Nahezu 3.000 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität Wien ließen die Nationalsozialisten nach ihrer Machtübernahme in Österreich 1938 von der Universität Wien entfernen. Für die meisten davon war das der Anfang einer Leidenskette. Sie wurden auch noch aus der Stadt vertrieben und ermordet.

Für die 120 Studierenden und acht Lehrenden des Fachs Geschichte, welche dieses Schicksal erlitten, ließen nun die heutigen historischen Institute eine künstlerische Gedenkstätte erschaffen. Gestalterin Iris Andraschek setzte eindrucksvoll ihre Idee um, die Namen der Verfolgten dem Vergessen zu entreißen und leuchtend sichtbar zu machen: Mit LED-Lampen werden sie auf sechs riesigen Sicherheitsglasplatten zum Strahlen gebracht. Für weitere Namen wurde noch Platz gelassen. Die Forschungen über die Vertriebenen sind in ihrem vollen Umfang noch nicht abgeschlossen. Donnerstagabend wurde die Installation "Wenn Namen leuchten" beim im Universitätsbetrieb gut frequentierten Hörsaal 41 in einem Festakt ihrer Bestimmung übergeben.

Einzig für den Uni-Betrieb ungewohnte hysterische Sicherheitspersonen trübten ein wenig die Stimmung. Sie hatten ihren Fokus im Ablauf ausschließlich auf den auch anwesenden israelischen Botschafter und weniger auf den Sinn des eigentlichen Ereignisses gerichtet.

Auch der Hörsaal 41 selbst erhält nunmehr einen neuen Namen. Er heißt künftig "Gerda Lerner-Hörsaal". Er ist nach der gleichnamigen und ebenfalls 1938 vertriebenen späteren österreichisch-amerikanischen Historikerin (1920-2013) benannt. Die international hochdekorierte Wissenschafterin gilt als Pionierin der Women’s History (Frauengeschichte).

Die Errichtung des Denkmals "Wenn Namen leuchten" ist der bisher letzte Akt in einer Reihe von Maßnahmen zur Gedenkkultur der Uni Wien. Schon 2006 wurde gleich beim Haupteingang die Collage "Nobelpreis und Universität Wien - Gruppenbild mit Fragezeichen" geschaffen. Dort sind neun Ausgezeichnete aus Reihen der Uni Wien im Bild zu sehen: die Medizin-Nobelpreisträger Robert Bárány (1914), Julius Wagner-Jauregg (1927), Karl Landsteiner (1930), Otto Loewi (1936) und Konrad Lorenz (1973). Weiters der Chemiker Hans Fischer (1930), die Physiker Erwin Schrödinger (1933) und Viktor Franz Hess (1936), sowie als bisher Letzter in der Reihe der Nobelpreisträger der Ökonom Friedrich August von Hayek (1974).

Das große Fragezeichen in der Installation dieses Denkmals bildet auch sein Zentrum. Es steht als Symbol für all jene, die im Nationalsozialismus vertrieben wurden und ihre Forschungen in Wien nicht weiterführen konnten. Auf der Website der Universität Wien heißt es dazu: "Die leere Stele verkörpert aber auch die Leerstelle, die für die Universität bleibt, da so gut wie nichts unternommen wurde um die Vertriebenen nach 1945 wieder für die Forschung an der Universität zurückzugewinnen."