Am 27. April 1945 proklamierten in Wien Karl Renner, als Provisorischen Kanzler und die Parteienvertreter Adolf Schärf (SPÖ), Leopold Kunschak (ÖVP) und Johann Koplenig (KPÖ) die Unabhängigkeit und Wiederherstellung der Republik Österreich. Über die entscheidenden Verhandlungen zur entsprechenden Erklärung und zur Regierungsbildung in der Villa Blaimschein wurde hier vor einer Woche berichtet.

WZ-Leser und historischer Publizist Konrad Schröder machte in der Folge auf einen historischen Irrtum aufmerksam.

Er fand selbst jenen Fehler heraus, der sich quer durch prominente Nachschlagquellen zieht: Dort wird behauptet, die Villa Blaimschein sei von den Nationalsozialisten "arisiert" worden. Das ist einfach falsch, wie inzwischen auch einschlägige Experten bestätigen. Die detaillierte Nachforschung Konrad Schröders lesen sie in diesem pdf-Dokument. Tatsächlich hat die russische Besatzungsmacht das Haus Wenzgasse 2 in Beschlag genommen und Renner dort einquartiert. Irma Blaimschein erhielt es später wieder.

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Die Proklamation der Regierung wurde jedenfalls per Zeitung am 28. April 1945 veröffentlicht. Das "Neue Österreich" war drei Tage vorher als gemeinsames Projekt aller Gründungsparteien aus der Taufe gehoben worden. Das "Organ der demokratischen Einigung" existierte bis 28. Jänner 1967. Zu Spitzenzeiten erzielte es eine Auflage von 200.000 Stück. In Stein gemeißelt ist diese Unabhängigkeitserklärung auf einem Granitblock beim "Mahnmal gegen Krieg und Faschismus" am heutigen Helmut-Zilk-Platz bei der Albertina. Bildhauer Alfred Hrdlicka (1928-2009) verewigte sie auf einem über acht Meter hohen Monolithen aus den Steinbrüchen des ehemaligen KZ-Mauthausen. Dort mussten tausende Häftlinge während der "Nazi-Zeit" über eine "Todesstiege" täglich schwerste Steinblöcke schleppen. Viele starben an dieser Tortur.