Wenn heute, Freitag, um 15 Uhr die Kirchenglocken zu läuten beginnen, dann tun sie das, um auf den Hunger in der Welt aufmerksam zu machen. Das Geläut wird in Gotteshäusern in ganz Österreich fünf Minuten lang dauern und soll ein Zeichen der Solidarität mit den Hungernden sein und ein Appell, nicht länger zuzusehen.

"Täglich leiden und sterben Kinder, Frauen und Männer an Hunger. Hunger ist eine Ungerechtigkeit, die zum Himmel schreit, und seine Beendigung keine Frage des Könnens, sondern nur des Wollens", erklärte Caritas-Präsident Michael Landau. Gerade die ärmsten Regionen der Welt seien von den Folgen der Klimakrise und des Kriegs in der Ukraine am meisten betroffen. Das Läuten erinnere daran, "dass wir endlich geschlossen und mit aller Kraft handeln müssen. Gemeinsam sagen wir: Wir haben den Hunger satt!", so der Leiter des wichtigsten kirchlichen Hilfswerks des Landes. 828 Millionen Menschen sind derzeit weltweit akut von Hunger bedroht, heißt es von der Caritas. Damit sind nach jahrelang rückläufigen Zahlen erstmals wieder mehr Menschen betroffen. Durch die Preissteigerungen für Öl, Getreide und andere Nahrungsmittel infolge des Ukraine-Krieges wird das Problem noch weiter deutlich zunehmen.

Afrika besonders betroffen

Besonders schwer vom Hunger betroffen ist die Bevölkerung in den Ländern Afrikas, erklärte der Generalsekretär für die Caritas-Auslandshilfe, Andreas Knapp. Es komme dort immer häufiger zu langen Dürreperioden, verheerenden Überschwemmungen und Insektenplagen. "Ein Großteil der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft. Wenn das Vieh verdurstet und die Ernten ausbleiben, fehlt den Menschen plötzlich ihre gesamte Lebensgrundlage." Kritisch sei die Lage schon vor Ausbruch des Krieges in der Ukraine gewesen, fehlende Getreide-Exporte und die explodierenden Lebensmittelpreise hätten die Situation der Menschen jedoch nochmals massiv verschärft.

Die österreichische Bischofskonferenz hatte bei der jüngsten Sommervollversammlung die erneute Unterstützung der Aktion beschlossen und verfügt, dass am letzten Julifreitag "in möglichst allen Pfarrgemeinden" zur Sterbestunde Jesu fünf Minuten lang die Glocken geläutet werden sollen.

Den Pfarren wurden von der Caritas auch Anregungen zur Gestaltung des Aktionstages gegeben: Etwa mit Kirchturm-Besuchen von Ministranten- und Jungschargruppen oder des Kirchenchores schon im Vorfeld, oder durch Kurzvideos vom Glockengeläut, bei denen eine Pfarrcaritas-Mitarbeiterin, ein Pfarrgemeinderat oder eine Kirchenbesucherin erklärt, warum ihr oder ihm der Kampf gegen den Hunger ein Anliegen ist.