In der Wiege zwischen Schottengasse und Mölkerbastei befindet sich das Wiener Traditionsrestaurant Leupold. Namensgebend waren Dkfm. Robert Leupold und seine Gattin Ingeborg, die 1952 eben dieses gründeten. Beide entstammten Gastronomiefamilien und übernahmen an der Örtlichkeit das schon bestehende Lokal Mitzko, das sie umbauten und mit neuem Namen schließlich zu seiner bis heute anhaltenden Erfolgsgeschichte führten. Da gibt es allerdings auch noch den Namen Kupferdachl, der schon mancherorts für Verwirrung sorgte. Denn viele wissen nicht, dass selbiger lediglich einen früheren Restaurantbereich im Leupold bezeichnet. Dieser entstand 1966 im Souterrain und hatte seine eigene, gehobenere Speisekarte. Das Kupferdachl erhielt seinen Namen vom zweiten Restauranteingang in der Mölkerbastei, der von einem kleinen Kupferdach verziert wird und bis heute besteht.

Der Staatsvertrag
und die Prominenz

Das Leupold verfügt über eine reichhaltige wie klassische Wiener Speisekarte, wobei sich das originale Wiener Schnitzel vom Kalb eindeutig zum Verkaufsschlager mauserte. Von diesem werden am Wochenende schon einmal gut 200 Stück an den Gast gebracht. Reichhaltig ist auch das räumliche Angebot. Mit über 300 Verabreichungsplätzen im Inneren und knapp 200 Sitzplätzen in zwei getrennten Gastgärten ist das Lokal definitiv winter- und sommertauglich. Wer so viele Gäste bewirtet, braucht natürlich auch dementsprechend viel Personal. So ist an starken Tagen schon mal eine zehnköpfige Belegschaft in der Küche wobei bis zu 13 Servicemitarbeiter für die flüssige Bedienung und Getränke sorgen.

Der gute Ruf des Restaurants und seine örtliche Nähe werden wohl auch dafür verantwortlich gewesen sein, dass Bundeskanzler Raab den geschichtsträchtigen Abschluss des österreichischen Staatsvertrages anschließend im Leupold ausgiebig feierte. Auch sonst tummelt sich dieserorts immer wieder Prominenz, welche die vorzügliche Küche genauso schätzt wie die ihr stets entgegengebrachte Diskretion. So waren Helmut Zilk, Bruno Kreisky und auch bekannte Sportler wie Thomas Muster oder Alexander Antonitsch immerwährende Stammgäste.

In bestimmten Kreisen kennt man das Innenstadtlokal auch als ehemals beliebten Treff für ausländische Geheimdienste, die von der guten Küche wie von der zentralen Lage offenbar angetan waren. Als Anekdote sei auch noch der Jazzclub Mausefalle erwähnt, der im Souterrain regelmäßig von Kellner Fritz betrieben wurde und sein ganz eigenes Stammpublikum hatte.

Sohn Harald und Schwester Susanne übernahmen 1990 schließlich den Betrieb und man entschied sich gegen die Fortführung der "Doppelgleisigkeit" von zwei getrennten Speisekarten.

Ausbildungsstandort
fest in Familienhand

Vielmehr wurden die angebotenen Speisen bodenständiger, es werden seitdem Montag bis Sonntag auch jeweils drei Tagesteller angeboten, einer davon immer vegetarisch. Im Untergeschoß unterteilen sich die Räume nach wie vor in Veranstaltungsraum und Kupferdachl, im Erdgeschoß in Schankraum, Teller-, Hopfen- und Goblinstüberl. Allesamt von Mutter Ingeborg kreiert, Letzteres sogar mit eigens angefertigten Goblins geschmückt. Eng mit dem Leupold als Bewirtungsstätte ist auch der Ausbildungsstandort verbunden. So haben schon hunderte Koch- und Kellnerlehrlinge ihre Ausbildung hier absolviert und sind dem Lokal meist danach viele Jahre als Arbeitnehmer treu geblieben.

Herausragend ist dabei mit Sicherheit der bereits in Pension befindliche Ober Gerhard, der im Leupold gelernt hat und nach wie vor seine "eigenen" Gäste am Samstag im Tellerstüberl bedient. 1994 gab es für das Engagement und 300 ausgebildete Lehrlinge schließlich auch eine staatliche Auszeichnung vom Wirtschaftsministerium. Dieses Jahr vollzog sich wieder ein Generationenwechsel in der Chefetage. Ab nun leiten die jüngste Tochter Désirée und Nichte Tiffany das operative Geschäft.

Großartige Änderungen stehen nicht an, schließlich ist das Leupold nach wie vor sehr gut besucht und man wird lediglich das Souterrain einer Erneuerung unterziehen. Dort ist aktuell gut Platz für 120 Personen bei Feierlichkeiten aller Art. Ansonsten hat das Traditionslokal wie gehabt von 10 bis 24 Uhr geöffnet, eine Pause gönnt sich die Belegschaft nur am 25. und 26. Dezember - so wie seit 1952 jedes Jahr.