Fassungslosigkeit herrscht auch noch vier Tage nach dem Bekanntwerden der Vergewaltigung einer 11- und einer 14-Jährigen in Meidling. Die Frage, wie es dazu kommen hat können, beschäftigt nicht nur Ermittler. Noch dazu hat sich das Verbrechen im Rahmen eines Drogenkaufs der Mädchen ereignet. Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt die Tatsache, dass die beiden in einer betreuten Wohngemeinschaft der Stadt Wien (MA11 - Wiener Kinder- und Jugendhilfe) untergebracht sind.

Eine Vernachlässigung der Aufsichtspflicht liegt aus Sicht der MA11 nicht vor. "Aber wir prüfen das natürlich", hieß es von der Behörde. Eine interne Untersuchung ist bereits in die Wege geleitet.

In diesen Wohngemeinschaften leben typischerweise acht Kinder und Jugendliche in engmaschiger Fürsorge. Zehn Betreuer kümmern sich abwechselnd um die Bewohner, mindestens zwei davon sind vor Ort anwesend. Unterstützung gibt es von Aushelfern wie Zivildienern oder Menschen, die das soziale Jahr machen. Hinzu kommen Visiten von Sozialpädagogen und Psychotherapeuten.

Üblicherweise landen hier Kinder und Jugendliche, deren Wohl massiv gefährdet war - sei es durch Gewalt, sei es durch Vernachlässigung - und deren Obsorge auch nicht von der Familie aufgefangen werden konnte. "Wir versuchen, das Leben so wie in Familien anderer Kinder aufrechtzuhalten", erklärt man in der MA11. Frühstück, Schule, Abendessen und daneben die gesundheitliche Betreuung. Alles soll so normal wie unter den Umständen möglich ablaufen. Das bedeutet natürlich auch, dass die Kinder Freizeit haben, Freunde besuchen und einkaufen gehen dürfen.

Da stellt sich die Frage, ob es vielleicht zu viel Freiheit war, die den Mädchen eingeräumt wurde. "Außer bei Selbst- oder Fremdgefährdung ist es rein gesetzlich gar nicht erlaubt, die Kinder und Jugendlichen in einer geschlossenen Einrichtung unterzubringen. Internationale Studien und unsere eigene Erfahrung zeigen auch, dass das gar nicht zielführend ist", erklärt eine Sprecherin der MA11.

Die Mädchen hatten laut Auskunft der MA11 am Nachmittag die Schule geschwänzt, als es zu den Verbrechen kam. Laut Polizei waren sie zur Wohnung eines 18-Jährigen gefahren, um Drogen zu kaufen. Bei diesem hatten sie bereits am Vortag Ecstasy-Tabletten erhalten und konsumiert. In der Wohnung befand sich auch ein 17-Jähriger. Zunächst kam es zwischen der 14-Jährigen und dem 17-Jährigen zu freiwilligem Geschlechtsverkehr, doch dann zwang der Bursche das Mädchen zu weiteren sexuellen Handlungen. Die 11-Jährige wurde unterdessen von dem 18-Jährigen brutal vergewaltigt und schwer sexuell missbraucht.

Bei der Opposition fordert man nun Konsequenzen. "Die Kinder, in der Obhut der MA11, haben unbemerkt Drogen konsumiert und wurden beim letzten Kauf in einer fremden Wohnung sogar vergewaltigt. Wer trägt hier die Verantwortung?", so der Landesparteiobmann der Wiener Volkspartei, Stadtrat Karl Mahrer. Auch bei dem Drogendealer und den Vergewaltigern handle es sich um nicht gelöste Gewaltprobleme in der Stadt und bei Migranten in Wien.