Er verließ den großen Schwurgerichtssaal, so wie er gekommen war - in Handschellen. Der 24-jährige Mann zählte zu jenen zwölf Verdächtigen, die unmittelbar nach dem Terroranschlag in der Wiener Innenstadt festgenommen worden waren. Am Montag fand im Wiener Straflandesgericht die Verhandlung statt.

Fast 3.000 Chat-Nachrichten

Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten vor, mit IS-Propagandamaterial gehandelt zu haben. Außerdem soll er in einer brisanten Chat-Gruppe aktiv gewesen sein und hatte zudem mit dem späteren Attentäter vom 2. November 2020 2.761 Nachrichten via WhatsApp und Telegram ausgetauscht. Außerdem kam es mit dem Attentäter auch zu persönlichen Treffen in einer Moschee in Ottakring. Hinweise zu einem direkten Tatbeitrag zum Attentat gab es jedoch keine.

Kaffeehäferl mit IS-Symbolen

Gleich zu Beginn der Schöffenverhandlung bekannte sich der Angeklagte, der sich bereits ein Jahr lang in Untersuchungshaft befunden hatte, zumindest bezüglich des Handels mit Propagandamaterial schuldig. Er soll Kaffeehäferl, Lesezeichen und Schoko-lade mit IS-Symbolen vertrieben haben.

Seine Rolle in den Chats, wo auch zum Jihad aufgerufen worden war und deren Administrator er war, spielte er hingegen herunter. Er habe darin nie selbst zum Jihad aufgerufen, beteuerte seine Verteidigung. Ihm tue es leid, sagte der Mann vor Gericht.

"Signal setzen"

Der Richter meinte, man müsse in "diesem Milieu das Signal nach außen setzen", dass derartige Propaganda unbedingte Haftstrafen nach sich ziehe. Der Angeklagte wurde zu 22 Monaten unbedingter Haft verurteilt. Der 24-Jährige verzichtete auf weitere Rechtsmittel. Die Staatsanwaltschaft gab nach der Urteilsverkündung keine Erklärung ab. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.