Zwei Herren betreten ein Lokal im 7. Bezirk, grüßen höflich, setzen sich kurz an die Bar, um dann doch gleich wieder aufzustehen. Nicht der Trinkgenuss ist Grund ihres Besuchs, sondern der Musikgenuss oder vielmehr die maximale Lautstärke, mit der in der Café-Bar Musik gehört werden kann.

Die Pandemie-Maßnahmen sind zurückgefahren worden, die Lokale haben wieder länger offen, es wird gefeiert, getanzt und Musik gehört. Letzteres sorgt immer wieder für Probleme mit Anrainern, die über hohe Lärmbelastung klagen. Neben routinemäßigen Kontrollen durch die MA 36 rücken deren Sachverständige auch gezielt aus, um Anrainerbeschwerden nachzugehen.

Mechanische Plombierung eines Lautstärkereglers. - © Georg Hönigsberger
Mechanische Plombierung eines Lautstärkereglers. - © Georg Hönigsberger

Die beiden Herren in der Bar weisen sich gegenüber dem Kellner aus und geben sich als Kontrollore der MA 36 zu erkennen, jener Behörde, die in der Stadt Wien unter anderem für das Gewerberecht zuständig ist. Die ordnungsgemäße Installation der Musikanlage, beziehungsweise die Einhaltung der erlaubten Dezibelwerte soll überprüft werden. Einer der Sachverständigen geht zur Anlage, der andere bleibt mit einem Messgerät, das optisch einem großen Gas-Anzünder ähnelt, in der Nähe eines Lautsprechers im Gästebereich der Bar. Die Musik, eben noch Zimmerlautstärke, wird dröhnend laut, als der Volume-Drehknopf auf Anschlag aufgedreht wird.

Plombierung der Musikanlage

Einem anderen Café ganz in der Nähe flatterte etwa zur selben Zeit ein amtlicher Brief ins Haus. Absender: Die Magistratsabteilung 36. Man weise darauf hin, dass die vorgeschriebene Plombierung der Musikanlage durchgeführt werden müsse. Neben der Möglichkeit, die Lautstärke mit einer elektronischen "Bremse" zu versehen, kann man auch eine mechanische Vorrichtung einbauen lassen. Etwa zwei fix verankerte Schrauben, die von außen nicht abschraubbar sind.

Als der Sachverständige nach der unangemeldeten Lautstärken-Kontrolle die Unterlagen der Bar prüfen will, meint er mit Blick auf den dicken Aktenordner mit ungeordneten Dokumenten: "Es ist a bisserl wie beim Kartenspielen, alles gut durcheinandergemischt." Die Betriebsanlagengenehmigung der Bar wird in dem Konvolut nicht gefunden. Die beiden Magistratsmitarbeiter packen zusammen. "In ein paar Wochen bekommen S’ einen Brief von uns." Peter Dobcak, Fachgruppenobmann Gastronomie der Wirtschaftskammer Wien, empfiehlt jedenfalls allen Wirten, die Auflagen der Behörde zu erfüllen. "Es ist auch ratsam, alle wichtigen Unterlagen geordnet und griffbereit zu haben, falls es zu einer Kontrolle kommt." In jedem Fall sei kooperatives Verhalten anzuraten, schließlich sitze die Magistratsabteilung meist am längeren Ast.

"Die Wirte haben es in den vergangenen zwei Jahren mit Corona eh schwer gehabt. Da haben wir eigentlich nur bei Beschwerden kontrolliert", sagt ein Lärmpolizist der MA 36. "Jetzt gehen wir wieder verstärkt in die Lokale und schauen, ob die Auflagen eingehalten werden." Dennoch will man seitens der MA 36 von keiner Schwerpunktaktion sprechen. "Die Lokale waren ja lange Zeit zu, klar dass jetzt wieder mehr kontrolliert wird als in den Zeiten der Lockdowns", sagt Dietmar Klose, Chef der MA 36.

Innenstadt als Spitzenreiter

Musikanlagen-Überprüfungen auf Grund von Anrainerbeschwerden werden laut Klose von seinen Mitarbeitern auf Anweisung des magistratischen Bezirksamts für den 1. und 8. Bezirk durchgeführt. Dieses ist, was Betriebsanlagen betrifft, auch für die Bezirke 3 bis 7 zuständig. Da die Lokaldichte in der Innenstadt und in Neubau besonders hoch sei, "kommt es dort auch häufiger zu Anrainerbeschwerden wegen Lärmbelästigung", erklärt Klose. Seitens des Bezirksamts heißt es, man habe auch während schärferer Pandemie-Maßnahmen Kontrollen durchgeführt. In der lange geschlossenen Nachtgastronomie sei dies erst wieder seit kurzem möglich.

"Manche Anrainer machen es sich momentan aber auch zu leicht", meint Dobcak von der Wirtschaftskammer Wien. Es würden Lärmbeschwerden eingehen, die einfach unbegründet seien. "Wenn es heißt, der Gastgarten darf mit einer bestimmten Anzahl Gäste bis 23 Uhr offen sein, dann ist das auch von Anrainern zu akzeptieren. Manche sind vielleicht von den Lockdowns verwöhnt und den normalen Geräuschpegel eines Lokals nicht mehr gewöhnt."