Die Box mit den Exemplaren der Gratis-Zeitung, die den Wiener Linien mehr Müll beschert, ist ziemlich voll. Die Süßwaren-Werbung ist von einem Sprayer verunziert worden. Ein Hinweis, dass die Straßenbahnlinie 43 ab dem heutigen Donnerstag nach dem Ende der Herbstferien der Schüler in längeren Intervallen verkehren wird, ist bei der Haltestelle Vorortelinie bei der Schnellbahnstation Hernals einen Tag davor nicht zu sehen. Eine Frau hat davon auch so noch nichts gehört. "Keine Ahnung", schildert die junge Mutter, "finde ich ziemlich blöd, weil der 43er ist eh immer so voll."

Bei elf von 28 Straßenbahnlinien, darunter eben bei der Linie 43 von Dornbach zum Schottentor, sowie bei neun von 131 Buslinien kommt es laut Wiener Linien mit Ausnahme der Spitzenzeiten am Morgen zu längeren Intervallen. Diese werden von Montag bis Samstag um 15 bis maximal 40 Sekunden ausgedehnt und der Fahrplan damit geändert. In den Stationen gebe es keine Extra-Information, weil in den Aushängen ohnehin über einen Spielraum von vier bis sechs Minuten bei den Intervallen informiert werde, heißt es bei den Wiener Linien.

Grund ist der Personalmangel. Ähnlich wie bei der Polizei gehen viele Mitarbeiter in Pension. Trotz intensiver Suche gibt es zu wenig Nachwuchs. Rund 100 Straßenbahnfahrer und 90 Busfahrer sind in Ausbildung. Die U-Bahn ist von der Änderung nicht betroffen.

"I woat auf die Bim, aber sie kummt net, kummt net", frei nach dem Taxi-Hit der 1980er-Jahre: Das möchten die Wiener Linien vermeiden. Statt kurzfristige Ausfälle und damit viel längere Wartezeiten zu riskieren, soll die längeren Intervalle den Fahrgästen Planungssicherheit bieten.

Zwischen "finde ich blöd" und "nicht so schlimm"

Die Fahrgäste nehmen, von der "Wiener Zeitung" in Hernals naturgemäß nicht repräsentativ befragt, drohende längere Wartezeiten unterschiedlich auf. Was die Mutter mit ihrem Sohn "blöd" findet, lässt einen jüngeren Mann in der Novembersonne kalt: "Finde ich nicht so schlimm." Er hat auch medial schon mitbekommen, dass diese Maßnahme ab diesem Donnerstag zu Tragen kommt.

Eine dreifache Mutter, die schon am Mittwoch laut Anzeigentafel acht Minuten auf die nächste Garnitur des 43er warten muss, ist hingegen ziemlich sauer: "Grundsätzlich finde ich das nicht lässig." Vor allem müssten ihre Kinder nicht nur zur Morgenspitze mit der Straßenbahn zur Schule fahren, sondern im Laufe des Tages dann auch wieder heim.

Die Wiener Linien verweisen darauf, betroffen von längeren Intervallen seien Linien, auf denen es "noch freie Kapazitäten" gebe. Parallel dazu gibt es Appelle, dass sich weiter Bewerberinnen und Bewerber melden sollen.