Atemberaubende Akrobatik, märchenhafte Kostüme und sphärische Musik: Der Cirque du Soleil ist wieder in Wien. Jahr um Jahr und Monat um Monat war die Österreich-Premiere von "Corteo" pandemiebedingt verschoben worden. Nach zwei Jahren war es am Mittwoch schließlich so weit und die internationale Künstlertruppe unter kanadischer Schirmherrschaft spielte in der Stadthalle auf.

"Corteo" erzählt die Geschichte eines sterbenden italienischen Clowns. Bevor er von den Engeln fliegen lernt und mit ihnen in Richtung Himmel abzieht, sieht er noch einmal sein Leben vorbeiziehen: Wilde Bettenschlachten als Kind, bei denen jeder Bodenturner Augen machen würde, oder humoristische Spielplatzstreitereien. Der rote Faden dieser Geschichte verfranst zwar immer mehr, je näher man dem Ende der Vorstellung rückt, doch der Clown als Träger der Erzählung ist stets präsent und führt durch die Show.

Corteo wirkt wie eine Hommage an Gaukler und Harlekine von früher. Es wird hinter dem Kopf gefiedelt und mit Wassergläsern musiziert. Keulen werden jongliert und auf einer Leiter balanciert. Daneben bietet "Corteo" aber noch genug Platz für die gewohnt außergewöhnliche Akrobatik. Etwa eine Pole-Dancerin, deren Stange teils in der Luft schwebt, oder Artisten die in Metallreifen wild über die Bühne fetzen. Alles souverän ausgeführt.

Schreckmoment

Für kurzen Schrecken sorgte lediglich der Publikumsschlager, bei dem eine Artistin an überdimensionalen Heliumballonen im Saal schwebt und von den Zuschauern quer durch diesen weitergestupst wird. In einem Anfall von Überschwang katapultierte einer der Beteiligten die Frau fast an die Decke und gegen den von dieser hängenden Luster.

Im Vergleich zu anderen Shows des Cirque du Soleil ist "Corteo" eine - im wörtlichen Sinne - abgeschminkte Aufführung. Bei aller Wahrung der gewohnt fantastischen Elemente des Zirkus wird auf übertriebene Maskenbildung, die etwa bei "Alegria" absichtlich ins Groteske geht, verzichtet.

Der Cirque du Soleil garantiert stets ein Spektakel, das bei den Zuschauern für heruntergeklappte Kinnladen sorgt. "Corteo" ist dabei keine Ausnahme. Wegen des großen Andrangs gibt es eine zusätzliche Aufführung, womit der Zirkus noch bis 29. September in Wien gastiert. Restkarten sind noch erhältlich. Wer keine mehr ergattern kann, muss nicht allzu lange auf eine weitere Chance warten. Bereits kommenden April kommt der Cirque du Soleil mit der Zeltshow "Luzia" nach St. Marx. Der Kartenvorverkauf startet heute, Freitag.