Nach der Corona-Pause findet heuer in Wien nach zwei Jahren endlich wieder der Silvesterpfad statt. Es ist damit die 31. Ausgabe der Großveranstaltung, für die die Wiener Innenstadt in eine Partymeile umfunktioniert wird. Gefeiert wird bei freiem Eintritt - und zwar an insgesamt sechs Locations. Erwartet werden bis zu 800.000 Besucher.

Der Silvesterpfad erstreckt sich heuer über eine Länge von rund 1,5 Kilometer und führt von der Freyung über den Platz Am Hof, den Graben, den Stephansplatz und die Kärntner Straße bis zum kürzlich neu gestalteten Neuen Markt. Lediglich der Rathausplatz steht heuer nicht zur Verfügung.

Versprochen wird vom Stadt Wien Marketing ein mehr als 70-stündige Bühnenprogramm, das von Pop bis Walzer reicht. Dieses beginnt am Silvestertag um 14 Uhr und dauert bis 2 Uhr Früh. Zahlreiche Gastro-Stände entlang des Pfads sorgen am 31. Dezember bereits ab 11 Uhr für Verköstigung. Auch ein umfangreiches Kinderprogramm wurde angekündigt.

Zuliebe von Mensch, Tier und der Umwelt wird heuer auf ein Feuerwerk gänzlich verzichtet. Das Pyrotechnik-Spektakel war erstmals 2012 Teil des Silvesterpfads. 2019 musste es wegen starken Windes abgesagt werden.

500 Polizisten im Einsatz

Zu Silvester stockt auch die Wiener Polizei auf und hat aufgrund der Einsatzerfahrungen der vergangenen Jahre und jenen der Linzer Halloweennacht ein Einsatzkonzept erarbeitet. In dieses sind auch die Recherchen in den sozialen Netzwerken eingeflossen, wie es vonseiten der Polizei heißt. Da gerade bei Veranstaltungen wie dem Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker am 1. Jänner mit Störaktionen gerechnet werden müsse, würden die Schutzmaßnahmen deutlich erhöht. Zahlreiche zivile Polizeikräfte werden zusätzlich im Einsatz sein.

Zusätzlich zu den Regeldienstkräften wurden laut Polizei weitere 500 Beamte abkommandiert - u.a. Kräfte der Wega, der Polizeidiensthundeeinheit, der Einsatzeinheit, der Bereitschaftseinheit und der Landesverkehrsabteilung werden rund um den Jahreswechsel Dienst versehen. Auch Drohnen würden eingesetzt.

Das Zünden vieler gängiger Pyrotechnik ist innerhalb der Stadt ausdrücklich verboten. Die Polizei werde repressiv gegen Verstöße vorgehen. Es drohen Geldstrafen bis zu 3.600 Euro. Gewarnt wird vor Taschendieben im dichten Gedränge, etwa am Silvesterpfad. Dort wird aus Sicherheitsgründen auch eine Videoüberwachung installiert. An die Feiernden wird appelliert, mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Innenstadt zu kommen.

Drei Ambulanzstandorte

Den Sanitätsdienst übernimmt beim Silvesterpfad der Samariterbund. Im Einsatz sind 45 Rettungs- und Notfallsanitäter sowie fünf Notärzte für die medizinische Betreuung, zudem sind sechs Rettungstransportwagen und zwei Notarzteinsatzfahrzeuge bis Veranstaltungsende um 2 Uhr Früh im Einsatz. Die drei Ambulanzstandorte - Stephansplatz, Neuer Markt und Am Hof - sind dabei als Anlaufpunkte für erkrankte oder verletzte Personen eingerichtet.

Wie der ÖAMTC mitteilte, werden in der Stadt grundsätzlich keine Parkscheine benötigt, weil Silvester heure auf einen Samstag fällt. Es gibt allerdings Ausnahmen, wie zahlreiche Geschäftsstraßen. "Daher unbedingt auf die Beschilderung achten", warnt Mobilitätsexperte Gilles Dittrich vom ÖAMTC. Besondere Vorsicht gelte auch bei den Anrainer:innen- bzw. Anwohner-Parkplätzen in den Bezirken 1, 2, 3, 4, 6, 7, 8, 9, 12, 15 und 20. "Diese dürfen ausnahmslos 24 Stunden pro Tag sieben Tage die Woche nur von Anrainern mit entsprechendem Parkpickerl sowie von Behinderten mit Ausweis benützt werden. Somit auch nicht von Motorrädern und Mopeds", so Dittrich.

Auto stehen lassen

Auf jeden Fall sei man gerade zu Silvester gut beraten, sein Auto erst gar nicht in Betrieb zu nehmen. "Wer sich aber dennoch hinter das Steuer setzen muss oder möchte, für den gilt wie immer don’t drink and drive", betonte Marion Seidenberger, Verkehrspsychologin des ÖAMTC. Bereits kleine Mengen Alkohol hätten Auswirkungen auf die Reaktionsfähigkeit - zudem müsse man ab einem Wert von 0,5 Promille auch mit rechtlichen Konsequenzen rechnen.

