Silvester ist die Horrornacht für alle Haustiere - die Knallerei bedeutet aber auch eine Belastung für die Wildtiere und sie belastet auch Kinder, ältere Menschen sowie auch die Umwelt und das Klima. "Zu Silvester sollte deshalb auf jede Art von Knallerei verzichtet werden", erklärte Wiens Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky am Mittwoch.

Dabei gibt es ohnehin innerhalb der Stadtgrenzen ein Verbot von Knallern, Feuerwerksraketen und anderer Pyrotechnik. Und das aus gutem Grund: "Feuerwerkskörper setzen Luftschadstoffe wie Feinstaub, Schwefel-, Stickstoffoxide und Schwermetalle in großer Menge frei. Laute Kracher können Menschen und Tieren Stress bereiten und zurück bleibt vom kurzen Vergnügen nur eine Menge Müll", betont Michael Kienesberger, Leiter der Stadt-Wien-Umweltschutzabteilung.

Ganz besonders betroffen sind die Haustiere, wie Tierschutzombudsfrau Eva Persy betont: "Feuerwerk und Knallerei rund um den Silvesterabend können für Hunde und andere Tiere zur Tortur werden. Die Tiere zeigen ängstliches Verhalten, verkriechen sich oder geraten sogar in Panik." Percy rät dazu, Hund und Katze in Ruhe zu lassen, wenn sie sich verkriechen. Man sollte nicht versuchen, das Tier aus seinem Versteck zu holen, wenn es sich etwa unter einer Bank sicher fühlt. Tiere würden nicht nur durch den Lärm, sondern auch durch die mit Feuerwerken verbundenen Lichterscheinungen beunruhigt. Es empfehle sich daher, Fenster durch Jalousien oder Vorhänge abzudunkeln, im Zimmer aber Licht zu machen und durch Musik eine angenehme Atmosphäre zu schaffen.

Kauartikel zur Ablenkung

Ablenkungen - wie etwa Aufgaben stellen, Kauartikel anbieten - können laut Percy helfen, wenn der Hund durch die Knallerei und Feuerwerkskörper nur mäßig beeinträchtigt ist. Grundsätzlich gelte: Aufmuntern statt bemitleiden. "Seien Sie für Ihr Tier da und versuchen Sie, dabei selbst Ruhe und Gelassenheit auszustrahlen. Führen Sie Ihren Hund nur an der Leine Gassi und passen Sie Ihre Spazierrunden am Silvesterabend zeitlich so an, dass Sie zu den schlimmsten ‚Knallerei-Zeiten‘ nicht draußen sind", so Eva Persy. Und wichtig: "Lassen Sie ein verängstigtes Tier auf gar keinen Fall alleine."

"Oft benötigen Tiere in einer Angstsituation keine ausgiebigen Streicheleinheiten, sondern einfach nur die Körpernähe", meint wiederum die Kampagnenleiterin von Vier Pfoten Veronika Weissenböck. Sollte der Hund mit andauernden und extremen Stressreaktionen wie Zittern, Hecheln, Speicheln, vermehrtem Urin- und Kotabsatz, Durchfall, nassen Schweißpfoten, Schuppen oder Haarausfall reagieren, sollte man sich zusätzlich von dem Tierarzt bezüglich eventueller Medikamentengabe beraten lassen. Bei Tierschutz Austria wird ganzjährlich CBD-Öl für das Training der Angsthunde eingesetzt. Auch viele Katzen leiden unter der Knallerei. Daher sollten ihnen Unterschlupfmöglichkeiten zur Verfügung stehen, auch in Räumen, zu denen sie sonst keinen Zutritt haben.

Bei empfindlich reagierenden Haustieren sei es wichtig, schon im Vorhinein Maßnahmen zu treffen, meint Percy. Das könne ein Heranführen der Tiere an die Silvestergeräuschkulisse oder sogar die gemeinsame "Flucht" aufs Land sein. Sich erst am Silvestertag darüber Gedanken zu machen, wie man seinen gestressten Vierbeinern helfen kann, sei viel zu spät.

