Also doch keine Markthalle am Naschmarkt-Parkplatz im 6. Bezirk. Zumindest vorerst. Denn Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) will nun einen europaweiten Ideenwettbewerb ausschreiben. Und zwar auf Basis der bereits erfolgten Bürgerbeteiligung - und in einem "kooperativem Verfahren", in dem aus den Einreichungen dann ein Masterplan erstellt wird. Erst danach soll es einen Realisierungswettbewerb geben, wie sie am Montag erklärte. Und den werde es erst frühestens nächstes Jahr geben.

"Wir legen heute bewusst keine konkreten Pläne vor, sondern ziehen mit dem Ideenwettbewerb noch einen Zwischenschritt ein, um die Vorgaben aus der Bürgerbeteiligung umzusetzen, sie also mit Leben zu erfüllen", sagte die Stadträtin bei der Pressekonferenz.

Flohmarkt soll bleiben

Kooperatives Verfahren heißt im Übrigen, dass im Zuge des Ideenwettbewerbs auf drei Ebenen eingereicht werden kann: Referenzprojekte von professionellen Planungsteams, Gestaltungsideen und Skizzen von allen an dem Projekt interessierten Menschen - und konkrete Nutzungskonzepte in schriftlicher und/oder grafischer Form. Aus den drei Bereichen werden dann jeweils drei Sieger gekürt, die sich dann alle an einen Tisch setzen müssen, um "lustvoll zu streiten", wie es der für die Jury zuständige Architekt Alfred Wimmer erklärte.

Zuletzt waren Anrainer-Initiativen sowie auch die Wiener Grünen gegen eine offene Markthalle auf dem Areal Sturm gelaufen. Am Montag versicherte Sima jedoch, dass eine solche nie geplant gewesen sei. "Eine klotzige, klobige von allen Seiten geschlossene Halle wird es auf dem Platz nicht geben", betonte sie. Das sei auch nie ihr Wunsch gewesen. Vielmehr werde etwa nach Konzepten für eine Begrünung der Asphaltwüste gesucht. Der Flohmarkt, der dort an den Samstagen stattfindet, soll dabei erhalten bleiben.

Was es aber definitiv nicht mehr geben soll, sind die wüstenartigen Temperaturen im Sommer. Die 12.000 Quadratmeter große Fläche gehöre zu den berüchtigtsten Hitzeinseln der Stadt. Die Neugestaltung soll die Situation nun grundlegend verbessern. Vorschläge gibt es bereits, denn auch in einem Bürgerbeteiligungsprozess wurden Ideen ventiliert. 30.000 Vorschläge trudelten ein, wie Sima bei der Präsentation der weiteren Schritte berichtete.

Großteils sprachen sich die Betroffenen laut Sima für eine klimabewusste Umgestaltung aus. Konsumfreie Zonen, Begrünung, Wasserelemente und Schattenspender wurden dabei häufig genannt. Auch dass der Flohmarkt bleiben soll, wurde oft betont. Dass das Areal zum Teil generell zur Marktfläche wird, sei ebenfalls eine Option. Hier sei ein Angebot an regionalen Produkten gewünscht worden, um sich vom angrenzenden Naschmarkt zu unterscheiden.

Laut Sima standen die Anmerkungen der Anrainer mitunter aber durchaus im Widerspruch zu einander. Neben der Forderung nach einer kompletten Begrünung waren etwa auch Ersuchen um einen Erhalt von Parkplätzen zu finden. Andere wiederum wollen Spiel- oder Sportplätze dort sehen.

