Es ist dieses Wort, das Waltraud Fastl nie mehr in ihrem Leben vergessen wird. "Spasybi" - es bedeutet "Danke". "Es ist das Wort, das die Menschen hier sagen, wenn sie uns wieder verlassen, und es beschreibt, wie sie sich gefühlt haben." Die Projektverantwortliche steht im Caritas-Tageszentrum am Erste Campus, das fußläufig von der großen Halle des Hauptbahnhofes entfernt ist. "Den Menschen wird oft erst hier bewusst, wie viel sie eigentlich verloren haben", sagt Fastl.

Rund um die Uhr stehen Caritas-Mitarbeiter und ihre freiwilligen Helfer am Infopoint mitten in der großen Eingangshalle des Hauptbahnhofes bereit. Es ist die erste Anlaufstelle für ukrainische Flüchtlinge, die mit dem Zug in Wien ankommen. "Wir betreuen täglich mehrere hundert Personen, die Fragen haben", erklärt Doris Anzengruber, Co-Leiterin der Caritas-Ukraine-Hilfe am Hauptbahnhof. "Der Großteil weiß bereits, dass er weiterfahren wird, dann helfen wir, ein Ticket zu organisieren, das gratis ist. Andere wiederum wissen nicht, wie es weitergeht, und sie brauchen eine Notunterkunft."

Zwischen 1.100 und 2.500 Ukrainerinnen und Ukrainer sind laut ÖBB täglich in Zügen in Österreich unterwegs. Neben dem Hauptbahnhof in Wien bietet die Caritas in den Bahnhöfen in Graz, Linz und Salzburg Hilfestellung. "Hier beim Infopoint stehen wir und warten auf die Menschen. Sie sind erschöpft, müde und schockiert", erzählt Anzengruber.

Eine Möglichkeit zum Hinsetzen biete auch die ÖBB-Lounge, sagt die Mitarbeiterin und deutet nach oben. Danach geht es Richtung Bahnsteige 7 und 8 zu einem Wartebereich und einer Ausgabestelle für kaltes Essen. Mehrere Caritas-Freiwillige stehen hinter einem langen Tisch mit weißem Tischtuch.

"Wir verteilen vor allem Brot, Obst, Windeln, Hygieneartikel", erzählt eine Mitarbeiterin. Ein älterer ukrainischer Mann greift zu einem Rasierer. Eine junge Familie bekommt ein Essenspaket in einem braunen Papiersackerl. Täglich werden bis zu 1.500 solcher Pakete verteilt.

Rundum-Versorgung

Danach geht es hinaus ins Freie zum Caritas-Tageszentrum am Erste Campus hinüber, hinein in die Betriebskantine, die kurzerhand zur Rundum-Versorgung für die Flüchtlinge umgestaltet wurde. "Seit 14. März verköstigen wir hier Flüchtlinge von 7 bis 19 Uhr. Wir bieten ihnen einen Raum der Ruhe und des Runterkommens", erzählt Regina Baumgartner, Erste-Bank-Mitarbeiterin.

Die Menschen kommen hier in Wellen, je nachdem, wann und wie viele Züge ankommen. Es ist nicht immer gleich viel los. Heute ist ein eher ruhiger Tag. Kinder spielen in der Kinderecke. Frauen jedes Alters, ältere Herren sitzen an den Tischen. "Es ist ein Ort, wo ich sein kann", sagt Fastl, "auf dieser wahnsinnigen Reise, ein Stück Normalität."

"Es gibt ganz viele erschöpfte Mütter, alte Frauen, die sich hier in einem Ruheraum ein paar Stunden hinlegen. Es gibt einen Gepäckaufenthaltsraum, der für die Jüngeren wichtig ist, die Lust haben, ein bisschen etwas von Wien zu sehen. Dann sind sie stolz, wenn sie ganz allein das Belvedere finden", erzählt Fastl lächelnd. Aber vor allem habe sie eines dazugelernt, nämlich dass Suppe extrem wichtig ist für diese Menschen. "Deshalb gibt es von früh bis spät immer zwei Suppen - Borschtsch- und Gulaschsuppe. Das wärmt nicht nur den Magen, das wärmt auch die Seele", sagt Fastl.

Helfer der ersten Stunde

Fastl und Baumgartner sind Helferinnen der ersten Stunde. Beide sind ergriffen von der Hilfsbereitschaft so vieler Menschen und Unternehmen und der Dankbarkeit der Geflüchteten, die sich im aufliegenden Gästebuch niederschlägt. An einem Tisch sitzen zwei Frauen, die am Vorabend angekommen sind. Sie haben in einem Hostel übernachtet und werden heute nach Krakau weiterfahren. Wohin es dann weitergeht, wissen sie aber noch nicht.

"Mein Mann ist beim Militär. Er hat sich Sorgen um uns gemacht und hat darauf bestanden, dass wir wegfahren", erzählt die Ukrainerin mit Tränen in den Augen. "Die Menschen hier sind sehr nett und freundlich, vielen Dank", sagt sie und blickt in Richtung Kinderecke.