Ebenso sind Meerschweinchen, Kaninchen und Co sehr stressanfällig, betont Weissenböck. "Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, die Tiere während des Feuerwerks in einem ruhigen Raum zu halten." Geräuschdämmung bieten Decken über den Käfigen. Geschlossene Vorhänge tragen zudem dazu bei, dass die Kleinsäuger die beängstigenden Lichtbilder nicht sehen können. Eine zusätzliche Schicht Einstreu gibt ihnen die Möglichkeit, sich noch besser zu verstecken.

Radios und Licht aufdrehen

Das TierQuarTier Wien bereite sich jedes Jahr gut auf die Silvesternacht vor, erklärt Betriebsleiter Thomas Benda: "Wie jedes Jahr werden wir auch heuer unsere Fenster abdunkeln, Radios aufdrehen und auf den Gängen das Licht nachts brennen lassen. Dadurch soll der Stress in Form von lauten Geräuschen oder hellen Feuerwerken für unsere Tiere minimiert werden." Darüber hinaus würden den Tieren genügend Versteckmöglichkeiten in Form von Höhlen sowie Kauartikel und Kongs zum Stressabbau angeboten. "Bei besonders vorbelasteten Tieren arbeiten wir zudem mit sogenannten RelaxoPets. Diese kleinen Lautsprecher senden eine Frequenz aus, die beruhigend auf Tiere wirkt", erklärt Benda.

Das Wichtigste sei aber, dass im näheren Umkreis des Tierheims keine Böller oder Feuerwerke gezündet werden. "Dies ist auch gesetzlich verboten und wir bitten die Bevölkerung, sich an diese Vorschrift zu halten", so Benda.

Wildtiere sehr gefährdet

Nicht nur für Heimtiere, sondern auch für Wildtiere sei der Verzicht auf Raketen und Böller wichtig: Auch wenn man sie nicht oft sieht - Wien und Wiens Umgebung sind Lebensraum von einer Vielzahl an Wildtieren. "Das laute Krachen und die explodierenden Raketen bedeuten puren Stress für Reh, Fuchs, Dachs, Hase und eine Fülle an anderen heimischen Wildtieren", erklärt der Leiter des Wildtierservice Wien Günther Annerl.

"Da diese ein sehr empfindliches und feines Gehör haben, nehmen sie diesen Lärm vielfach verstärkt wahr. Ständiges, lautes Knallen löst deswegen besondere Panik in ihnen aus und der Versuch, vor den vielen Geräuschen zu fliehen, endet oft tödlich", so Annerl. Und gerade in der kalten Jahreszeit sei es für die Tiere jedoch besonders wichtig, ihre Kraftreserven zu schonen, um gut über den Winter zu kommen.

Sachschäden durch Kracher

Die Silvesterkracher verursachen aber auch viele Sachschäden, wie die Vorstandsdirektorin der Wiener Städtischen Versicherung, Doris Wendler, weiß: "Wenn zu fortgeschrittener Stunde ausgelassen gefeiert wird, mangelt es häufig an der nötigen Vorsicht im Umgang mit pyrotechnischen Utensilien." Die Wiener Städtische bezahlt für sämtliche Silvesterschäden - also Unfälle, Haftpflicht-, Gebäude-, Kfz- und Brandschäden - jedes Jahr durchschnittlich 4 bis 4,5 Millionen Euro. In den vergangenen beiden Corona-Jahren lag der Aufwand lediglich bei 3,6 beziehungsweise 3,8 Millionen Euro.

Die Liste möglicher Silvesterunfälle ist lang: Partygäste zünden im Stiegenhaus Knaller und demolieren dadurch Wände, ein unüberlegt gezündeter Böller verursacht einen Hörverlust oder beschädigt Autos, Feuerwerkskörper hinterlassen Schäden an Gebäuden und führen zu schweren Verletzungen.(rös)