Drei Jahre sind beinahe schon ins Land gezogen, seit auf der Kaiserwiese im Prater Dirndl und Lederhose der Dresscode waren. Im Herbst 2019 fand mit der Wiener Wiesn das bislang letzte große Oktoberfest in Wien statt. Die Pandemie hat den Veranstaltern zwei Mal einen Strich durch die Rechnung gemacht und dann im Vorjahr die überraschende Botschaft: Die Prater Wien GmbH hat einen neuen Ausrichter für die Schlager- und Volksmusik-Party mit Bierbegleitung gefunden.

Die neue Veranstaltung heißt statt Wiener Wiesn nun Kaiser Wiesn. Und auch sonst unterscheidet man sich kaum vom Original. Der Veranstaltungsort ist derselbe. Die Hauptsponsoren konnten von den Vorgängern ebenfalls übernommen werden, wie die Veranstalter am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz stolz verkündeten. Bevor die Blasmusik aufspielte, wurden ein Wiener Aufstrich-Produzent, ein niederösterreichischer Wurst-Hersteller und eine zur Brau Union gehörende steirische Biermarke als Partner präsentiert. Alle drei haben wieder ihre eigenen Festzelte, wie auch schon bei der Wiener Wiesn.

Original oder Nachahmer?

Wie ist es nun zum überraschenden Wechsel der Veranstalter und zur Umbenennung gekommen? "Wir haben ein Konzept eingereicht", sagt Kaiser-Wiesn-Geschäftsführer Thomas Waldner, ehemals Projektleiter des Donauinselfestes. "Die Veranstaltung war nicht ausgeschrieben." Ihm steht als zweiter Geschäftsführer Johann Pittermann zur Seite, der ehemalige Prokurist der Wiener Wiesn und danach technischer Leiter der Prater Wien GmbH. Den früheren Wiesn-Betreiber Christian Feldhofer "schmerzt es", dass sich die Kontrahenten "sehr stark an unserem Fest orientieren, um nicht zu sagen, es nachahmen". Doch stimmt das abseits der Location, der Zelte und der Sponsoren?

Altbekannte Musiker

"Es ist uns wichtig, jungen neuen Bands die Möglichkeit zu bieten aufzutreten", sagt Pittermann. Vergleicht man das bisher bekannte Musikprogramm der im September startenden Kaiser Wiesn mit dem letzten Programm der Wiener Wiesn, so ist aber so gut wie kein Unterschied festzustellen. Die Lauser werden wieder mit einem "Zicke Zacke Zicke Zacke Hoi Hoi Hoi" das Publikum anheizen, die Draufgänger, die Dirndlrocker, Chaos und Bengels Reloaded geigten auch schon in Wien vor schunkelnden Menschen auf. Volxrock aus Südtirol sind eine der wenigen Neuen im vorerst bekanntgegebenen Konzertreigen. Die Queer-Community wird mit einer Rosa Kaiser Wiesn umworben. Früher hieß das Rosa Wiener Wiesn.

Abseits der Zelte wird es wieder die beliebten Almen geben. "Zum Beispiel die Champagner Alm", sagt Pittermann. Die gab es bereits beim Vorgänger-Modell. Bretteljause, Prater Stelze, Bierbrezn. Auch nicht neu. Das Bier wird, wie gehabt, auch im Maß ausgeschenkt, das laut Pittermann "unter 12 Euro" kosten soll.

Die Nachhaltigkeit ist neu? "Wir verwenden nur Mehrweggebinde", sagt Geschäftsführer Waldner. Wie auch 2019. Dass man in den Prater am besten mit Öffis anreist, hat sich in den vergangenen Jahren auch nicht verändert. Bleibt noch die Eröffnungszeremonie, der Einzug der Musi und der Gäste. Ja, gab es schon. Nur diesmal wird der Umzug vom Schweizerhaus bis zur Kaiserwiese führen und ist somit länger als der des Vorgängers.

Die Kaiser Wiesn dauert von 22. September bis 9. Oktober.