Nach einer ausgedehnten Partynacht auf ein Fahrrad zu steigen oder mit dem Roller den Heimweg anzutreten, sei ebenfalls keine gute Idee, warnte die Expertin. Das beeinträchtige Gleichgewicht, falsche Brems- und Fahrmanöver, ungenaue Fahrrichtungsanzeigen, Abstandswahl sowie verlängerte Reaktionszeiten erhöhten das Unfallrisiko enorm.

Dass nicht alle diese Ratschläge beherzigen, zeigten Jahr für Jahr die Unfallzahlen. Allein in den vergangenen vier Jahren ereigneten sich in der Silvesternacht durchschnittlich 24 Unfälle, bei denen 29 Personen zu Schaden kamen. Das sind rund acht mehr als an einem normalen Abend. "Besonders unfallträchtig mit je 14 Prozent ist es rund um 18 Uhr und dann wieder gegen 4 Uhr", so Seidenberger.

Nicht unterschätzen sollte man auch den "Morgen danach". Auch wer sich nüchtern fühlt, kann noch Restalkohol im Körper haben. Vielen ist nicht bewusst, dass es seine Zeit braucht, bis der Alkohol im Körper wieder vollständig abgebaut ist. "Wenige Stunden Schlaf, eine kalte Dusche und mehrere Tassen Kaffee machen zwar etwas wacher, aber nicht nüchterner." Nach einer feucht-fröhlichen Nacht ist man daher gut beraten, das Auto auch am Folgetag stehen zu lassen.

Intervallverdichtung bei Öffis

Also am besten auf die Öffis umsteigen - für die Anreise zum Silvesterpfad empfehlen die Wiener Linien die U-Bahnen: U2 Schottentor, U1/U3 Stephansplatz (bis 22 Uhr), U3 Herrengasse U1/U4 Karlsplatz. Aufgrund des hohen Besucherandrangs wird die Station Stephansplatz auch heuer wieder ab 22 Uhr von den Linien U1 und U3 aus Sicherheitsgründen durchfahren. Bei zu großem Publikumsandrang kann es, aus Sicherheitsgründen auf polizeiliche Anordnung hin, bereits früher zu Einschränkungen und Sperren kommen.

Die Nacht-U-Bahnen sind in der Silvesternacht zuerst in einem dichteren Intervall (circa alle 5 bis 7 Minuten) unterwegs, zu späterer Stunde dann, wie an Wochenenden üblich, alle 15 Minuten. Ergänzend dazu bringen zusätzlich die Straßenbahnlinien U2Z, D, 1, 2, 6, 11, 18, 25, 26, 31, 38, 41, 43, 46, 49, 60, 62 und 71 sowie die Autobuslinien 7A, 26A, 29A, 35A, 62A, 66A, 68A, 68B und 73A die Menschen ins neue Jahr. Sie fahren in der Nacht alle 30 Minuten. Auch die Nacht- und Rufbus-Linien N17, N24, N61, N90 und N91 sind bis in die frühen Morgenstunden im Einsatz. Sämtliche Fahrpläne stehen auf www.wienerlinien.at/fahrplan zur Verfügung.

Silvesterlauf

Am Vormittag sind im Übrigen wieder mehrere tausend Läufer und Nordic Walker beim Silvesterlauf auf der Ringstraße unterwegs. Daher wird es laut Wiener Linien zwischen 9 und 13 Uhr zu Ablenkungen und Kurzführungen kommen. Linie D: geteilte Linienführung. Kein Betrieb zwischen Schwarzenbergplatz und Börse. Linie 1: Umleitung in beiden Richtungen zwischen Kliebergasse und Hintere Zollamtsstraße über die Linien 18 und O. Linie 2: Geteilte Linienführung. Kein Betrieb zwischen Heinestraße und Ring, Volkstheater. Linie 71: Kurzführung. Betrieb nur zwischen Kaiserebersdorf und Schwarzenbergplatz (bereits ab Betriebsbeginn). Linie U2Z: Betrieb startet erst um 13 Uhr.

Abgesehen davon sind die Öffis tagsüber wie an Samstagen unterwegs, mit den folgenden Ausnahmen: Die Linien 61B und 87A fahren bis 15 Uhr, die Linie 27A bis 15.20 Uhr bis Hermann-Gebauer-Straße. Die Linie 73A verkehrt nur bis circa 16 Uhr bis Landwehrstraße. Aufgrund des hohen Fußgängeraufkommens in der Innenstadt verkehren die Linien 1A, 2A und 3A nicht.