Zum anderen meldeten sich zwei renommierte Kunstexperten zu Wort, die vor dem Trend warnen, immer größere und modernere Bauten für die Wiener Stadtgärtner im eigentlich geschützten Grünland zu errichten. Die beiden Kunstgeschichte-Professoren der Universität Wien, Werner Kitlitschka und Mario Schwarz, weisen darauf hin, dass die "hinter Zäunen und Büschen verborgenen, barackenartigen Häuschen", die den Stadtgärtnern als Geräteschuppen und für Betriebsräumlichkeiten dienen, "rechtlich eigentlich nicht existent sind". Denn in der Flächenwidmung scheinen sie nicht auf, und nach Paragraf 71 der Wiener Bauordnung sind sie bloß "temporäre Gebilde". Trotzdem seien die Bauten "bisher schon recht störend in Erscheinung getreten", meinen die beiden in ihrer Expertise.

Doch in der Zukunft könnte weit Schlimmeres drohen, wie das Beispiel eines Neubaus am Alsergrunder Schlickplatz (nebst der Rossauer Kaserne) beweise: Bei diesem einstöckigen Stahl-Glasgebäude (siehe Bild rechts) offenbare sich eine "neue Entwicklungsstufe der Gartenhütten der MA42". Zum einen sei diese moderne Intervention im historischen Umfeld problematisch, zum anderen werde auch hier wie anderswo in Wien "das kostbare innerstädtische Grün zugunsten ,sozial wertvoller und angeblich provisorischer Zwecke beschnitten". "Das neue Objekt des Stadtgartenamtes ist als architektonischer Wildwuchs zu betrachten. Es stört, ja zerstört ein städtebauliches Ensemble und eine ohnedies recht bescheidene innerstädtische Grünoase", so Kitlitschka und Schwarz.

Dass das im Jänner eröffnete, offiziell "GärtnerInnenunterkunft" genannte Objekt Schule macht, hat bereits der wenige Wochen später eröffnete Neubau im Stadtpark bewiesen (siehe Bild links). Laut Stadtgartenamt füge sich das ebenso einstöckige Gebäude jedoch "besonders harmonisch in das Gesamtensemble" des Stadtparks ein.

Sima: Nur positives Echo

Freilich sind die Bauten auch nicht ganz billig: Jener am Schlickplatz kostete 1,5 Millionen Euro, bei jenen im Stadtpark werden die Kosten vom Büro der Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) nicht genannt. Auch zur Kritik der beiden Fachleute will man sich nicht äußern; punkto Schlickplatz habe man bisher aber "eine Vielzahl von positiven Reaktionen erhalten" - selbst während des Baus habe es keinerlei Beschwerden von Anrainern gegeben. Diese fänden statt alter Holzbaracken nun eine "gepflegte, architektonisch ansprechende Situation vor".