Die traditionelle Fuchsjagd ist in England bereits seit 2005 verboten. Trotzdem kochen dort derzeit die Emotionen hoch, weil es immer wieder zu illegalen Abschüssen kommt, wie die "Wiener Zeitung" berichtete. In Wien ist die Fuchsjagd hingegen erlaubt. Doch auch hier regt sich Widerstand.

"Die Jagd auf Füchse bringt nur sinnloses Tierleid und ist aus ethischen Gründen abzulehnen", erklärt Madeleine Petrovic, Präsidentin von Tierschutz Austria. Der Verein hat die erforderlichen 500 Unterschriften für eine Petition gesammelt, die Jagd auf Füchse in Wien abzuschaffen. Am 17. Jänner wird dieses Anliegen im Gemeinderatsausschuss für Petitionen und Bürgerinitiativen behandelt.

Beim Wiener Landesjagdverband ist man von dem Ansinnen wenig begeistert. "Dass man keinen Fuchs mehr schießt, halte ich nicht für sinnhaft", erklärt Landesjägermeister Norbert Walter gegenüber der "Wiener Zeitung". "Die werden ja nicht wegen ihres Fells geschossen, oder um sie zu essen, sondern um die Artenvielfalt zu erhalten." Denn Füchse seien nun einmal Raubtiere. Um andere Tiere - zumal solche, die auf dem Boden brüten - zu schützen, müsse man regulierend eingreifen.

In Wien besonders betroffen sind Rebhühner und Feldhasen. Auch hat die Fuchsjagd in Wien nichts mit dem Klischee von Fanfaren und in rote Jacken gekleidete Reiter zu tun. "In Abstimmung mit den Nachbarrevieren versuchen wir, eine invasive Spezies zu regulieren, die bei uns eigentlich nicht natürlich vorkommt", sagt Walter. Man dürfe auch nicht vergessen, dass Wien keine Naturlandschaft, sondern eine Kulturlandschaft sei.

Dass eine Regulierung notwendig sei, findet Tierschutz Austria wiederum nicht. In vielen Teilen Wiens ist die Jagd grundsätzlich verboten etwa im Prater, dem Augarten, dem Lainzer Tiergarten, dem Zentralfriedhof, der Lobau oder auf der Donauinsel. "Dort leben Füchse frei von jeglichem jagdlichen Nachstellen und es gibt weder eine Überpopulation noch sind Tierseuchen ausgebrochen", heißt es vom Tierschutzverband. Der Fuchs habe im Ökosystem die unentbehrliche Rolle des "Gesundheitspolizisten", indem er schwache und kranke Tiere beseitige und damit eine wichtige Rolle in der natürlichen Auslese spiele. Darüber hinaus ernähre er sich überwiegend von Mäusen und Ratten und verhindere dadurch eine Überpopulation dieser Nagetiere.

2020 wurden in Wien 159 Füchse getötet

Wie viele Füchse derzeit in Wien leben, dazu gibt es keine gesicherten Zahlen; zu den erlegten hingegen schon. Laut Landesjagdverband seien 159 im Jahr 2020 getötet worden, 21 davon im Straßenverkehr. Fünf weiter fallen in die Kategorie "andere". Das kann beispielsweise ein freilaufender Hund gewesen sein. Bleiben 133, die Jägern zum Opfer gefallen sind. "Und das bei einem Wiener Jagdgebiet von 17.000 Hektar", sagt Walter. Er geht davon aus, dass die Population in Wien zwei bis drei Mal so hoch ist.

Tierschutz Austria lehnt auf der anderen Seite die Fuchsjagd grundsätzlich ab. "Die Jagd auf den Fuchs ist ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten", heißt es dort, während auf Luxemburg und einige Kantone in der Schweiz verwiesen wird, wo der Reineke bereits geschützt ist.