Wie neugierige Erdmännchen kommen die Eismenschen aus ihrem Clan-Zelt, stellen sich auf und blicken in die Umgebung. Die Behausung sieht tschuktschisch aus, die Kleidung der Menschen legt Inuit, Lappen und Sami nahe. Mit ihren Kufen schweben sie über das Eis, sie springen und tanzen. "Holiday on Ice - Supernova" ist eine im besten Sinne "gute" Eisrevue. Derzeit in der Stadthalle zu sehen, bietet sie alles, was man sich erwartet: beeindruckende Eisakrobatik, schöne Choreografien, bunte Kostüme und eine fantastische Kulisse. Zwar kann man unterm Strich den Eindruck gewinnen, dass eigentlich noch mehr PS unter der Haube wären, als der Showwagen letztlich auf die Straße bringt. Doch das ändert nichts daran, dass "Supernova" absolut sehenswert ist.

Vanessa James und Eric Radford, die bei der vergangenen Weltmeisterschaft Bronze holten, wissen auch bei "Holiday on Ice" das Publikum mit ihrem Tanz zu verzücken. Bis zur Pause wird ein Eismärchen mit viel Schnee und Sagenfiguren erzählt. Danach kommt ein etwas wilder Mix, in dem einander unter anderem Karnevalisten, Jugendgangs und Roboter abwechseln.

- © Wiktoria Hausner
© Wiktoria Hausner

Immer wieder lässt einem die gewagte Choreografie den Atem aus Angst vor einem Zusammenstoß stocken. Dazu gibt es noch Luftakrobatik und als Auflockerung zwischendurch nicht Eisiges: Die Darbietung eines Pole-Dance-Pärchens etwa, das so manches beeindruckendes Kunststück aus dem Ärmel zaubert.

Das Bühnenbild ist genial konzipiert und liefert durch Projektionen beeindruckend realistische 3D-Effekte. Dort wechseln einander täuschend echte Naturlandschaften, Lichtshows und letztlich die namensgebende Supernova als Hintergrundbild ab.

Von Vivaldi bis Simply Red

Für jeden etwas dabei hat die Musik, die mit Evergreens von Vivaldi bis Simply Red aufwartet. Gleichzeitig sorgt sie für Grübeln, weil jedes Stück völlig neu interpretiert ist und es oft ein wenig dauert, bis man den eigentlichen Titel identifizieren kann.

Dass noch Luft nach oben ist, zeigte sich bei der Wiener Premiere am Mittwoch. Da traten die amtierenden Weltmeister und Olympiasieger im Eistanz, Gabriella Papadakis und Guillaume Cizeron, als einmaliger Sonder-Act auf. Im Licht ihrer wunderbaren Performance verblassten die anderen Darbietungen ein wenig. Überraschend ist das freilich nicht. Schließlich füllen die beiden nicht umsonst seit Jahren ihre Trophäenschränke mit Gold. Dass "Holiday on Ice Supernova" sehenswert ist, tut das jedenfalls keinen Abbruch.