Die Wiener Bildungsdirektion hat am Freitag bekannt gegeben, in der Causa um Missbrauchsvorwürfe rund um einen Sportlehrer an einer Wiener Mittelschule zwei Sachverhaltsdarstellungen an die Staatsanwaltschaft zu übermitteln. Am Donnerstag kündigte das Amt eine derartige Mitteilung an, nachdem Beschwerden über Fotoaufnahmen in einer Sauna im Rahmen eines Skikurses bekannt geworden waren, bei der zweiten geht es hingegen um eine Lesenacht in der Schule selbst.

Beim besagten Skikurs in Salzburg soll der 2019 verstorbene Sportlehrer mit Schülern in die Sauna gegangen sein und dabei Fotos angefertigt haben, die dann auf USB-Sticks die Runde machten. Infolge hätten einige Eltern Kenntnis von diesen Fotos bekommen haben - auf deren Beschwerden soll seitens der Schulleitung nicht reagiert worden sein. "Der Kommission liegen substanzielle Hinweise dafür vor, dass es im Rahmen einer Skiwoche zu einem inakzeptablen und eventuell auch rechtswidrigen Fehlverhalten gekommen ist. Ob und welche weiteren Personen dabei eventuell involviert waren, ist noch Gegenstand der Untersuchungen", wiederholte die Bildungsdirektion ihre gestrige Aussage in einer schriftlichen Mitteilung.

Mehr als zwei Dutzend Buben dürften Opfer gewesen sein

Die zweite Sachverhaltsdarstellung bezieht sich auf eine in der Vorwoche bekannt gewordene Lesenacht in der Schule, die von dem besagten Pädagogen 2009 inklusive Übernachtung organisiert worden war. Laut Angaben eines Opfers soll es dabei zu Übergriffen gekommen sein. In einer schriftlichen Mitteilung der Bildungsdirektion hieß es, dass der Verdacht im Raum stehe, "dass es zu einer Verletzung der Aufsichtspflicht bei einer Lesenacht in der Schule gekommen ist" - weitere Details zu den Inhalten der beiden Mitteilungen an die Staatsanwaltschaft werden dazu vorläufig nicht veröffentlicht werden, um etwaige Ermittlungen in diesem Zusammenhang nicht zu gefährden, hieß es.

Der Sportlehrer, der mehr als zwei Dutzend Buben im Alter von neun bis 14 Jahren missbraucht haben dürfte und womöglich zwei Mittäter hatte, war als pragmatisierter Pädagoge bis zu seinem Selbstmord im Mai 2019 an der Bildungsstätte tätig. Die Erhebungen einer eigens eingesetzten Untersuchungskommission wurden inzwischen ausgeweitet, wie der APA bereits am Donnerstagabend mitgeteilt wurde.

Untersuchungskommission nimmt Vorgänge seit 1996 unter die Lupe

Die Kommission, die aus Mitgliedern der Bildungsdirektion, der Kinder- und Jugendanwaltschaft (KJA) und der Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Wien besteht, wird nun auch Meldungen über allfällige übergriffige Vorgänge an der Schule ab 1996 untersuchen - seit diesem Jahr war der Sportlehrer an besagter Schule tätig. Folglich werden nun auch Briefe an ehemalige Schülerinnen und Schüler aller Jahrgänge bis 1996 verschickt. Zuletzt hatten sich die Briefe auf Absolventen der Jahrgänge bis 2004 beschränkt.

Darüber hinaus erneuert die Bildungsdirektion für Wien den Aufruf, dass sich Betroffene und alle, die zweckdienliche Hinweise zur Aufklärung dieser Vorfälle haben, bitte direkt an die Kommission wenden mögen, damit diese den Vorwürfen gezielt nachgehen kann. Die Kontakt-E-Mail-Adresse dafür lautet kommission@bildung-wien.gv.at. (apa)