Seit wann es Schokolade-Hasen gibt, weiß nicht einmal Wikipedia genau. Dass Wien zu einer Hauptstadt der Zuckerbäckerkunst wurde, ist aber unbestritten. Den stolzen Titel "k. u. k. Hoflieferant" führen drei Wiener Traditionszuckerbäcker gut sichtbar auf ihren Aushängeschildern: "Demel", "Heiner" und "Sluka" pflegen das Handwerk und zählen zur Weltspitze. Die Konditorei "Oberlaa" hat sich in republikanischen Zeiten zu dieser Elite dazu gesellt. Zu Ostern produzieren diese Betriebe feinste und eleganteste Schoko-Hasen. Sie spielen mit ihrer Tradition und Zuckerbäckerkunst in einer ganz anderen Liga als Goldhasen und passable Industrieware.

"Heiners" künftige Chefin Marie (6) mit Traditionshasen. - © privat
"Heiners" künftige Chefin Marie (6) mit Traditionshasen. - © privat

Den feinen Unterschied machen das Aussehen, gesundes und ausgesuchtes Grundmaterial sowie die bildnerische Leistung an sich aus. Exquisite Fülle und individuelle handwerkliche Einzelproduktion prägen den echten Wiener Zuckerbäcker-Stil.

Es gibt Hasenfans, die selbst ein industriell gefertigtes Schokotier in Leichtmetall-Verpackung aus lauter Liebe niemals schlachten würden. Ich war auch so ein Kind. Meine verwerflichen Schwestern aber öffneten meine Hasen hinterrücks, fraßen die nicht gleich sichtbare Rückseite und stellten die unversehrt scheinende Vorderseite wieder zurück in mein Sammler-Regal. Sie seien hier ob dieser Missetat vor der Geschichte geoutet. Mit edlen Zuckerbäcker-Osterhasen funktioniert so ein niederträchtiger Fassaden-Schwindel gleich gar nicht. Die kleinen Kunst-Plastiken aus Schoko und Marzipan beziehen ihr Aussehen nicht vom Schein eines bedrucktem Metallpapiers.

"Sluka"-Servierdame Jennifer mit Osterfreuden. - © P. Vécsei
"Sluka"-Servierdame Jennifer mit Osterfreuden. - © P. Vécsei

Rund 6.000 handgemachte Hasen wurden heuer in den Oberlaaer Produktionsstätten erzeugt. Deren Leiter Vinzenz Bäuerle ist selbst ein gelernter Zuckerbäcker. "Man muss Qualität sofort schmecken", lautet seine Philosophie. "Es braucht mehr Geschmack als nur süß." "Oberlaa" ist vergleichsweise ein Großbetrieb. 350 Mitarbeiter erwirtschaften jährlich 15 Millionen Euro Umsatz. Das große Geschäft ist der Verkauf von rund 800.000 Torten im Jahr. 2021 hat man zudem weit über eine Million Makronen verkauft. Der gertenschlanke Bäuerle liebt die eigenen Produkte, nascht bei der Herstellung gerne mit und isst dafür sonst wenig. Die Hasen in Größe von sieben bis 14 Zentimeter kosten bei "Oberlaa" zwischen 6,80 und 12,20 Euro.

Beim "Demel" geht es auch ums "aufmascherln". - © P. Vécsei
Beim "Demel" geht es auch ums "aufmascherln". - © P. Vécsei

Teurer sind die Produkte des Hofkonditors "Demel". 37,90 Euro kostet der 15-cm-Hase, 11,50 die Ausgabe mit fünf Zentimetern. Dafür pflegt man hier den Gedanken des Gesamtkunstwerks. Von der Verpackung bis zur aufwendigen Masche ist alles durchkomponiert. Geschäftsführerin Margit Kumersberger, die 40 Mitarbeiter steuert: "Jedes Stück ist einzeln gefertigt, bei uns gibt es keine Computersteuerung." 800 Demel-Hasen wurden heuer so erzeugt und bleiben keine Ladenhüter.

Hasen des "Oberlaa"-Produktionschefs Bäuerle. - © P. Vécsei
Hasen des "Oberlaa"-Produktionschefs Bäuerle. - © P. Vécsei

Beim Heiner ist der "Star" ein Zehn-Zentimeter-Hase um 7,30 Euro. 1.100 Stück wurden heuer gefertigt, sagt Geschäftsführer Michael Stuller. Der Betrieb mit 135 Beschäftigten ist seit sechs Generationen in Familienbesitz. Die sechsjährige Marie Eissner-Eissenstein steht als nächster Spross schon ein wenig in den Startlöchern.

Beim Sluka (40 Mitarbeiter), der sein Flaggschiffgeschäft nun in den Räumen der ehemaligen "Drei Husaren" in der Kärntner Straße hat, versucht man an diesem Standort mit rund 100 produzierten Hasen "erstmals ein Verkaufsexperiment", sagt Pressesprecher Andreas Zenker. Sie kosten zwischen 3,90 und 14,90 Euro.