Ein Pädagoge soll in einem städtischen Wiener Kindergarten Mädchen und Buben sexuell missbraucht haben. Laut "Kronen Zeitung" wird dem Mann vorgeworfen, ein Kind beim Wickeln unsittlich berührt zu haben. Der Fall liegt bei der Staatsanwaltschaft. Zugleich haben Eltern Kritik geübt, erst nach einem Jahr über die Vorfälle informiert worden zu seien. Der zuständige Stadtrat, Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr (Neos), will ihnen nun umfassend berichten.

Warten auf Gutachten

Auslöser war demnach ein Fall im März 2021. Eine Familie habe das Gespräch mit der Leitung des Kindergartens in Penzing gesucht, da ihre Tochter von intimen Berührungen des Pädagogen erzählt habe. Nun gibt es weitere Anschuldigungen. Laut Staatsanwaltssprecherin Nina Bussek werden drei Fälle von der Behörde überprüft.

Es geht um den Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen beziehungsweise sexuellen Missbrauchs von Unmündigen. In dem Fall, der ein Jahr zurückliegt, wurde ein Gutachten beauftragt, auf dessen Ergebnis nun laut Bussek gewartet werde. In den zwei neuen Fällen, die eben erst bekannt geworden seien, müssen erst Gutachten eingeholt werden.

Daniela Cochlar, Leiterin der Magistratsabteilung 10 (Kindergärten), sagt gegenüber der "Wiener Zeitung", dass der Mitarbeiter nach Bekanntwerden der Vorfälle in den Innendienst versetzt worden sei, wo er keinen Kontakt zu Kindern habe. "Ich selbst habe erst vergangene Woche von dem Fall erfahren", sagt Cochlar, "und sofort das zuständige Stadtratsbüro informiert."

"Der konkrete Verdachtsfall macht betroffen"

Einem größeren Personenkreis wurde von der Causa aber nicht erzählt. Eltern anderer Kinder werfen der MA 10 laut "Kronen Zeitung" vor, zu spät informiert zu haben. Konkret soll dies erst 13 Monate später bei einem Elternabend - und nicht sofort nach Bekanntwerden des ersten Falls - geschehen sein. Wiederkehr will dies nachholen: "Der konkrete Verdachtsfall macht betroffen - wir können die Emotionen der Eltern nachvollziehen, unabhängig davon, ob sich die Vorwürfe als richtig herausstellen oder nicht." "Es gibt nichts zu vertuschen, wir haben die Vorwürfe ernst genommen", sagt Cochlar. Zudem sei den Eltern der betroffenen Kinder angeboten worden, den Kindergarten zu wechseln. "Alle drei Kinder sind aber in ihrem Kindergarten geblieben", erklärt die Leiterin der MA 10.

Wiederkehr verspricht eine "umfassende und transparente Information" an die Eltern. Dazu sei noch für diese Woche ein Elternabend einberufen worden. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft habe er beauftragt, den Fall unabhängig und zügig zu prüfen. Sie diene auch als Anlaufstelle für die betroffenen Eltern. Details zu den konkreten Vorwürfen wurden im Rathaus vorerst nicht genannt, da es sich um ein laufendes Verfahren handle.

Die Opposition übt Kritik am Vorgehen der Behörde. Die Wiener ÖVP befand, dass der Fall "regelrecht totgeschwiegen" wurde. Die medial ebenfalls kolportierte Bitte an die Eltern, sich nicht an Medien zu wenden, wurde als "Sprechverbot" tituliert. Die FPÖ zeigte sich erstaunt, dass der Pädagoge nicht suspendiert wurde - und fordert die Suspendierung der Leiterin der MA 10.(gh)