Die durch einen Blitzeinschlag und den Verkehr beschädigte "Spinnerin am Kreuz" in Favoriten wird noch in diesem Jahr restauriert. Die 16 Meter hohe spätgotische Bildsäule, die auf der Anhöhe des Wienerberges neben der Triester Straße emporragt, sei ein "herausragendes Favoritner Wahrzeichen und damit auch ein bedeutender Teil des kulturellen Erbes unserer Stadt", erklärte Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) in einer Aussendung.

- © CC BY-SA 3.0 at / CC BY-SA 3.0 at
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180.000 Euro kostet die Restaurierung des Denkmals. Das Wiener Stadtrecht von 1296 erwähnt bereits "ain stainern kreucz ob meurling", das jedoch 1446 zerstört wurde. 1451/52 wurde die Bildsäule im Auftrag der Stadt Wien errichtet. Es steht in der Tradition der Mahn- oder Marterkreuze, die in Mitteleuropa Wege und Wegkreuzungen zieren. Die Säule markierte die äußerste Grenze der Wiener Stadtgerichtsbarkeit. In unmittelbarer Nähe befand sich das Hochgericht, wo bis ins 19. Jahrhundert öffentliche Hinrichtungen durch den Galgen oder das Rad erfolgten.

Die Spinnerin besteht aus Unterbau, Tabernakel und Bekrönung. Auf dem kreuzförmigen Grundriss des Tabernakels sind acht Strebepfeiler aufgebaut, die in Kombination mit dem kreuzförmigen Kern Nischen mit insgesamt vier Figurengruppen bilden. Diese stellen unter anderem die biblischen Motive der Dornenkrönung oder Kreuzigung dar. Der Legende zufolge ist die Spinnerin am Kreuz nach einer jungvermählten Frau benannt. Sie hatte sich an dieser Stelle auf dem Wienerberg von ihrem Mann verabschiedet, als dieser zu einem Kreuzzug aufbrach. Genau hier wartete sie in der Folge Tag für Tag auf dessen Heimkehr und vertrieb sich die Zeit durch Spinnen. Vom Erlös ihrer Arbeit ließ sie die Bildsäule errichten. Tatsächlich kehrte der Kreuzfahrer nach drei Jahren heim und sah seine "Spinnerin am Kreuz" bei der Bildsäule das erste Mal wieder.