"Jesus ist geboren, in Betlehem und überall", ertönt es bald in der ganzen Stadt, wenn die Sternsinger in diesem Jahr ihre Runden ziehen und die frohe Kunde in den Häusern Wiens verbreiten.

Die Sternsinger bei der "Wiener Zeitung" wurden begrüßt von (v.l.n.r.) Geschäftsführer Martin Fleischhacker, den stellvertretenden Chefredakteuren Judith Belfkih und Thomas Seifert sowie von Chefredakteur Walter Hämmerle. 
- © Rösner

Die Sternsinger bei der "Wiener Zeitung" wurden begrüßt von (v.l.n.r.) Geschäftsführer Martin Fleischhacker, den stellvertretenden Chefredakteuren Judith Belfkih und Thomas Seifert sowie von Chefredakteur Walter Hämmerle.

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Seit 1954 sammelten die rund 85.000 Sternsinger mehr als 450 Millionen Euro Spenden für die weltweit größte Solidaritätsaktion. Und auch heuer suchen sie wieder Wohnhäuser auf, um dort traditionell ihre Gedichte und Lieder vorzutragen und sich für Menschen in Not einzusetzen.

Anders als in Niederösterreich, wie die Autorin dieser Zeilen aus eigener Erfahrung weiß, wandern die Kinder und Jugendlichen in Wien nicht grundsätzlich mit Weihrauch oder in festen Gruppen durch die Stadt. Ob Weihrauch mitgenommen wird, entscheiden vielerorts die Gruppen in den Pfarren, die auch von Ministranten begleitet werden. Die meisten der kleinen Könige werden in jeder ihrer Schichten, die jeweils drei Stunden dauern, neu zusammengewürfelt. Das stört die jungen Missionare aber keineswegs, wie Adam Hinsch beim traditionellen Besuch der "Wiener Zeitung" erzählt: "Es macht Spaß, auch mit anderen Kindern durch die Stadt zu gehen. Manchmal freundet man sich auch an und das gefällt mir", erzählt der junge Wiener, der sich seit fünf Jahren als Sternsinger engagiert.

Ebenfalls dabei sind sein jüngerer Bruder Ivo Hinsch und das Geschwisterpaar Klara und Severin Pernsteiner. Die vier waren schon öfter gemeinsam unterwegs und freuen sich, auch heuer wieder an der Dreikönigsaktion teilnehmen zu können. Sie alle sind seit mindestens fünf Jahren dabei. Severin Pernsteiner ist der Erfahrenste unter ihnen. Bereits sieben Jahre zieht er als Sternsinger von Tür zu Tür. "Ich bin gerne Sternsinger, man geht für den guten Zweck und lernt viele neue Leute kennen", so Pernsteiner.

Keine Einschränkungen

Anders als in den beiden Pandemie-Jahren 2021 und 2022 können die kleinen Könige wieder ohne spezielle Einschränkungen von Tür zu Tür gehen. Das heißt, dass sie auch grundsätzlich wieder ohne Masken unterwegs sein dürfen. Ob sich auch die Spendenergebnisse von der Pandemie erholen können, wird sich erst zeigen. Im Vergleich zur Dreikönigsaktion im Jahr 2020, die kurz vor Beginn der Corona-Pandemie stattfand, brachen die Spenden 2021 um etwa 5 Millionen auf 13,4 Millionen Euro ein. Im vergangenen Jahr stiegen die Einnahmen zwar etwas, lagen aber weiter unter dem Vorkrisen-Niveau.

Umso wichtiger sei die Aktion im heurigen Jahr, denn die Spenden, die im Zuge der Dreikönigsaktion 2023 gesammelt werden, sollen heuer insbesondere Menschen in Not in Kenia helfen. Mehr als 500 kleinere Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika, werden mit dem gesammelten Geld unterstützt. So soll der Zugang zu Bildung, Nahrung und sauberem Trinkwasser sichergestellt werden. Wie der WWF (World Wide Fund For Nature) berichtet, leidet Kenia aktuell unter einer extremen Dürre. Nach mehreren Jahren mit zu wenig Niederschlag regnete es auch 2022 laut dem WWF viel zu wenig. Das gefährdet die Menschen vor Ort auf mehreren Ebenen: Wasserstellen trocknen verstärkt aus, wodurch sowohl der Zugang zu Trinkwasser als auch der Viehbestand und die Landwirtschaft gefährdet sind. Oft müssen die Menschen in Kenia kilometerweit gehen, um an Wasser zu kommen. Ähnlich sieht es in Äthiopien, Eritrea und weiteren Ländern Ostafrikas aus.

Projekte für die Zukunft

Die andauernde Dürre sowie weitere Krisen, wie Kriege und Nahrungsmittelknappheit, sorgen in den betroffenen Ländern zusätzlich für Unruhen in der Bevölkerung. Mit den gesammelten Spenden versucht die Dreikönigsaktion, mit Partnerorganisationen dort langfristige Projekte umzusetzen. So werden beispielsweise nicht nur Bäume gepflanzt, sondern auch Schulen gebaut, um Kindern eine Zukunftsperspektive bieten zu können.