Auf der einen Seite des Zaunes wurde mit Sekt angestoßen, auf der anderen gellten Pfiffe: Die Fronten beim Spatenstich der Sport- und Funhalle in der Venediger Au waren klar. Hier einige Anrainer und Vertreter der Grünen Leopoldstadt, die gegen das Bauvorhaben protestierten, dort Vertreter der ausführenden Baufirma, Sportstadtrat Peter Hacker (SPÖ) und Mitarbeiter der zuständigen Magistrate.

Die neue Sport- und Funhalle, die bis Herbst 2023 beim Prater entstehen wird, soll die alte, etwas ramponierte in der Engerth-straße ersetzen. Letztere ist derzeit Aufnahmezentrum für ukrainische Flüchtlinge und wird abgerissen, sobald die neue Halle fertiggestellt ist. An ihrer Stelle wird der internationale Busterminal ein neues Zuhause finden.

Sportstadtrat Hacker (kurzärmelig) vor dem Spatenstich. - © gh
Sportstadtrat Hacker (kurzärmelig) vor dem Spatenstich. - © gh

Die Investoren des Busterminals sind es auch, die die neue Sportstätte in der Venediger Au für die Stadt Wien finanzieren. Der Baugrund selbst gehört der Stadt und ist eigentlich nicht als Baugrund definiert, sondern laut Flächenwidmungsplan als "Erholungsgebiet Sport und Spielplätze". Das Areal wurde seit langem als Sportplatz mit großer Rasenfläche, Sprint- und Weitsprungbahn genutzt. Und es gibt vom Wiener Gemeinderat im Jahr 2003 beschlossene "Besondere Bestimmungen" für das Grundstück, die Folgendes besagen: "Auf der (...) als Grünland/Erholungsgebiet/Sport und Spielplatz gewidmeten Grundfläche dürfen keine Gebäude errichtet werden."

Die Halle, die dort entstehen wird, wo nicht gebaut werden darf, wird 3000 Quadratmeter groß und 13 Meter hoch werden. Wie das geht, erklärt man seitens der für die Projektplanung zuständigen und zur Wien Holding gehörenden Wiener Standortentwicklung: "Wir haben um eine vorübergehende Baubewilligung angesucht und die haben wir bekommen." Die definitive Baubewilligung für das Infrastrukturprojekt sei nur eine Frage der Zeit. "Wir tun nichts Illegales."

Die Grünen laufen seit Bekanntwerden der Pläne Sturm gegen das Projekt. Vor allem die Bodenversiegelung ist ihnen ein Dorn im Auge. "Eine Sportanlage im Park betoniert man nicht zu", sagt Bernhard Seitz, stellvertretender Bezirksvorsteher der Grünen in der Leopoldstadt. Er vermisst ein Verkehrskonzept und kritisiert, dass sich die Stadt "über die Flächenwidmung hinwegsetzt". Die Grünen wollen "alle rechtlichen Mittel" ausschöpfen und planen eine Anzeige.

Dem sieht man im Büro von Stadtrat Hacker gelassen entgegen. Neben Fassadenbegrünung und energieeffizienter Bauweise führt man die Nutzungsmöglichkeit der Halle (von Fußball bis Badminton) für rund 16.000 Schüler in der näheren Umgebung als Pluspunkt an.(gh)