Selten bis gar nicht wurde das Fluc am Praterstern so früh betreten wie diesen Donnerstag. Um 10 Uhr Vormittag bot der Szeneclub die Bühne für die Vorstellung der neuen Vienna Club Commission (VCC). Diese hat - kurz (und etwas verkürzt) zusammengefasst - eine Scharnier-Funktion und den Interessensausgleich zwischen Nachtgastronomie, deren Anrainern, Kulturschaffenden und der Verwaltung zur Aufgabe.

Bereits 2020 als Pilotprojekt gegründet, wurde die VCC heuer auf neue Beine gestellt. Im Juli gab Kulturstadträtin Veronika Kaup-Hasler (SPÖ) die Neubesetzung mit Martina Brunner und Thomas Heher als Co-Geschäftsführer bekannt, die mit ihrem Konzept überzeugt haben. Nach einer unmittelbar darauf erfolgten Interview-Anfrage der "Wiener Zeitung" bei der Geschäftsführung der VCC bat man um etwas Geduld. Nun, sechs Monate später, gab es nach der ersten Einarbeitungszeit die erste Möglichkeit Fragen zu stellen - bei der Pressekonferenz im Fluc.

Die VCC sieht sich als "One-Stop-Shop", der ein "breites Beratungsspektrum zu allen club- und veranstaltungsrelevanten Belangen" anbietet und verspricht "intensive Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit allen Zielgruppen". Wichtiger Zusatz von Co-Chefin Brunner: "Wir sind neutrale Ansprechpartner." Die VCC ist nicht im Eigentum der Stadt und hat auch keine wirtschaftlichen Verbindungen zur Clubszene.

300.000 Euro pro Jahr

Finanziert wird die Organisation freilich aus dem Stadtbudget. 300.000 Euro pro Jahr stehen für vorerst fünf Jahre zur Verfügung, erklärt Co-Chef Heher. Das Geld kommt nicht nur aus einem, sondern aus drei "Geschäftsbereichen" der Stadt: dem Kultur-, dem Wirtschafts- und dem Jugend-Ressort. Die ressortübergreifende Finanzierung darf durchaus als Novum gelten.

Die Aufgaben und Ziele der VCC sind breit gestreut. Hilfe beim Förderwesen für Clubs steht ebenso am Programm wie die Schaffung bespielter, öffentlicher Orte ohne Konsumzwang für die Jugend sowie internationaler Vernetzung und Etablierung international erfolgreicher Konzepte sowie die Expertise zu sämtlichen veranstaltungsrelevanten Themen. Unter www.viennaclubcommission.at sind sämtliche Angebote der VCC einsehbar.

Um die Community - also Veranstalter und Clubbetreiber - einzubinden, finden regelmäßig VCC-Sessions zu bestimmten Themen. Die erste ging im Herbst über die Bühne und beschäftigte sich unter dem Motto "Safer Party - Safer Nightlife" mit der Sicherheit im Wiener Nachtleben. Die bei der Session entstandene Fokusgruppe erarbeitete einen Fragebogen zum Thema, der Anfang 2023 als breit gestreute Umfrage starten soll. Die VCC erhofft sich dadurch neue Erkenntnisse über das Sicherheitsbedürfnis von Gästen, um herauszufinden, wo man die Hebel ansetzen kann. In Arbeit sind auch Workshops zur Infrastrukturförderung für Clubs und Veranstaltungen und die bereits erwähnte Clubkultur im öffentlichen Raum.

Szene-Knirschen

Kulturstadträtin Kaup-Hasler sieht in der auf neue finanzielle Beine gestellte VCC als "Reaktion der Stadt auf zivilgesellschaftliches Engagement von unten". Die Club- und Veranstaltungsszene samt aller ihrer Protagonisten (von den Betreibern über DJs, Beleuchtern, Tontechnikern bis hin zum Publikum) sei "Teil der kulturellen Landschaft, wesentlicher Faktor des kulturellen Schaffens und ein utopischer, gesellschaftspolitischer Ort". Diese Orte gelte es zu schützen. Christian Bartik, Leiter der Förderabteilung der Wirtschaftsagentur Wien, verweist auf die Unterstützung der Wiener Clubszene durch die Stadt in den wirtschaftlich äußerst schwierigen Pandemie-Jahren (Stichwort: Lockdown). "Wir haben während und nach der Pandemie unterstützt." Das werde man auch weiter tun, denn die "Nachtgastronomie ist ein unverzichtbarer Bestandteil einer weltoffenen, modernen Stadt".

Markus Ornig, Clubkultursprecher der Wiener Neos, weist auch auf die Teuerungswelle im Energiesektor hin, die vielen Betreibern Kopfzerbrechen bereite. Und, so Ornig: "Die Pandemie hat zwei Jahrgängen das Nachtleben verwehrt." Auch diese Jugendlichen gelte es für die Clubkultur zurückzugewinnen.

Nicht nur Betreiber und Besucher stehen im Fokus der VCC. Auch die Anrainer der Etablissements. Gedeihliches Zusammenleben geht eben nur miteinander. "Wir arbeiten hier mit der Gebietsbetreuung und der Wirtschaftskammer eng zusammen", erklärt Brunner vom VCC. Man werde auch versuchen, ergänzt ihr Partner Heher, bei etwaigen Lärmbeschwerden Anrainer in den Lösungsweg einzubinden. "Wir wollen die Leute an einen Tisch bringen und Lösungen finden. Wie sieht es mit Lärmschutz aus? Sind bauliche Maßnahmen im Club möglich? Oder kann man im Sommer auch mal bei geschlossenem Fenster schlafen?"

In Bewegung dürfte auch einiges in Sachen Open-Air-Veranstaltungen kommen, die manche Organisatoren als behördlichen "Spießrutenlauf" empfinden. "Wir machen erste Schritte, Flächen für niederschwellige Nutzung freizugeben", sagt Brunner. Man sei im Austausch mit mehreren Bezirken und hofft, bereits "in den nächsten Monaten" erste Lösungen zu präsentieren. Auch in diesem Bereich könne man auf internationale Beispiele zurückgreifen, die solche Projekte bereits erfolgreich umgesetzt haben.