Mit dem Inkrafttreten der Novelle der Straßenverkehrsordnung können Radfahrer ab Samstag bei bestimmten Kreuzungen auch bei Rot rechts abbiegen. Welche Kreuzungen dies sein und mit entsprechenden Zusatztafeln versehen werden, bestimmen die einzelnen Bundesländer. Dementsprechend unterschiedlich ist auch die erste Umsetzung.

In Wien wird die neue Regelung vorerst an zehn Kreuzungen umgesetzt, wie Verkehrsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) am Freitag mitteilte. Die Örtlichkeiten werden im Laufe des Oktobers verordnet. An den Ampeln werden entsprechende Schilder aufgehängt. In Wien wurden vor allem Bereiche ausgewählt, wo vor und nach dem Abbiegen Radverkehrsanlagen vorhanden sind - man also etwa von einem Radweg in einen anderen abbiegt. Damit werde verhindert, dass Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmen entstehen, hieß es.

Weitere Ampeln könnten demnächst folgen. Denn zusätzliche acht Örtlichkeiten wurden laut Stadt für eine Untersuchung des Bundesministeriums für Klimaschutz nominiert. Das Abbiegen könne dort aber erst nach Abschluss der Erhebung ermöglicht werden, betonte man.

20 Kreuzungen in Linz

In Oberösterreich gibt es nur in Linz entsprechende Vorhaben, hier allerdings gleich etliche: An der Kreuzung Landstraße/Bürgerstraße dürfen Radfahrer ab Samstag auch bei Rot rechts abbiegen. Eine entsprechende Zusatztafel wurde am Freitag angebracht. Um die 20 Linzer Kreuzungen sollen demnächst folgen, kündigte Verkehrsreferent Vizebürgermeister Martin Hajart (ÖVP) an.

Infrage kommen demnach u.a. auch die Kreuzungen Mozartstraße/Fadingerstraße und Goethestraße/Schubertstraße. Die zuständige Abteilung beim Magistrat erarbeite derzeit eine Prioritätenliste. Über diese 20 Kreuzungen hinaus könnten später noch weitere hinzukommen, so Hajart.

Rest abwartend

Im Burgenland wird noch geprüft, bei wie vielen und welchen Ampeln Radfahrer künftig bei Rot abbiegen dürfen. Es werde dazu auch noch Gespräche mit Experten und den anderen Ländern geben, hieß es aus dem Büro von Verkehrslandesrat Heinrich Dorner (SPÖ).

In Niederösterreich ist laut Landeshauptmann-Stv. Franz Schnabl (SPÖ) vorerst nicht absehbar, bei welchen Ampeln ein Abbiegen bei Rot ermöglicht wird. "Dies bedarf einer gründlichen Prüfung des Vorhabens".

In Salzburg verwies das Land auf die jeweiligen Bezirksverwaltungsbehörden. In der Landeshauptstadt etwa, wo traditionell viele Menschen Rad fahren, hat sich das Verkehrs- und Straßenrechtsamt noch wenig mit der Frage beschäftigt, welche Ampeln für das Rotabbiegen in Frage kommen. "Wir stehen erst in den Startlöchern", sagte ein Jurist aus dem Amt.

Aus dem Büro des steirischen Landeshauptmann-Stv. und Verkehrslandesrats Anton Lang (SPÖ) heißt es, dass es in der Steiermark noch keine Verordnung gibt. "Grund dafür ist, dass das Bundesministerium das Kuratorium für Verkehrssicherheit beauftragt hat, eine Richtlinie für Radfahrer zu diesem Thema zu erarbeiten. In der Steiermark wird diese Richtlinie im Hinblick auf die Verkehrssicherheit abgewartet."

In Kärnten werden von den Bezirkshauptmannschaften und Magistraten vorerst keine Verordnungen erlassen, wonach es Radfahrern an bestimmten Ampeln erlaubt wird, trotz Rotlichts rechts abzubiegen.

Konfliktpotenzial

Am Freitag hieß es aus dem Büro des zuständigen Landesrats Sebastian Schuschnig (ÖVP), dass die Regelung aus Sicht der Landesverwaltung Konfliktpotenzial im Straßenverkehr habe - wie auch im Begutachtungsverfahren kundgetan. Man wolle abwarten, ob sich die Neuregelung in anderen Bundesländern bewährt. Vorarlberg begrüße die neuen Möglichkeiten sehr, die die StVO-Novelle für den Rad- und Fußverkehr biete, so Mobilitätslandesrat Daniel Zadra (Grüne). Das Rad sei hierzulande längst Alltagsverkehrsmittel. Als "Meilenstein" sah Zadra, dass Eltern neben ihren Kindern radeln dürften. "Dies ist für die Sicherheit der Kinder und das Nervenkostüm der Eltern eine große Verbesserung."

In Vorarlberg prüfe man , welche Ampeln beziehungsweise Kreuzungen sich für das Geradeausfahren bei Rot eignen. Von Gemeinden und Planungsregionen gebe es schon ganz konkrete erste Wünsche. Auch die Sicherheit der Fußgänger bei querenden Schutzwegen soll dabei berücksichtigt werden. Erste Pilotkreuzungen würden möglichst noch 2022 umgesetzt.

Tirol will die Untersuchungen und Bewertungen für die neuen Möglichkeiten dann final abschließen, wenn die Novelle in Kraft ist. Erst dann könne beantwortet werden, ob und welche Ampeln, allen voran im städtischen Verkehr, dafür in Frage kommen könnten.