Wo sind sie nur hin, die magischen Momente aus Kindertagen? Der erste Zaubertrick etwa oder das Öffnen der Tür, hinter der dann der fantastisch geschmückte Christbaum erstrahlt. - So mancher abgebrühter Erwachsener sehnt sich nach diesem Zauber aus vergangenen Tagen. Die Chance, dieses Verlangen zu stillen, bietet sich, wenn der Cirque du Soleil in die Stadt kommt.

"Luzia" gehört mit zum Besten, das die kanadische Truppe je produziert hat. Die Show sorgt bei Klein und Groß für aufgerissene Augen und offene Münder - sei es schon wegen der beeindruckenden Artistik oder dem Cirque-typischen opulenten Bühnenbild. Uraufgeführt 2016, wird "Luzia" im April erstmals auch in Wien zu sehen sein.

Fantastische mexikanische Welt ohne Klischees

"Luzia" schafft eine fantastische mexikanische Welt. Das Programm, an dessen Entstehung auch Mexikaner maßgeblich beteiligt waren, vermeidet aber Klischees und Kitsch. Hier gibt es keine lächerlich überladene Überlagerung von grellen Farben, keine Mariachis. Stattdessen wechseln einander in den Bühnenbildern sanfte Farben ab. Begleitet wird das Ganze von einer Sängerin, die mitreißend-berührenden Lieder zum Besten gibt. Zentrales Element ist eine Art überdimensionaler Wasserteppich, der in der Mitte der Bühne von der Decke herabplätschert. Durch gezieltes Öffnen und Verschließen der unzähligen Düsen entstehen Muster, Gestalten und Zeichnungen, in die die Artisten eintauchen.

Über weite Strecken punktet "Luzia" mit vertrauten Kunststücken, die aber stets mit dem gewissen Extra gewürzt sind. Das Springen durch Ringe beispielsweise. Grundsätzlich ist das Ganze so beeindruckend wie bekannt. Doch bei "Luzia" gibt es hier noch zusätzlich ein Laufband gegen oder mit dessen Laufrichtung die Artisten ihre Kunststücke in Angriff nehmen müssen. Dann ist da wiederum dieses von der Decke hängende Seil, an dem einer herumturnt. Mal wickelt er sich wie ein Rollschinken darin ein, mal wickelt er sich unter den Augen des atemlosen Publikums in Windeseile wieder daraus aus. Bei Luzia befindet sich direkt unter dem Seil aber noch ein Pool, in den der Artist eintaucht und mit Herumspritzerei noch für den besonderen Effekt sorgt.

Das absolute artistische Highlight ist jedoch der Schlangenmensch. Hier bekommt man Lust, die Anatomie des Menschen neu zu schreiben. Denn wüsste man nicht, dass dieses kostümierte Wesen ein Mann ist, könnte man meinen, dass in dem bunten Stoff ein Wirbelloses steckt.

Aber es muss nicht immer außergewöhnliche Artistik sein, die für Staunen sorgt. Bei einer Feierszene am Ende der Aufführung hören die Menschen auf einmal auf, sich zu bewegen. Und so entsteht auf der sich drehenden Bühne ein Bild, das wie ein 3D-Rembrandt wirkt.

Der Vorverkauf hat bereits begonnen. Für viele der im April startenden Aufführungen sind die besten Karten bereits ausverkauft.