Ein Bericht in dieser Rubrik über spektakuläre Wiener Gauner haben den aufmerksamen Leser Martin O. aus Wien-Mariahilf auf den Plan gerufen: Es habe ja schließlich nicht nur Udo Proksch oder den "Roten Heinzi" Bachheimer gegeben. O wollte wissen, was aus einer anderen Gaunergröße, dem "Pumpgun-Ronny" geworden sei. Herrn Martin kann hier gerne nachgeholfen werden.

Also "Pumpgun-Ronny" hieß eigentlich Johann Kastenberger und wurde 1958 geboren. Autor Beppo Beyerl, der in seinem Buch "Böse Buben von Wien" im Styria-Verlag den Lebensläufen bekannter Wiener Strizzis nachging, schreibt über Kastenbergers Hintergrund: "Er erhielt den Namen seiner Mutter, da deren Mann nach einem Vaterschaftstest als Vater nicht in Frage kam und die Familie verließ."

Der junge Johann nahm Gelegenheitsjobs an, um seine Familie durchzufüttern, scheiterte aber wiederholt. Das war auch in einer HTL und der Heeres-Nahkampfschule so, wo er sein Glück versuchte.

Aber Kastenberger hatte eine Super-Eigenschaft: Er konnte pfeilschnell rennen. Noch heute hält er den Streckenrekord beim Kainacher Bergmarathon (Höhenunterschied 1800 Meter): 1988 lief er dort 3 Stunden 16 Minuten und sieben Sekunden.

In die Langstrecken-Rennerei konnte er sich so richtig hineintigern. Das sollte ihm im Zuge seiner "Nebentätigkeit" als Bankräuber noch oft zu Gute kommen. Denn er kannte verzwickteste Gelände-Laufstrecken durch abgelegenste Wäldchen. Als 1987 immer wieder nach dem selben Muster heimische Banken überfallen wurden, verlor sich die Spur der Verfolger wiederholt auf dieselbe Weise: Das gestohlene Fluchtfahrzeug fand sich irgendwo am Beginn eines unwegsamen Geländes, wo der Täter dann das klassische "Fersengeld" vorgegeben hatte. Die Banken ausgeraubt hat immer ein Mann mit Ronald-Reagan-Maske. Er führte eine Repetierflinte mit glattem Lauf mit sich. So entstand der Name "Pumpgun-Ronny". In mehr als einem Dutzend Überfällen erbeutete er über sechs Millionen Schilling. Der "Ronny" lebte als biederer Herr Johann mit einer etwas älteren Freundin in Wien-Kaiser-Ebersdorf. Von ihr ließ er sich so richtig bemuttern und machte ganz brav auf Hausmann. Auch die Nachbarschaft war vom umgänglichen, jungen Mann begeistert, der sich seelenvoll dem Laufsport hingab und angeblich große Fortune im Glücksspiel hatte.

Aber typische, dunkle Röhrenjeans auf Fahndungsmaterial brachten die genarrte Exekutive auf Herrn Johanns Spur. Ihm wurden letztlich auch noch Morde nachgewiesen. Am 12. November 1988 hatte er seinen großen Auftritt bei der Polizei: Aus der Zelle vorgeführt, sprang er aus dem Fenster, statt sein Geständnis abzulegen. "Ronny" landete auf einem Auto, gab Fersengeld und rannte, was das Zeug hielt.

Niemand holte ihn ein. Nach Tagen ging er der Polizei ins Netz: Er hatte fataler Weise einmal statt der Laufschuhe auf ein Fluchtauto gesetzt. Nachdem er spektakulär eine Polizeisperre durchbrochen hatte, schoß er sich in den Kopf. Heute scheint der pfeilschnelle "Ronny" vergessen zu sein.