Vorgaben für Wettbewerb

Für den Ideenwettbewerb gibt es jedenfalls Vorgaben, wie etwa eine begrünte Aufenthaltsfläche. Auch statische Notwendigkeiten gebe es, wie am Montag betont wurde. Denn der Platz befindet sich auf einer Überplattung des Wienflusses. Baumbepflanzungen seien dort aufgrund des teilweise nur 70 Zentimeter dünnen Gewölbes deshalb nur an Randbereichen möglich. Auch das baukulturelle Erbe der Umgebung soll bei der Gestaltung berücksichtigt werden. Auf Wunsch der Bürger werde laut Sima zusätzlich zum Parkplatz eine Fläche entlang der Rechten Wienzeile zwischen Heumühlgasse und Pressgasse in den Wettbewerb aufgenommen. Hier gelte eine zusätzliche technische Rahmenbedingung: Auf dieser U-Bahn-Überplattung seien keine permanenten Bauten möglich, da im Notfall der Zugang zu den Gleisen gegeben sein muss.

Aus jedem der drei "Töpfe" werden mindestens drei vielversprechende Vorschläge ausgesucht. Deren Urheber werden bis Herbst 2022 gemeinsam an einem Masterplan arbeiten. Dieser wiederum ist Grundlage eines Realisierungswettbewerbs. Zunächst soll eine Jury aus unabhängigen Experten die Ideen der Bevölkerung sichten und dann die besten Konzepte auswählen. Unter der Leitung von Architekt Wimmer würden neben Stadtplanern auch eine lokale Lebensmittelproduzentin und Repräsentanten aus der Bevölkerung in dieser Jury vertreten sein. Im Rahmen einer öffentlichen Ausstellung können Bürger diese Sammlung der Ideen dann bewerten. "Wir werden aus jedem Topf die Teilnehmer mit den am höchsten bewerteten Konzepten beauftragen, einen gemeinsamen Plan für die bestgeeigneten Nutzungen des Naschmarktparkplatzes auszuarbeiten. Erst dann starten wir den regulären Realisierungswettbewerb für die konkrete Umsetzung des Konzepts", erklärte Wimmer. Wie das konkrete Siegerprojekt dann aussieht, soll im ersten Quartal 2023 feststehen.

"Kritikern die Hand reichen"

Der Bezirksvorsteher von Mariahilf, Markus Rumelhart (SPÖ), zeigte sich zufrieden mit den neuen Verfahrensschritt und hob hervor: "Vor 10 bis 15 Jahren hätten wir primär über Parkplätze gesprochen." Dass dies nicht mehr der Fall sei, sei durchaus ein "Paradigmenwechsel". Auch Sima sieht den "Zwischenschritt" jedenfalls als Entgegenkommen an die Projektkritiker, denen sie damit die Hand reichen wolle, wie sie erklärte.

Die Kritiker zeigten sich davon allerdings unbeeindruckt. "Ein europaweiter Ideenwettbewerb legt mit Sicherheit keinen Fokus auf die Wünsche der Anrainer, was aber explizit versprochen wurde", kritisierte etwa Mariahilfs Bezirksvorsteher-Stellvertreter Michi Reichelt (Grüne). Reichelt bezeichnete es als "einen weiteren Schlag ins Gesicht der Anrainerinnen und Anrainer, nachdem es seit Monaten keine Infoveranstaltung gab und auch der Bezirksvorsteher alle Anfragen der Grünen unbeantwortet ließ". Im April 2021 hätten Sima und Rumelhart erklärt, es werde ein besonderes Augenmerk auf die Anrainer am Naschmarkt gelegt, da diese unmittelbar am Projektgebiet leben würden - da sei aber nicht geschehen, so Reichelt.

FPÖ will Status quo erhalten

Und die FPÖ will den Naschmarkt-Parkplatz überhaupt so lassen, wie er ist. "Wir Freiheitliche schlagen den Erhalt des Status quo auf dem Flohmarkt-Gelände vor und helfen der Stadt somit, Millionen zu sparen", meinte etwa FPÖ-Bezirksparteiobmann, Leo Kohlbauer. Eine von der FPÖ initiierte Petition mit eben dieser Forderung solle in den nächsten Tagen an Sima übergeben werden. Der von Sima vorgeschlagene Ablauf, "nicht sofort eine Realisierung sicherzustellen", sei für Kohlbauer ohnedies "ein Begräbnis erster Klasse für die von ihre gewünschte Markthalle".(rös)