Die Schlangen vor Bars und Klubs waren am Wochenende in Wien schier endlos. Nach der Aufhebung der Sperrstunde in der Nachtgastronomie strömten die Feierwilligen in Massen zu den Lokalen. Auf den Eintritt in den O-Klub in der Opernpassage warteten Menschen bis hinauf zur Staatsoper und entlang deren gesamter Front. Ähnliche Bilder gab es vor dem U4 in Meidling oder dem Volksgarten.

"Die Stimmung war einfach toll und die Leute waren unglaublich motiviert zu Feiern", berichtet der Betreiber des U4, Michael Gröss, gegenüber der "Wiener Zeitung". Viele der Partytiger haben ihm gesagt, wie gut das gerade tue - sehr wohl in dem Bewusstsein von Krieg und der noch nicht überstandenen Pandemie.

Das U4 war jedenfalls voll ausgelastet: "Mehr geht einfach nicht; voll ist voll, egal wie viele vor der Tür stehen", so Gröss. Teilweise musste sogar die Polizei ausrücken, um den hauseigenen Sicherheitskräfte zu helfen. "Unser Securityteam war für den Samstag verdoppelt und trotzdem haben wir noch die Unterstützung von zwei Polizeibussen gebraucht, um die vielen hunderten Menschen auf der Straße in halbwegs geordnete Warteschlangen zu bringen", erklärt Gröss.

Die Wiener Clubs und Fortgeh-Lokale sind auf jeden Fall zufrieden mit dem am Samstag erfolgten Neustart nach der Corona-Zwangspause. "Die Rückmeldungen der Betreiber sind durch die Bank positiv, die Lokale waren voll. Hoffentlich kann das auch so bleiben", berichtet der Fachgruppenobmann Gastronomie in der Wiener Wirtschaftskammer, Peter Dobcak. "Das Besucherinteresse in den ersten beiden Nächten macht auch große Hoffnungen auf das Anknüpfen an alte Erfolge. Alle großen Clubs berichten von guter Stimmung und guten Umsätzen", sagt Dobcak erfreut. Lediglich ein kleiner einstelliger Prozentsatz der Nachtgastro-Lokale habe bisher nicht geöffnet. Auch im U4 freut man sich sehr über das enorme Interesse. "Das zeigt auch klar, dass 2G aktuell in keiner Weise Gäste kostet", sagt Gröss. Allerdings gibt es gegenüber Vor-Corona-Zeiten wirtschaftlich gesehen noch einen Wermutstropfen, heißt es aus dem Nachtclub.

Schwerer als vor der Krise

Da wäre zum einen die Rückkehr zur 20-prozentigen Umsatzsteuer. Diese kommt für Gröss zu früh. "Im Gegensatz zur restlichen Gastro haben wir genau vier Monate etwas von der Fünf-Prozent-Regelung gehabt und auch damals war das der Ausgleich für den erhöhten Aufwand", übt der Betreiber des U4 Kritik.

Zum anderen sind die durch 2G und die Menge vor der Tür bei gleicher Auslastung im Club im Vergleich zu früher die Personalkosten stark erhöht. Die Kontrollen sind in Wien vorgeschrieben und haben laut Wirtschaftskammer auch gut funktioniert. "Wir Unternehmer werden alles dafür tun, dass das Feiern sicher ist, uns an die Auflagen halten und die Kontrollen durchziehen - was wir erfolgreich geschafft haben. Denn wir wissen, zwei Nächte gleichen die Verluste noch nicht aus. Genauso wie zwei Schwalben noch keinen Sommer machen", sagte Dobcak.