Sechs oder mehr Wochen muss man derzeit einkalkulieren, um in Wien einen neuen Reisepass sein Eigen nennen zu können. Das sollten alle beherzigen, die im Sommer ins Ausland auf Urlaub fahren wollen. Um dem Ansturm gerecht zu werden, gab die Magistratsdirektion bekannt, dass zusätzliche Termine zur Verfügung gestellt werden.

"Man muss rechtzeitig drauf schauen, dass man’s hat, wenn man’s braucht" - dieser in den 1980er-Jahren kultivierte Werbespruch des TV-Moderators Joki Kirschner gilt auch für jene, die während der Reise-Restriktionen in Zeiten der Pandemie auf den Urlaub am Strand verzichtet und in den vergangenen zwei Jahren nicht bemerkt haben, dass ihr Reisepass sein Gültigkeitsdatum bald überschreiten wird oder bereits überschritten hat. Und das sind in Wien sehr viele Menschen.

Sechs Wochen

"Es dauert leider länger, wir haben 200.000 Reisepässe und Personalausweise neu auszustellen", sagt die Mitarbeiterin des Stadtservice Wien am Dienstag dieser Woche beim Selbstversuch, einen Termin für die Passverlängerung zu bekommen. Erst fünf Wochen später, am 31. Mai, ist ein Platzerl am Bezirksamt frei. Weitere fünf Werktage wird es dauern, bis der neue Pass ausgestellt ist.

Etwa ein Drittel der für heuer avisierten Verlängerungen konnte die Stadt Wien bereits abwickeln. "60.000 Personen haben den Ratschlag, sich rechtzeitig um die Passerneuerung zu kümmern, im 1. Quartal 2022 beherzigt", heißt es seitens der Magistratsdirektion.

Einzelne Bezirksämter haben auf den Ansturm bereits reagiert und Zusatztermine eingeschoben. "Allein im Mai werden 23.000 Termine angeboten", so die Magistratsdirektion. Im Juni sind es 25.000, im Juli 24.000.

Um den Ausfall der Donnerstag-Feiertage Christi Himmelfahrt und Fronleichnam zu kompensieren, gibt die Stadt Wien ab heute, Donnerstag, zusätzliche Kontingente frei. Am 24. Mai und am 14. Juni werden die Amtszeiten der Bezirksämter auf 8 bis 17.30 Uhr verlängert und damit jeweils 300 zusätzliche Termine zur Verfügung stehen.

Anmelden dafür kann man sich entweder telefonisch über das Wiener Stadtservice (Tel. 01/4000-4001), via E-Mail beim jeweiligen Bezirksamt oder online (wien.gv.at/passservice). Einfach ins Amtsgebäude zu gehen, um zu sehen, ob zufällig ein Termin frei ist, "spielt es seit der Pandemie nicht mehr", sagt eine Mitarbeiterin der Magistratsdirektion. "Es ist wichtig, gleich zu kontrollieren, ob der Reisepass bald abläuft, und nicht erst, wenn die Koffer gepackt sind", betont Oliver Birbamer, Leiter des Bezirksamtes für den 2. und 20. Bezirk. "Am besten vereinbart man gleich einen Termin mit einer Bezirksverwaltungsbehörde."

Gültiger Pass empfohlen

Das Außenministerium empfiehlt, auch in Ländern, die die Einreise mit einem bis zu fünf Jahre abgelaufenem Reisedokument gestatten würden (wie zum Beispiel Griechenland, Italien und Spanien), stets einen gültigen Pass dabeizuhaben. Probleme kann es nämlich etwa bei Fluglinien geben, die auf gültige Reisedokumente bestehen.

In den einzelnen Bezirksämtern ist die Lage unterschiedlich. Online kann man sich in Ottakring ab 3. Juni den Pass verlängern lassen, in der Donaustadt ab 10. Juni. In Floridsdorf ist erst ab 20. Juni wieder ein Termin frei. Auch im erweiterten Wiener Umland ist die Lage nicht wesentlich anders. Auf der Bezirkshauptmannschaft Baden kann man ab 14. Juni in die Verlängerung gehen, ebenso in Mistelbach. Mödling hat noch ab 23. Mai Kontingente frei. Die Stadt St. Pölten bietet sogar ab 2. Mai Termine an.

Wer in Wien einen neuen Reisepass benötigt, muss nicht auf das für ihn zuständige Bezirksamt gehen, sondern kann sich aussuchen, wo sein Dokument ausgestellt werden soll. Dies gilt österreichweit. Pässe kann man in den meisten zuständigen Behörden, das sind in den Bundesländern meist Statutarstädte oder Bezirkshauptmannschaften, verlängern lassen. Sind Gemeinden für die Pässe zuständig, muss man dort mit Haupt- oder Nebenwohnsitz gemeldet sein.

Die Magistratsdirektion warnt vor Gerüchten, die auf Social Media kursieren sollen: "Dass Parkpickerl-Termine für Pässe genutzt werden können, ist eine Fehlinformation." In besonders dringlichen Fällen rät man zu einer telefonischen Kontaktaufnahme mit einem der Bezirksämter. "Für Notfallpässe gibt es immer ein zusätzliches Terminkontingent."

Sämtliche notwendigen Schritte zum neuen Pass sind auf oesterreich.gv.at zusammengefasst. Die wichtigsten Tipps auf einen Blick:

Der Antrag auf Ausstellung eines Reisepasses muss persönlich eingebracht werden.

Ist ein alter Reisepass vorhanden, muss dieser zur Antragstellung mitgebracht werden. Ebenso ein Farbfoto des Besitzers, das nicht älter als sechs Monate sein darf.

Hat man weder Reisepass noch Personalausweis, benötigt man neben dem Passfoto einen amtlichen Lichtbildausweis, die Geburtsurkunde und den Staatsbürgerschaftsnachweis.

Kinder (auch Babys) müssen bei der Antragstellung für ihr Reisedokument anwesend sein.

Die Kosten für einen neuen Pass (und einen auf ein Jahr befristeten Notpass) belaufen sich auf 75,90 Euro. Ein Expresspass (Zustellung innerhalb dreier Werktage) kostet 100 Euro. Der Ein-Tages-Expresspass kommt auf 220 Euro.

Brexit-Folgen

Während man in Wien mehrere Wochen auf den neuen Pass warten muss, droht den Briten gröberes Ungemach. Millionen Engländern, Schotten, Walisern und Nordiren könnte der Urlaub am europäischen Mittelmeer oder in anderen EU-Gefilden heuer ins Wasser fallen, berichtet "The Times". Seit dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs müssen britische Staatsbürger einen Reisepass zur Einreise in die EU vorlegen, der mindestens drei Monate über das Ausreisedatum hinaus gültig ist. Wie auch hierzulande viele Menschen, haben die Briten die Lockerung der Reisebestimmung abgewartet und noch keinen neuen Pass beantragt. Rund fünf Millionen Dokumente müssten bis Sommer ausgestellt werden. Ein Arbeitsaufwand, den die zuständige Behörde kaum bewältigen kann. Premierminister Boris Johnson soll dem Amt bereits mit Privatisierung gedroht haben.