In Österreich ist die Vielfalt am Arbeitsplatz ein wichtiger Faktor. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das Beratungsunternehmen PwC Österreich  gemeinsam mit der Kommunikationsagentur Ketchum durchgeführt hat. In Wien gaben 56 Prozent der Befragten an, dass der Einsatz eines Unternehmens für Vielfalt ein entscheidender Faktor bei der Arbeitssuche ist. Die "Wiener Zeitung" hat mit der Chefin der Abteilung für Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion bei Ketchum über die Studie gesprochen.

Eigentlich sollte jeder Mensch die gleichen Chancen haben, in der Karriere voranzukommen und in eine Führungsposition zu gelangen, sagt Manisha Joshi. - © Mila Zytka
Eigentlich sollte jeder Mensch die gleichen Chancen haben, in der Karriere voranzukommen und in eine Führungsposition zu gelangen, sagt Manisha Joshi. - © Mila Zytka

"Wiener Zeitung":Divers ist ein sehr weiter Begriff. Was verstehen Sie darunter?

Manisha Joshi: Alle Facetten des "Andersseins". Mein Anspruch ist es, dass es möglich sein muss, für alle Menschen - unabhängig vom Geschlecht, Alter, Herkunft, Ausbildung, Hautfarbe, sozialer Herkunft, Sexualität oder Identität - einen Raum zu schaffen, in der ihre Stimme nicht nur gehört wird, sondern auch Entscheidungsmacht hat.

Jetzt sind in Ihrer Studie auch Frauen dabei. Die sind ja an sich die Norm. Wie passen die da rein?

Mich stört es auch immer, wenn Frauen als Minderheit bezeichnet werden und zum Beispiel Menschen mit speziellen Bedürfnissen gleichgestellt werden. Frauen machen mehr als die Hälfte unserer Bevölkerung aus - werden aber noch immer aufgrund von diskriminierenden Strukturen unterrepräsentiert. Gerade wenn es um Führungspositionen geht, sind sie nach wie vor eine Minderheit. Daher war es wichtig, Frauen in diese Studie mitaufzunehmen. Es geht ja letztlich darum, dass alle Menschen die gleichen Chancen haben sollen.

In Ihrer Studie ist genau das der schwächste Punkt: Nur 41 Prozent der Wiener finden, dass man Frauen in Führungspositionen über eine Quote fördern soll. Ist es den Menschen egal, ob Frauen in Führungspositionen sind?

Ich denke nicht, dass es den Menschen egal ist. "Quote" ist ein sehr emotionalisiertes Thema. Der Begriff ist in der Gesellschaft negativ behaftet. Quote ist etwas, das nicht notwendig sein dürfte. Leider ist sie das aber. Eigentlich sollte jeder Mensch die gleichen Chancen haben, in der Karriere voranzukommen und in eine Führungsposition zu gelangen. In Österreich ist das aber eine Utopie. In der Führungsebene ist die Normalität weiterhin das klassische Bild des älteren weißen Mannes. Da braucht es andere Vorbilder. Die Quote ist dafür nicht die beste Lösung, aber es ist ein notwendiger Schritt, um der Lösung näher zu kommen.

Laut Ihrer Studie ist für die große Mehrheit der Wiener eine klare Positionierung für Vielfalt am Arbeitsplatz ein wichtiges Kriterium bei der Jobwahl. Wie ist das zu verstehen? Überprüfen die Jobsuchenden, ob es Vielfalt in einem Unternehmen gibt und bewerben sich dann nicht, wenn das nicht der Fall ist?

Es geht weniger um einen Ausschlussgrund, als um Attraktivität. Die Umfrage zeigt, dass es den Menschen einfach wichtig ist, dass klare Werte und Positionen vertreten werden. Vor allem der Jugend ist das sehr wichtig. Wenn ich mich als Unternehmen klar für nicht weiße Menschen positioniere, für Menschen mit besonderen Bedürfnissen oder für LGBTQ+, dann ist das auch ein Unternehmen, für das die Menschen arbeiten wollen. Gerade wenn es darum geht, junge Talente anzuziehen, ist Diversity Management von einem "nett zu haben" zu einem "musst du haben" geworden.

Wie und wo ist das in einer Firma anzusiedeln? Braucht man da einen eigenen Diversity-Manager?

Diversity Management ist ein strategischer Ansatz. Es muss jetzt nicht gerade die Geschäftsführung sein, die auch gleichzeitig Diversity-Managerin ist. Es sollte aber auf jeden Fall auf Führungsebene angesetzt werden, damit es hier auch klare Entscheidungen geben kann. Wer auch immer sich dem Thema widmet, sollte dafür auch entsprechende Anerkennung in Form von zeitlichen und finanziellen Ressourcen erhalten.

Wie sind Ihre persönlichen Erfahrungen mit Rassismus?

Als einziges nicht weißes Kind in einem Dorf aufzuwachsen, prägt natürlich. Als Erwachsene habe ich dann in früheren Berufen das Feedback bekommen, zu anders zu sein. Ich wurde und werde im Beruf oft auf Englisch angesprochen oder werde gefragt, warum ich so gut Deutsch kann - auch das prägt. Mittlerweile bin ich stolz darauf, anders zu sein. Dieses Anderssein macht auch meine Karriere aus. Das ist ein Selbstbewusstsein, das ich anderen Menschen, die nicht der "Norm" entsprechen, gerne vermitteln will: Das man wegen dem - und nicht trotz dem - "Andersein" weiterkommt.

Sie leben jetzt in Wien. Wie ist hier die Situation? Da ist ja jeder Zweite nicht in Österreich geboren.

Es gibt natürlich ein Stadt-Land-Gefälle, genauso wie es ein Altersgefälle gibt. Ja, Wien ist divers, spannend wird es aber, wenn wir uns die Schichten anschauen. Gerade, wenn wir zur Führungsebene bis hin zur Geschäftsführung kommen, dann nimmt auch in Wien die Diversität ganz schnell ab. Wenn wir hier etwas bewegen wollen, dann müssen sich Unternehmen und deren Führungskräfte aktiv dafür entscheiden, diverser werden zu wollen.