen. Unsere Mitarbeiter wurden extra dafür geschult", heißt es aus Hackers Büro. Das Angebot sei bisher aber kaum angenommen worden.

Testpflicht im Kindergarten?

Dass sich auch Kinder mit dem Coronavirus anstecken und es verbreiten können, ist nach zwei Jahren Pandemie gesichertes Faktum. Sie tragen maßgeblich zum Infektionsgeschehen bei. Bisher waren die Krankheitssymptome bei Kindern allerdings häufig gering ausgeprägt. Unter den 13.214 in Österreich an und mit Covid-19 Verstorbenen (Stand: 26. Dezember) befindet sich genau ein Kind unter fünf Jahren.

Omikron könnte das ändern. Die New Yorker Gesundheitsbehörden beobachten momentan einen starken Anstieg von Krankenhauseinweisungen bei Kindern. Seit Anfang des Monats haben sich die Einweisungen der unter 18-Jährigen vervierfacht. Die Hälfte der Patienten ist jünger als fünf Jahre. Ein Grund dafür dürfte sein, dass diese Altersgruppe bisher nicht geimpft werden durfte. Die Kinder stehen dem Virus ungeschützt gegenüber. Umso wichtiger wären niederschwellige, flächendeckende Corona-Tests auch für Kleinkinder, etwa in den Kindergärten und Krabbelstuben.

Neben Wien experimentieren auch andere Bundesländer mit Pilotprojekten in Kindergärten. In Niederösterreich werden die Kinder dreimal pro Woche mittels Antigen-Lollipop getestet. Im Burgenland können Kindergartenkinder einmal pro Woche einen Lollipop-PCR-Test machen. Diese Tests sind freiwillig, die Eltern müssen dezidiert zustimmen. Verpflichtung dazu gibt es keine. Diese fordert etwa die Ärztekammer Niederösterreich. "Im Gegensatz zu den Schulen, wo Kinder verpflichtend auf das Coronavirus getestet werden, entscheiden im Kindergarten die Eltern, ob ihre Kinder getestet werden oder nicht. Von manchen Eltern werden die Tests kategorisch abgelehnt", erklärte der Präsident der niederösterreichischen Ärztekammer, Christoph Reisner, Anfang Dezember in einer Aussendung.

Meist sind die Impfgegner auch die Testgegner. Ab Februar werden die Menschen zur Impfung verpflichtet. Kleinkinder zu testen, ist momentan aber selbst für die glühendsten Testanhänger eine Herausforderung.