Ein Arzt soll nach Millionen-Betrügereien bereits rechtskräftig abgeurteilter Täter diesen geholfen und einen Teil ihrer Beute gebunkert haben. Am Freitag wurde der Fall am Wiener Landesgericht weiterverhandelt. Der Arzt und seine Verteidiger Farid Rifaat und Michael Dohr beteuerten, der Mediziner habe seine Hände nicht schmutzig gemacht. "Er ist unschuldig", erklärte Dohr dem Gericht und den anwesenden Medienvertretern.

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Allerdings wurde ein geständiger Mitangeklagter wegen Amtsanmaßung, Missbrauchs der Amtsgewalt und Bestechung zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Er hatte - gemeinsam mit einem echten Polizisten, gegen den aufgrund einer Knieverletzung erst später verhandelt werden kann - eine spektakuläre "Schein-Amtshandlung" durchgeführt, für die der Arzt dem Polizisten 8.000 Euro bezahlt haben soll.

Mediziner ist bereits amtsbekannt

Der Arzt ist übrigen bei Gericht längst kein Unbekannter mehr. Die MA 40 (Soziales, Sozial- und Gesundheitsrecht) hatte ihm schon 2014 die Ordination schließen lassen. Die Ärztekammer wiederum verhängte über den praktischen Arzt ein Berufsverbot - er hatte zugunsten einer algerischen Tätergruppe von dieser gestohlene Smartphones, Laptops, Tablets, Schmuck, Uhren und Pelzmäntel verhökert und den Kriminellen illegale Potenzmittel überlassen. Dafür wurde er 2017 wegen Hehlerei rechtskräftig verurteilt.

Nun prozessgegenständlich sind inkriminierte Handlungen des Herrn Doktor nach groß angelegten betrügerischen Machenschaften, die zwei Saudis mehrere Millionen Euro gekostet haben. Die Täter wurden dafür 2020 zu fünf bzw. dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Sie hatten in Wien einen aus Saudi-Arabien stammenden Geschäftsmann kennengelernt und in weiterer Folge diesem und einem Bekannten unter anderem die Beteiligung an vorgeblich lukrativen Investments in Immobilien schmackhaft gemacht. Renditen von bis zu 27 Prozent jährlich wurden verheißen.

Nachdem die beiden Betrüger abgeurteilt waren, wandte sich einer der beiden an die Polizei und erklärte, ein Arzt mit einer Praxis in Favoriten habe ihnen als "sicherer Tresor" gedient. Man habe dem Mediziner regelmäßig zu 10.000 Euro zusammengeschnürte Banknoten-Bündel in einem Plastiksackerl vorbeigebracht. Dieser habe das Geld verwahrt, bei Bedarf hätten sie dann darauf zurückgegriffen. Darüber hinaus hätte der Arzt das Geld in andere Kanäle geleitet und damit dessen Herkunft verschleiert.

Der Arzt und seine Anwälte bestreiten das. Der Mediziner habe eine Praxis mit 7.000 Patienten und einem Jahresumsatz von 1,4 Millionen Euro betrieben, meinte Dohr. Er habe es nicht notwendig gehabt, für Betrüger Geld aufzubewahren. Vehement wies Dohr auf die widersprüchlichen, seinen Mandanten belastenden Angaben der bereits Abgeurteilten hin, die den Arzt in ihrer eigenen Hauptverhandlung mit keinem Wort erwähnt hätten. Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt. Die beiden Saudis sollen dann Ende März im Weg einer Zoom-Konferenz als Zeugen befragt werden.