Sie steht auf einem verträumten Fleckerl Erde, die Villa Aurora. Das einstige Ausflugslokal am Wiener Waldesrand wartet seit drei Jahren auf seine neue Bestimmung. Ob und wann der Betrieb wieder aufgenommen wird, steht nach wie vor in den Sternen. Gute Nachrichten gibt es aber für Anrainer und Denkmalschützer: Zu einer zusätzlichen Verbauung des weitläufigen Areals am Wilhelminenberg, das auch als Predigtstuhl bekannt ist, wird es laut Behörden nicht kommen.

Immer wieder traten in den Jahren seit der Einstellung des Restaurantbetriebs und dem Verkauf der Liegenschaft an die Wiener Immobilien-Entwickler Hallmann am 25. Juni 2019 Spekulationen und Gerüchte um die künftige Nutzung der Villa Aurora auf. Die Fakten und die Rechtslage sprechen aber eindeutig gegen eine Abweichung vom Status quo. Und auch der Denkmalschutz nimmt sich jetzt der Sache an.

Die Liegenschaft, die aus insgesamt drei im Grundbuch verzeichneten Grundstücken besteht, liegt am Rande des Biosphärenparks Wienerwald und gehört zum Landschaftsschutzgebiet Ottakring. Die drei bestehenden Gebäude - wohl aus dem 19. Jahrhundert - nehmen rund 500 Quadratmetern ein. Das gesamte Areal misst etwa 8.000 Quadratmeter.

Kein Wohnbau erlaubt

"Die bebaubare Fläche orientiert sich am Bestand", heißt es aus der Abteilung für Stadtteilplanung und Flächenwidmung der Stadt Wien. "Die Errichtung, egal ob Neu-, Zu- oder Umbau, von Wohnobjekten ist daher nicht zulässig." Eine Renovierung oder ein Umbau der Häuser dürfe die bestehende Größe nicht überschreiten und müsse dem bestehenden Zweck, also der Gastronomie vorbehalten bleiben. "Eine Änderung des Bebauungs- oder Flächenwidmungsplans ist nicht vorgesehen", teilt die Abteilung Stadtteilplanung und Flächenwidmung mit. Prinzipiell sei im Schutzgebiet Wald- und Wiesengürtel ohnehin nur die Errichtung von Gebäuden erlaubt, die der Erholung beziehungsweise der Land- und Forstwirtschaft zuzurechnen seien.

Ein klares "Nein" zu Änderungen der Bebauung kommt auch von der Bezirksvorstehung Ottakring. Der Flächenwidmungsplan weise das Areal klar als Schutzgebiet aus. Dazu kommt noch eine bestehende Bausperre für die drei Häuser. "Es sind nur Arbeiten erlaubt, die zum Erhalt der Gebäude notwendig sind." Beim Lokalaugenschein der "Wiener Zeitung" vor wenigen Tagen schlief die Villa Aurora noch ihren Dornröschenschlaf. Das Grundstück ist nach wie vor dicht bewaldet, das ehemalige Ausflugslokal verschlossen, wie auch die zwei Tore, die sonst Einlass auf das umzäunte Grundstück gewähren. Baumaschinen waren keine zu sehen. "Da ist weder etwas geplant noch etwas in der Pipeline", rechnet die Bezirksvorstehung nicht mit baldigen Renovierungsarbeiten.

Umbauarbeiten hatte schon Vorbesitzer Friedrich Falkner in den Raum gestellt, ehe er das an das Schloss Wilhelminenberg angrenzende Gelände der Villa Aurora an die Hallmann-Gruppe veräußerte. Der gastronomische Ruf hatte in den Jahren zuvor bereits sehr gelitten, wenn man den nahezu durchgängig negativen Bewertungen von Küche und Service auf der Internet-Plattform Tripadvisor vertraut. Der idyllischen Atmosphäre über den Dächern Wiens wurde aber stets Respekt gezollt. Dazu kamen ein Natureislaufplatz, Kunstprojekte, ein Schiff, das mitten im Wald parkte, und vieles mehr, das die Villa zu einem besonderen Platzerl gemacht hat. Atemberaubend schön muss der Sonnenaufgang von dort oben aus sein: Mit Blick über ganz Wien gen Osten Richtung Hundsheimer Berge. So idyllisch die Lage der Liegenschaft, so wenig traut man seitens der Initiative für Denkmalschutz der Idylle, die die Behörden verbreiten. "Der Bezirksbauausschuss ist in dem Fall Behörde und kann jederzeit mehr Bebauung erlauben", sagt Markus Landerer von der Initiative. "Dass das ein Landschaftsschutzgebiet ist, sagt ja noch nichts über die Bebauung aus", misstraut er den Aussagen der Behörden. Die Bezirksvorstehung bleibt aber dabei: "Nein, es ist keine Änderung geplant."

"Relevant fürs Stadtbild"

Was den Denkmalschützer hingegen äußerst positiv stimmt, ist eine Mitteilung, die das Bundesdenkmalamt gegenüber der "Wiener Zeitung" machte: "Die Bedeutung der Villa Aurora und die Voraussetzungen für die Einleitung eines Verfahrens zur Unterschutzstellung werden derzeit vom Bundesdenkmalamt geprüft." Ob die Villa schutzwürdig ist, ist noch nicht klar. Für Markus Landerer von der Initiative Denkmalschutz ist alleine die Prüfung schon ein gutes Zeichen. "Dass geprüft wird, ist für mich eine Auszeichnung für die Villa Aurora. Damit steht zumindest fest, dass das relativ gut erhaltene Vorstadthaus relevant fürs Stadtbild ist."

Der Eigentümer hält sich zur Zukunft der Villa und des Grundstückes nach wie vor bedeckt. Aus dem Sekretariat der Hallmann Immobilien-Gruppe wurde der "Wiener Zeitung" vermittelt, dass man es nicht gern sehe, wenn man das Gebäude, wenn auch nur von außerhalb des Zaunes, fotografiere. Weitere Informationen erhält man von einer PR-Agentur, die für das Immobilien-Unternehmen die Kommunikationsarbeit macht. Knapp zusammengefasst: "Es wird in der Villa Aurora wieder einen Gastronomie-Betrieb geben. Corona-bedingt werden die Detailpläne erst erstellt. Es gibt noch keinen konkreten Zeitplan."

Was genau und wann es kommt, steht - zumindest nach außen kommuniziert - nicht fest. Auf der Website der Hallmann-Gruppe ist das Ausflugslokal ein "Projekttyp: Altbau" und wurde kurzerhand von Ottakring in den Nachbarbezirk Hernals verlegt. Das Eckgrundstück Wilhelminenstraße 237/Savoyenstraße 4 liegt aber eindeutig im 16. Bezirk.