Bereits jetzt sind zahlreiche Pendlerstrecken des öffentlichen Verkehrs in den Hauptverkehrszeiten stark überlastet. Insbesondere die Ostregion und hier vor allem Wien sind besonders betroffen. Die Arbeiterkammer (AK), die dazu gestern zwei Studien präsentierte, fordert den Ausbau der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur, um den CO2-Ausstoß zu vermindern und die Attraktivität des Nahverkehrs für Pendler zu erhöhen.

Mehr Züge für mehr Pendler fordert die AK. - © apa / Hans Punz
Mehr Züge für mehr Pendler fordert die AK. - © apa / Hans Punz

30 Prozent der Pendlerwege in der Ostregion werden laut Studie der AK mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt. In Wien liegt die Zahl deutlich höher. Würde der Anteil von Bus und Bahn bei den Pendlern bis 2030 auf 45 Prozent steigen, könnte der damit verbundene Treibhausausstoß um 14 Prozent verringert werden, statt auf 3,24 Millionen Tonnen anzuwachsen.

120 Prozent Auslastung

Das Problem sieht die AK vor allem in der Überlastung der Hauptrouten. Südbahn, Westbahn, Franz-Josefs-Bahn, Laaer Ostbahn und die Ostbahn hätten zu den Spitzenzeiten am Morgen und am frühen Abend schon jetzt mit bis zu 120 Prozent Auslastung zu kämpfen.

Konkret fordert die AK den Ausbau des Schnellbahnnetzes in Wien, vor allem jenen der Stammstrecke sowie eine neue Schnellbahn-Linie von der Station Erzherzog-Karl-Straße nach Leopoldau, sowie die Verbesserung des regionalen Verkehrs, um Pendler von außerhalb das Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel zu erleichtern. Regionale Maßnahmen müssten verbessert werden.

Der Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) warnt hinsichtlich der Forderungen der AK davor, "mit der Gießkanne einfach mehr Kilometer zu fordern". Neben dem günstigen Klimaticket verweist der VOR im Umfeld des wienweiten Parkpickerls auf die Stärkung regionaler Buslinien von Korneuburg und dem Marchfeld nach Floridsdorf respektive in die Donaustadt. Zudem werde ab 2023 versucht, das Angebot im ländlichen Bereich mittels "integrierter Planung" intelligent zu vernetzen - etwa Buslinien und Anrufsammeltaxis besser aufeinander abzustimmen.

Die Pläne zum Ausbau verschiedener Strecken von und nach Wien sind bei den ÖBB schon weit gediehen oder in Umsetzung. Die Pottendorfer Linie, die von der Hauptstadt nach Wiener Neustadt führt, wird bis 2023 zweigleisig ausgebaut. Zwei Jahre später sollen der zweigleisige Ausbau und die Elektrifizierung der Linie von Stadlau nach Marchegg (und somit Richtung Bratislava) fertiggestellt werden. Bis 2030 wird aller Voraussicht nach der Ausbau der Nordbahn von Wien in Richtung Bernhardstal abgeschlossen.

Eine Verdoppelung der Geleise von zwei auf vier ist auf der stark frequentieren Strecke zwischen Meidling und Mödling bis 2034 geplant. Ab etwa diesem Zeitpunkt könnte dann auch der 2,5-Minuten-Takt auf diesem Abschnitt eingeführt werden.

Entlastung durch Neubau

Um die Pendlerströme innerstädtisch besser zu lenken, verweist die Stadt Wien auf den Neubau der U5 und die Verlängerung der U2, die bestehende Linien, wie die U6, den 13A oder die Straßenbahn 43 entlasten sollen. Zudem sind bis 2025 der Neubau der Linie 27 von Strebersdorf bis zur U-2-Station Aspern Nord sowie die Wiederinbetriebnahme der Linie 72 von Simmering bis Schwechat geplant. Nach der Taktverdichtung verzeichnet die Badner Bahn Fahrgastzuwächse.(gh)