Klimaaktivistinnen und -aktivisten haben - wie bereits vor Längerem angekündigt - am Mittwoch unter dem Titel "Erde brennt" einen Hörsaal der Uni Wien besetzt. Die Aktivisten, die seit 13.00 Uhr den Hörsaal C1 im Alten AKH okkupieren, hatten für November die Besetzung von Unis und Schulen "auf der ganzen Welt" avisiert. In Österreich sollen demnach Aktionen in Wien, Salzburg und Innsbruck stattfinden.

"Wir fordern einen radikalen Systemwandel, um soziale Krisen, die Krise im Bildungsbereich und die Klimakrise zu überwinden", teilten die Aktivisten auf Twitter mit. Für 18.30 Uhr ist eine Diskussion mit Wissenschaftern angekündigt. Ziel der Besetzungen sei, "das fossile Wirtschaftssystem zu beenden". Man werde den normalen Alltag in Schulen und Universitäten stören, "weil wir nicht länger so tun können, als sei die Normalität in Ordnung". Es sei ihre Pflicht, als junge Menschen zu kämpfen.

Am Nachmittag waren rund 150 bis 200 Personen im Hörsaal. Zum Teil waren sie mit Schlafsäcken ausgerüstet, außerdem wurde gedumpstertes Essen mitgebracht, das verkocht wurde. Man wollte solange bleiben, bis man mit dem Rektor gesprochen habe und dieser die Forderungen ernstnehme, so Amina Guggenbichler von "Erde brennt Wien" zur APA.

Mehr Geld für Hochschulen gefordert

Die Aktivisten haben einen Forderungskatalog mitgebracht - so verlangen sie konkret mehr Geld für Hochschulen, das Aus für fossile Energieträger und eine Steuer auf Vermögen und Übergewinne. Allerdings sollen die Forderungen nun mit den dazugekommenen Personen diskutiert und eventuell adaptiert werden. Was dann beschlossen werde, soll in die Bildungsarbeit der Universität einfließen. Einen Zeithorizont für die Besetzung gebe es nicht: "Wir bleiben mal", so Guggenbichler. Man habe viel Energie und Sachen zum Lernen mitgebracht.

Die Uni teilte auf APA-Anfrage mit, dass man mit den Aktivisten und dem Sicherheitspersonal im Austausch stehe. "Die Rolle, gesellschaftlich relevante Themen zu behandeln und darauf aufmerksam zu machen, werden Studierende immer wieder einnehmen. Die Universität ist grundsätzlich ein Ort für gesellschaftlichen Diskurs und Austausch, die Fragen zur Klimakrise und der Erderwärmung zählen hier sicherlich dazu." Diese geteilten Anliegen sollten aber mit einem funktionierenden Universitätsbetrieb vereinbar sein. Vorerst sind sie das nicht: Heute entfallen die Lehrveranstaltungen im C1.

Unterstützung von ÖH

Unterstützung für die Besetzung kam von der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH): "Wir Studierende haben erkannt, dass die Gesellschaft radikal umlenken muss, wenn wir noch eine Zukunft haben wollen", hieß es in einer Aussendung. Die FPÖ forderte dagegen von Rektor Sebastian Schütze die umgehende Räumung des Hörsaals.

Auch an der Innsbrucker Universität fanden sich gegen 17.00 Uhr rund 40 Personen in einem Hörsaal ein, um ihren Unmut zu zeigen. "Wir sind gekommen, um uns die Uni als unseren Raum zurückzuholen. Hier, wo wir eigentlich auf unsere Zukunft vorbereitet werden sollen, werden die Krisen unsrer Zeit tagtäglich ignoriert. Wir wollen das nun ändern", sagte Luca Moser von der Initiative "Erde brennt Innsbruck" laut Medienberichten. Man wolle diesbezüglich auch in Kontakt mit der Universität treten. Während der Besetzung soll ein Forderungskatalog an Universität und Politik ausgearbeitet werden, hieß es.

Mit dem Titel "Erde brennt" versuchen die Aktivisten Erinnerungen an die "Uni Brennt"-Bewegung hervorzurufen. 2009 besetzten Studierende von Ende Oktober bis kurz vor Weihnachten unter anderem das Audimax der Uni Wien. (apa)