Es gehört zu den beliebten Badezielen der Wiener: Das Fischauer Thermalbad versprüht K.-u.-K.-Flair und ist besonders beliebt bei Menschen, die die Umgebung gerne etwas ruhiger und das Wasser etwas kälter haben. Doch nun macht die Trockenheit dem Bad im Bezirk Wiener Neustadt zu schaffen. Zwei von drei Quellen sind versiegt. Eines der beiden großen Becken kann dadurch nicht mehr befüllt werden. Wo vor einem Jahr noch Besucher geschwommen sind, warten nun Sand und Holzliegen auf die Gäste des Fischauer Thermalbades.

Selbst die letzte verbliebene Quelle bietet nur mehr rund die Hälfte der üblichen Quellschüttung, erklärt Bürgermeister Reinhard Knobloch. Das sogenannte Damenbecken kann nicht befüllt werden, der Boden wurde daher für die diesjährige Badesaison mit Sand und Kies bedeckt. Auch der Wasserfall bleibt geschlossen, das Herrenbecken muss wegen der geringeren Durchflussmenge häufiger gereinigt werden.

Zur Ursache für die versiegten Quellen ist derzeit ein geologisches Gutachten in Arbeit, berichtete der Bürgermeister. Am Alleinstellungsmerkmal "Schwimmen im Trinkwasser" wird jedenfalls festgehalten, eine Umstellung auf Chlorwasser in dem traditionsreichen Bad ist daher kein Thema. "Der Badebetrieb ist nicht besonders beeinträchtigt", sagt Knobloch. Die Saisonkarten im Fischauer Thermalbad wurden heuer zum ermäßigten Preis angeboten, was laut dem Bürgermeister für einen Rekordverkauf sorgte. Bei Tagestickets sei der Absatz "zufriedenstellend".

Pegel sinkt stetig

Doch auch andere Badezielewerden von der Trockenheit schwer getroffen. In Wiener Neustadt blicken manche Anrainer auf eine Lacke statt auf einen Badeteich. Der Wasserstand von Grundwasserseen wie Anemonensee, Föhrensee und Achtersee liegt zum Teil bis zu sieben Meter tiefer als etwa noch im Jahr 2009, teilte das Rathaus auf Anfrage mit: "Seit Sommer 2021 ist der Pegelstand um rund zwei Meter gesunken", im Juni habe es jedoch erstmals eine "leichte Entspannung" gegeben.

In Baden ist die Förderung von Schwefelwasser in den vergangenen Jahren rückläufig. Von 15 Quellen, deren Schüttungen erfasst werden, sei eine kleine Nebenquelle versiegt, sagte Andreas Rohrer von der Abteilung Wasserwirtschaft. Auswirkungen auf das Thermalstrandbad, die Römertherme oder die Kurbetriebe habe dies allerdings nicht. Hier wird das Schwefelwasser aus drei größeren Quellen genutzt. In Bad Vöslau und Bad Erlach hat die Trockenheit ebenfalls keine Folgen für den Badebetrieb. "Wir beziehen unser Thermalwasser aus rund 1.000 Metern Tiefe", erklärte Walter Kois, Geschäftsführer des Asia Resorts Linsberg in Bad Erlach, dazu.

Im südöstlichen Niederösterreich ist der Grundwasserspiegel laut Martin Angelmaier, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft des Landes Niederösterreich, derzeit sehr niedrig. Zum Teil ist auch die Quellschüttung zurückgegangen. Ursache dafür sind die seit Herbst 2021 unterdurchschnittlichen Niederschläge. Im Raum Wiener Neustadt bewege sich der Grundwasserspiegel "bei den Niedrigstständen oder knapp darunter".

Das Zusammenwirken vieler Ursachen führt laut Angelmaier zu einem niedrigeren Grundwasserspiegel. Hauptgrund sind veränderte Niederschläge. Mit Blick auf den Klimawandel sagte Angelmaier: "Wir müssen damit rechnen, dass es längere Trockenheitsperioden geben wird und dann viel Regen innerhalb kurzer Zeit." Der Boden könne jedoch diese Menge nicht aufnehmen, wodurch der Niederschlag in die Gewässer fließe und damit für die Region verloren gehe. Um den Grundwasserspiegel zu erhöhen, wäre "Landregen, also möglichst gleichmäßiger, nicht zu intensiver Niederschlag, ideal", erklärte Angelmaier. Weiters bräuchte es auch Schneelagen, die aber generell weniger werden.

Private Ausbaggerungen

Als Maßnahme gegen die Trockenheit wird in Niederösterreich auf Regenwassermanagement gesetzt. Unter dem Motto "Den Regentropfen halten, wo er fällt" analysieren beispielsweise Gemeinden, wie sie auch im verbauten Bereich mehr Wasser halten können. Auch im Agrarbereich kann die Bewirtschaftung angepasst werden, damit es zu weniger Erosion kommt.

In Wiener Neustadt haben private Seenbesitzer nun zum Teil Ausbaggerungen in Auftrag gegeben. "Dies ist im Prinzip die einzige Möglichkeit, die Situation zu verbessern, was aber natürlich am extrem niedrigen Grundwasserstand nichts ändert", hieß es vonseiten des Rathauses. Für ein stabiles Ökosystem in den Schotterteichen seien drei Meter Tiefe nötig, sonst leide die Wasserqualität, erläuterte Angelmaier zu von der Wasserrechtsbehörde seit längerem aufgetragenen Baggerarbeiten.

Für die Trinkwasserversorgung ist der aktuell niedrige Grundwasserspiegel indes kein Problem, hieß es. Die entsprechenden Brunnen sind viel tiefer gegraben, teilte etwa das Wiener Neustädter Rathaus mit.