In der aktuellen Sonderausstellung präsentiert die Albertina 120 Meisterwerke der besten Aquarellisten der Biedermeierzeit. Zu diesen zählten neben Jakob und Rudolf von Alt auch Eduard Gurk und Leander Russ.

Auf dem hier abgebildeten Aquarell von Eduard Gurk aus dem Jahr 1833 ist rechts vorne ein Gebäude zu sehen, welches in Baden bei Wien bis heute als "Kaiserhaus" bezeichnet wird. In einem Fenster des ersten Stocks ist der österreichische Kaiser Franz (1768–1835) zu sehen, wie er die vor seinem Haus vorbeiflanierenden Badener Bürger in Augenschein nimmt.

Der damaligen Mode entsprechend, sind die Herren mit dunklem Gehrock, hellfarbiger Hose und Zylinder dargestellt. Ihren individuellen Geschmack bewiesen die Männer durch die Auswahl eleganter Halsbinden und Westen (welche durchaus kräftigere Farben aufweisen durften). An den vornehmen Damen im Bild ist bei näherem Hinsehen die "Wespentaille" zu bemerken, die anno dazumal mit Schnürmiedern zuwege gebracht wurde. Die bevorzugte weibliche Kopfbedeckung war damals die "Schute", eine Mischkulanz aus Haube und Hut, welche von allen Seiten bestens die Sonne abzuhalten vermochte und zudem genügend Fläche für allerlei Aufputz bot.

Der Gram einer Kaiserin

Franz, der "gute Kaiser", wie er seinerzeit hymnisch gerühmt wurde, kam 1796 erstmals zur Kur nach Baden. Prompt vergaffte er sich in das Städtchen: Von nun an verlegte er beinahe jährlich die Sommerresidenz in die Kurstadt und sorgte damit für eine völlig neue Dynamik im Gefüge der Stadt. Binnen kurzem bewirkte die Anwesenheit des Kaisers einen Zustrom von Aristokraten und vermögenden Bürgern, die in Baden wunderbare Bauwerke errichten ließen. Noch weiter vermehrt wurde das Ansehen der Stadt durch die Präsenz von angesehenen Künstlern und weiteren bedeutenden Persönlichkeiten.

Nachdem der Monarch zunächst Jahr für Jahr im Badener Augustinerkloster Quartier bezogen hatte, musste er sich 1812 um einen neuen Sommersitz umsehen, weil in diesem Jahr eine große Feuersbrunst in Baden wütete, die auch vor dem Augustinerkloster nicht Halt machte. Deshalb ließ er 1813 im Zentrum der Stadt ein im Besitz des Fürsten Nikolaus Esterházy befindliches Haus ankaufen, welches nun für die Bedürfnisse des Kaisers adaptiert wurde. Dass seine damalige Gemahlin Maria Ludovica, wie überliefert ist, das Haus für die Unterbringung eines kaiserlichen Hofs als viel zu beengt erachtete, ließ den "guten Kaiser" unbeeindruckt.

Kaiserliche Erquickung im Frauenbad

Auch sonst zeigte sich Kaiser Franz eher sparsam: Den Vorschlag des Hofarchitekten Johann Aman, das erwärmte Schwefelwasser aus dem nahen Frauenbad "durch bleyerne Röhren in das Gebäude Seiner Majestät zu leiten", lehnte er ab. Stattdessen wurde im noblen Frauenbad bei Anwesenheit des Kaisers das erste Bad am frühen Morgen für ihn reserviert. Ohne jeglichen fürstlichen Pomp, ganz so wie ein Bürger, unternahm Kaiser Franz nicht selten Spaziergänge in Zivilkleidung sowie Ausflüge ins nahe Helenental.

Nach Franzens Hinscheiden wollte dessen Nachfolger, Kaiser Ferdinand I., von einer Sommerfrische in Baden nichts wissen, zumal bereits vor seiner Krönung in der Kurstadt ein Pistolenattentat auf ihn verübt worden war.

Print-Artikel erschienen am 22. April 2010
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7