Der CIO-Summit von Confare ist die größte Konferenz der Leiter der IT-Abteilungen in Österreich und eine der größten in Europa. Er findet am 6. und 7. April in Wien statt. Die "Wiener Zeitung" hat mit dem Geschäftsführer des Veranstalters Confare, Michael Ghezzo, über Cybersicherheit und Trends in der IT-Branche gesprochen.

"Wiener Zeitung":Wie schwierig hat man es als CIO beim Thema Cybersicherheit?

Michael Ghezzo: Hier ändert sich die Sichtweise in den Unternehmen zwangsläufig sehr rasch. Schließlich sind laufend erfolgreiche Cyberattacken in den Medien und auch der mit dem Ukraine-Konflikt verbundene Cyberwar macht deutlich, dass sich Unternehmen hier gut aufstellen müssen. Dabei gibt es drei wesentliche Perspektivenwechsel, die passieren. Zum einen ist Cybersecurity nicht mehr ein Thema, das nur die IT betrifft. Mitarbeiter, Fachabteilungen, Board, jeder muss dazu beitragen. Zweitens muss mehr Cybersecurity nicht bedeuten, dass etwas schlechter nutzbar ist - da hat sich in der Technologie sehr viel getan. Der dritte Aspekt ist der, dass Cybersecurity nicht unbedingt nur als Kostenfaktor zu betrachten ist, sondern zum Beispiel auch bei der Produktentwicklung und als zusätzliche Umsatzquelle des Unternehmens wirksam sein kann - zum Beispiel, wenn ein Maschinenbauer seine Produkte mit Sicherheits-Features verbessert.

Was sind die größten Herausforderungen für CIOs in einer post-pandemischen Welt?

Vor 2020 hat die Digitale Transformation in vielen Unternehmen ein bisschen an Schwung verloren. Die Pandemie hat dann deutlich vor Augen geführt: Ohne IT geht nichts mehr. Man hat sehr schnell Veränderungen durchgeführt, für die man sonst Jahre an Diskussion und Planung verschwendet hätte. Es ist aber ohne umfassende Architektur passiert, ohne verbindende Strategie. Dass der Veränderungsmotor jetzt nicht ins Stottern kommt, wird zu einer der wesentlichen Aufgaben für die CIOs und CDOs (Chief Digital Officer, Anm.) werden.

Durch die beschleunigte Digitalisierung benötigt man mehr Fachkräfte auf diesem Gebiet. Genau an diesen mangelt es aber. Was bedeutet das für die Unternehmen in der Praxis?

Es gibt einen enormen Run auf die wenigen verfügbaren Spezialisten, aber auch auf Mitarbeiter generell. Da muss ein Job schon einiges bieten. Traditionelle Anreize wie großer Schreibtisch und Firmenwagen wirken nicht mehr. Verkürzte Arbeitszeiten, Homeoffice, Gleitzeit sind die Alternativen. Vordergründig ist da auch nichts einzuwenden. In der Wissensgesellschaft ist die investierte Arbeitszeit nur zum Teil ein Faktor des Erfolgs. Ein guter Webseiten-Beitrag kann in zehn Minuten entstehen, man kann aber auch in zwei Stunden nur Unfug schreiben.

Teurere Mitarbeiter, die weniger arbeiten. Ist das nicht der Albtraum eines Unternehmers?

Unternehmen werden darauf unterschiedlich reagieren. Outsourcing und Automatisierung werden forciert werden - so gehen bestimmte Jobs letztendlich verloren. Aber dort, wo das nicht möglich ist, werden die Recruiting-Anstrengungen intensiviert und mit allerlei Dingen gelockt. Es stellt sich aber schon die Frage, ob das langfristig zukunftsfähig ist. So gut wie alle unsere lebenserhaltenden Systeme stehen unter Druck und müssen sich verändern, das politische System, das Finanzsystem, Bildung, Gesundheit, Verkehr, überall gibt es viel zu tun. Nur den Lifestyle zu verändern, wird nicht reichen. Irgendwer muss die Arbeit auch machen. Ich bin überzeugt, dass wir die großen Herausforderungen unserer Zeit nicht aus der bequemen "Work-Life-Balance-Homeoffice-Gleitzeit"-Komfortzone heraus bewältigen werden. Dazu kommt noch, dass viele wichtige Aufgaben, wie zum Beispiel in der Pflege oder im Kraftwerk oder in der Gastronomie, nicht von zuhause und zu beliebigen Arbeitszeiten erledigbar sind.

Mit Euphorie wird berichtet, dass die Kongresse nach Wien zurückkehren, dass Events wieder physisch stattfinden. Der Confare-Summit hat aber auch während der Pandemie physisch stattgefunden. Wie war das möglich?

Statt CIO-Summits zu virtualisieren haben wir unser Geschäft rundherum digitalisiert. Statt wie alle anderen auf "digitale" Veranstaltungen umzusatteln, haben wir unter strengen Sicherheitsauflagen, die großen IT-Events in Wien, Zürich und Frankfurt physisch durchgeführt. Während alles in der Eventbranche rund um uns stark gelitten hat, hat uns die Pandemie einen Innovationsschub und ein Wachstum in Höhe von etwa 40 Prozent gebracht.

Mit dem Confare CIO-Award werden die besten IT-Manager Österreichs und der Schweiz ausgezeichnet. Welchen Wert hat diese Art von Auszeichnungen überhaupt noch?

Solche Awards sind tatsächlich ein wenig inflationär. Bei uns geht es aber nicht primär darum, irgendjemandem ein Stück Metall in die Hand zu drücken. Wertschätzung ist zwar immer etwas Gutes, wir wollen mit den Preisen aber Positives bewirken. Gerade bei IT und Digitalisierung ist man nie sicher, ob man auf dem richtigen Weg ist. Schließlich begibt man sich ja durchaus auf neue Terrains. Die Bestärkung von außen hilft, die eingeschlagene Richtung zu justieren, gegebenenfalls auch zu berichtigen. Sie gibt auch Rückenwind, wenn es zum Beispiel darum geht, Widerstände zu überwinden. Unser CIO-Award wirkt in der Community: Er inspiriert und motiviert Menschen.